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Aus Tiegeln und Töpfen der Geschichte erzählt und gekocht

Veranstaltungsreihe „Lucullus“ geht weiter – Historiker bringen am 28. August im Schloßbergmuseum die Küche der Renaissancezeit auf den Tisch und blicken in Kochbücher des 15. und 16. Jahrhunderts

In Kooperation mit dem Schlossbergmuseum laden die beiden Chemnitzer Historiker Konrad Reinhold und Dr. Ralf Siegfried Ketscher am 28. August 2014 zum vorerst letzten Akt eines außergewöhnlichen Experiments: Die Veranstaltungsreihe „Lucullus“ endet mit einem Einblick in die gehobene Küche der europäischen Renaissance. Das 15. und 16. Jahrhundert waren nicht nur eine Zeit wissenschaftlicher und religiöser, sondern auch kulinarischer Umwälzungen. Verborgen unter der prächtigen Festkultur der Renaissancehöfe wurden die Fundamente für das gelegt, was wir heute als „gutbürgerliche Küche“ bezeichnen: Suppen, Soßen, Teiggerichte und verschiedene Gebäcksorten erschienen auf dem Speiseplan. Zeitgleich entwickelten sich die uns bekannte Speisefolge, das moderne Besteck und die neuzeitliche Tischetikette. Die Grundlage für das Eintauchen in die kulinarische Renaissancekultur bilden zahlreiche überlieferte Kochbücher jener Epoche, die oft nicht nur Rezeptsammlung, sondern auch Anleitung zu gutem Essen und angemessenen Umgangsformen waren.

Im Refektorium des Schloßbergmuseums in Chemnitz werden ab 16 Uhr in einem anschaulichen Vortrag Inszenierung, Akteure und die zahlreichen Neuerungen der Renaissanceküche vorgestellt. Anschließend folgt im Lapidarium auf dem Schlossberg die Präsentation auserlesener Kostproben, unter anderem nach Vorlagen aus der Rezeptsammlung der Augsburger Patriziertochter Philippine Welser und dem aus Werk „De honesta voluptate et valetudine“ des päpstlichen Bibliothekars Bartolomeo Platina. Maximal 15 Personen können an diesem in Renaissance-Kulisse servierten Mahl teilnehmen. Im Preis von 35 Euro (Studierende: 18 Euro) inbegriffen ist ein Vier-Gänge-Menü in historischem Rahmen sowie die Teilnahme am Einführungsvortrag. Getränke sind extra zu zahlen.

Angeregt wurde die Veranstaltungsreihe durch Beobachtungen im Alltag und daraus resultierende Fragen. Die Historiker nennen einige Beispiele: „Wie umfassend sind in der Bevölkerung die tatsächlichen Kenntnisse zur Herstellung von Speisen in einer Zeit, in der TV-Kochsendungen die Programme füllen und Buchpublikationen zum Thema überborden? Wie ist die Situation einzuschätzen, dass auf der einen Seite ein exorbitantes Nahrungsangebot zur Verfügung steht, dessen Ursprung jedoch oft unklar bleibt und welches der Handel immer stärker bereits zum Verzehr vorbereitet anbietet?“ Im Bewusstsein davon, dass der Wert historischer Forschungen unter anderem in Analogien bestehen kann, gehen die beiden TU-Mitarbeiter der Frage nach, wie sich die Herstellung und Aufbewahrung von Nahrungsmitteln in anderen ausgewählten Epochen gestaltete. Zum anderen interessierte die Herstellung, Dokumentation und Überlieferung des Wissens über Nahrungszubereitung. „Gerade in der Renaissancezeit sehen wir ein stark angestiegenes Interesse am Gartenbau und dem Haltbarmachen von Lebensmitteln“, so Reinhold und ergänzt: „Antike Werke wurden neu aufgelegt und im Rahmen der aufkommenden Hausväterliteratur wurden neue verfasst, der neuartige Buchdruck sorgte für ihre Verbreitung.“ Auf dem Prüfstand stehen weiterhin die Rezepturen, sind sie doch selbst ein Teil einer kulturellen Rezeptionsgeschichte. „Besonderes Interesse gilt auch dem kulturellen Wert von Speisen, der das übersteigt, was substantiell zur Ernährung notwendig ist. Speisen ist, das wird auch bei manchem Restaurantbesuch leicht vergessen, eine Kulturleistung“, sagt Ketscher.

Die Anmeldung für die 3. Lucullus-Veranstaltung am 28. August 2014 ist noch bis zum 26. August über die Mail-Adresse konrad.reinhold@phil.tu-chemnitz.de möglich.

Mario Steinebach
19.08.2014

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