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Das Modell Kindersportschule unter der Lupe

Sportwissenschaftler der TU Chemnitz bescheinigen der Kindersportschule Chemnitz positiven Einfluss auf die motorische Leistungsfähigkeit von Kindern

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In der Kindersportschule Chemnitz werden derzeit 310 Kinder sportlich gefördert. Foto: TU Chemnitz/Peter Zschage

Springen, Laufen, Werfen, Fangen, Klettern, Balancieren, Hangeln - seit Sommer 2005 spricht die Kindersportschule (KiSS) Chemnitz Zwei- bis Elfjährige an, um ihnen bei Spiel und Sport Spaß und Freude an Bewegung zu vermitteln. "Das Modell Kindersportschule wurde Ende der 1980er Jahre vom Schwäbischen Turnerbund entwickelt und in Sportvereine implementiert", berichtet Katrin Adler, Leiterin der KiSS Chemnitz, die vor vier Jahren als erste Kindersportschule der neuen Bundesländer entstand. Seither haben über 600 Kinder an den Bewegungsangeboten teilgenommen. Wissenschaftlich betreut wird die KiSS Chemnitz mit ihren momentan 310 Kindern vom Institut für Sportwissenschaft der TU Chemnitz. In verschiedenen Studien untersuchten Sportwissenschaftler die Wirksamkeit der KiSS und deren Angebote.

Eine Fragebogen-Studie, an der 385 Eltern aus fünf Chemnitzer Kindertagesstätten teilnahmen, zielte darauf ab, die Einstellungen der Eltern zum Kindersport zu erheben und zu analysieren, welche Erwartungen sie an Sportangebote haben. "Interessant ist, dass 90 Prozent der befragten Eltern Bewegung, Spiel und Sport ihres Kindes als wichtig erachten", sagt Adler. Dennoch ist nicht einmal ein Drittel der Befragten wenigstens zweimal wöchentlich mit ihren Kindern sportlich aktiv, so die Studie. "50 Prozent der Eltern geben an, nie oder nur unregelmäßig Zeit für gemeinsame Bewegungsaktivitäten zu finden. Vor allem diese Eltern sind der Meinung, dass sich ihre Kinder ausreichend in Kindergarten, Sportverein oder mit anderen Kindern bewegen", so Adler. Zwar zeigen die Studienergebnisse, dass 91 Prozent der Eltern über organisierte Kindersportangebote in der Stadt Chemnitz informiert sind, doch die Mitgliederstatistiken des Stadtsportbundes verweisen zum Erhebungszeitpunkt mit 14 Prozent auf eine recht geringe Beteiligung der Drei- bis Siebenjährigen an Sportvereinsangeboten. "Ein bis zwei Kindersportstunden pro Woche würden die meisten Eltern als sinnvoll empfinden. Dabei ist ihnen die Qualifikation des Kindersportpersonals wichtig", berichtet die TU-Absolventin. 63 Prozent der Eltern sind bereit, für ein Angebot, wie die KiSS es initiiert, bis zu 10 Euro monatlich zu zahlen, weitere 27 Prozent würden bis zu 20 Euro investieren. "Diese Beträge erscheinen recht niedrig - aber man muss beachten, dass Eltern in den neuen Bundesländern traditionell bislang für Kindersport nur sehr niedrige Aufwendungen bei gleichzeitig hoher Qualität erbringen mussten", erklärt Adler.

In einer weiteren Studie untersuchten die Sportwissenschaftler die Abhängigkeit der Teilnahme an den Sportangeboten der KiSS von der sozialen Herkunft der Kinder. Dabei sollte geklärt werden, ob die vergleichsweise hohen Kosten des professionellen Angebotes der KiSS in den neuen Bundesländern dazu führt, dass Kinder aus bestimmten sozialen Gruppen nicht teilnehmen, und ob der Besuch der KiSS von Bildung, Beruf und Einkommen der Eltern abhängt. 98 Eltern der KiSS Chemnitz beteiligten sich an einer schriftlichen Befragung. "Es zeigte sich, dass die Beteiligung am Angebot der KiSS Chemnitz stark durch Haushaltseinkommen, Beruf und Bildung beeinflusst ist. Am stärksten wirken sich aber die Einstellung der Eltern und ihr Wissen über die Bedeutung von Bewegung und Sport für die Entwicklung des Kindes aus", sagt Adler und ergänzt: "Die Ergebnisse der Studie lassen daher den Schluss zu, dass Eltern auch bei geringeren Mitgliedsbeiträgen das Angebot der KiSS erst dann nachfragen, wenn eine entsprechende Einstellung vorhanden ist und der Nutzen für das eigene Kind erkannt wird."

Im Rahmen einer Studie zur motorischen Leistung der Kinder analysierten die Wissenschaftler, ob vor allem sportlich talentierte Kinder den Weg in die Kindersportschule finden, oder ob das Angebot auch von Kindern mit defizitären motorischen Fähigkeiten und Fertigkeiten nachgefragt wird. Die Untersuchung erfolgte anhand der halbjährlich durchgeführten sportmotorischen Tests, welche zudem eine Wirksamkeitsprüfung des Angebotes ermöglichten. Insgesamt nahmen an der Studie 63 fünf- bis neunjährige Kinder teil. "Die Ergebnisse zeigen, dass die KiSS nicht nur motorisch begabte Kinder anspricht, sondern vor allem Kinder mit normalen oder defizitär ausgeprägten motorischen Fähigkeiten und Fertigkeiten integriert", berichtet Adler. Zugleich deuten die Ergebnisse darauf hin, dass sich die motorischen Leistungen der Kinder nach einem halben Jahr Besuch der KiSS signifikant verbesserten. "Allerdings können wir nicht ausschließen, dass die Studie von Störvariablen beeinflusst wurde - etwa durch die Teilhabe an anderen Kindersportangeboten", sagt Adler.

Weitere Informationen erteilt Katrin Adler, Telefon 0162 772 78 32, E-Mail adler@kiss-chemnitz.de.

Katharina Thehos
19.10.2009

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