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In der Hochschullehre kommt es auf das „Wie“ an

TU Chemnitz überzeugt mit neun Konzepten für innovative Lehre in einem Förderprogramm der Stiftung Innovation in der Hochschullehre

Die Stiftung Innovation in der Hochschullehre fördert in ihrer Programmlinie „Freiraum“ im Jahr 2022 neun experimentelle Lehr- und Lernprojekte an der Technischen Universität Chemnitz, davon einmal im Verbund mit der Hochschule Mittweida. Lehrende und Studierende der TU Chemnitz werden durch die Fördermittel im Ausprobieren und Umsetzen neuartiger Ideen und beim Verlassen ausgetretener Pfade unterstützt. „Wir hatten Einreichungen aus allen acht Fakultäten. Neun Projekte aus fünf Fakultäten werden nun gefördert. Diese enorme Zahl belegt die Bedeutung der Lehre in der gesamten Universität ebenso wie die Innovationskraft und den Ideenreichtum unserer Lehrenden“, stellt der Prorektor für Lehre und Internationales der TU Chemnitz, Prof. Dr. Maximilian Eibl, fest und erklärt: „Der Ablauf des Verfahrens im Windhund-Prinzip mit sehr kurzen Zeitfenstern zeigt aber auch, dass hier in Zukunft noch deutlich mehr Fördermittel zur Verfügung gestellt werden müssen.“

Unter den neun von der TU Chemnitz erfolgreich eingereichten Konzepten finden sich beispielsweise interaktive und partizipative Lehrformate für internationale Studierende beim Übertritt in den deutschen Hochschulraum, nützliche Hinweise zum Einsatz dynamischer Testaufgaben in der Methodenlehre, neuartige Methoden der Lernförderung durch Feedback oder ein Konzept zum Einsatz der multimedialen Lehr-Lern-Loop-Methode in der Fertigungsmesstechnik.

Nachfolgende Auflistung vermittelt einen ersten Einblick in die geförderten Projekte an der TU Chemnitz. Interessierte können sich an die angegebenen Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner wenden.

Multimediale Lehr-Lern-Loop-Methode in der Fertigungsmesstechnik

(Prof. Dr. Sophie Gröger, Professur Fertigungsmesstechnik, Fakultät für Maschinenbau)

Wissenselemente der Fertigungsmesstechnik sollen als Blended-Learning-Szenario in einer Lernplattform mit definierten Regelkreisen (Loops) zwischen Wissensstand, Lernerfolg, Kursauswahl, Fortschrittskontrolle sowie Motivation umgesetzt werden. Als innovatives Element wird dafür ein E-Tutor entwickelt, der die Interaktion zwischen den Beteiligten und den Transfer zu nachhaltig anwendbarem Wissen fördert. Das Projekt wird als Kooperation zwischen der Professur Fertigungsmesstechnik an der TU Chemnitz und dem Institut für Mittelstandskooperation der Hochschule Mittweida (MIKOMI) realisiert.

VIRAL - Virtuelle Realität als visuell attraktive Lernwelt am Beispiel des Praktikums

(Dr. Freddy Sichting, Professur Bewegungswissenschaft, Fakultät für Human- und Sozialwissenschaften)

Im Rahmen des Projektes wird über eine Virtuelle Realität (VR) ein dezentraler Raum geschaffen, in dem mittels 360°-Aufnahmen ein visuell attraktiver und zugleich nachhaltiger Wissens- und Erfahrungsaustausch stattfinden kann. Über eine Dauer von zwölf Monaten soll gemeinsam mit Studierenden der technischen Zugang zu einer VR-Lehr- und Lernumgebung entwickelt und verschiedene Ideen zur Gestaltung der VR-Umgebung erprobt werden. Der flexible und asynchrone Zugang zu Wissen und Erfahrungen soll neue Freiräume für Studierende schaffen. Die individuell gestalteten 360°-Rundgänge durch verschiedene „Praktikumserfahrungen“ ermöglichen vielseitiges immersives Lernen, indem die Studierenden in verschiedene Praxiswelten "eintauchen" können.“

Neue Formen der methodenorientierten Wissensvermittlung im Bereich der experimentellen Entwicklung (experimentaLAB)

(David Holschemacher, Professur Förder- und Materialflusstechnik, Fakultät für Maschinenbau)

Eine experimentelle Entwicklung von Verfahren und Produkten im Ingenieursberuf setzt methodische Kompetenzen in den Bereichen Teambildung, inhaltliche Fokussierung, Versuchsvorbereitung und -durchführung, Datenanalyse und -interpretation sowie Kommunikation voraus. Spätere Arbeitgeber stellen fest: Die Absolventinnen und Absolventen verfügen über theoretisches Fachwissen, anwendbare Methodenkenntnisse fehlen noch. Dem wird mit dem neuen Konzept „experimenaLAB“ begegnet, in dem die Lernenden weitgehend selbstorganisiert Teilprobleme lösen.

Interaktive und partizipative Lehrformate für internationale Studierende beim Übertritt in den deutschen Hochschulraum

(Prof. Dr. Christian Sevenheck, Professur Algebra, sowie Prof. Dr. Daniel Potts, Professur Angewandte Funktionalanalysis, Fakultät für Mathematik)

In diesem Projekt sollen neue didaktische Ansätze für die Durchführung von Lehrveranstaltungen in internationalen Studiengängen im Fach Mathematik erarbeitet und erprobt werden. Dazu sollen einerseits eine Reihe von grundlegenden Veranstaltungen derart in digitaler Form aufbereitet werden, dass diese von den potentiellen Bewerberinnen und Bewerbern für internationale Studiengänge bereits vor und während ihrer Bewerbung in ihrem Heimatland absolviert werden können. Darüber hinaus sollen klassische Lehrveranstaltungen ersetzt werden durch digital unterstütze partizipative Formate, in welchen wesentlich individueller auf die spezifischen Vorkenntnisse und Lernerwartungen der internationalen Studierenden eingegangen werden kann.

Digital Feedback Map

(Jun.-Prof. Dr. Jennifer Schluer, Sektion Teaching English to Speakers of Other Languages (TESOL) / Advanced Academic English, Philosophische Fakultät)

Im Projekt „Didaktische Orientierung für digitales Feedback“ werden unterschiedliche digitale Feedback-Methoden in der Lehre erprobt und erforscht, um hierauf aufbauend empirisch fundierte Empfehlungen zur Nutzung von digitalem Feedback abzuleiten. Ziel ist es, die Online-Plattform „Digital Feedback Map“ zu entwickeln, die (angehenden) Lehrkräften ein Orientierungswissen sowie konkrete didaktische Umsetzungsempfehlungen zu verschiedenen digitalen Feedbackmethoden gibt, damit sie diese in ihrer Lehre einsetzen und somit Lernende bestmöglich im Online-, Hybrid- und Präsenzunterricht unterstützen können.

Daten-Interaktion interdisziplinär erleben – Data-I

(Dr. Albrecht Kurze, Professur Medieninformatik, Fakultät für Informatik)

Smarte vernetzte Sensoren und das Internet of Things durchdringen zunehmend unseren Alltag. Kernpunkt von Innovationen aber auch Implikationen, z. B. für die Privatsphäre, sind dabei entstehende Daten. Das Projekt fördert studentische Kompetenzen im Umgang mit diesen Sensordaten. Dabei ist es erforderlich, praktisches Erleben der Interaktion Studierender mit smarten Sensoren/Daten und eigene Fragenstellungen daran zu fördern. Um dies zu ermöglichen, werden ein passendes Werkzeug zum Sammeln von Sensordaten und zum Interagieren damit sowie eine passende methodische Einbettung in die Lehre entwickelt und erprobt. Bewusst soll auf Perspektivunterschiede verschiedener Disziplinen gesetzt werden – in der Kooperation der Lehrenden und in heterogenen Kleingruppen von Studierenden.

Methodenguru – Werde Meister der Methodenlehre durch dynamische Testaufgaben

(Dr. Johannes Tietz, Professur Forschungsmethodik und Evaluation in der Psychologie, Fakultät für Human- und Sozialwissenschaften)

Ziel des Projekts ist die Erstellung einer unbegrenzten Anzahl an kompetenzorientierten Übungsaufgaben für das Fach Methodenlehre. In der Programmiersprache R wird eine Paketerweiterung entwickelt. Die dynamischen Aufgaben werden in einem Learning Management System (online) universitätsübergreifend allen Interessierten zur Verfügung gestellt.

Stärkung der Metakognition und Motivation Studierender durch individualisierte Smart Personal Assistants

(Prof. Dr. Daniel Gunter Rey, Professur Psychologie digitaler Lernmedien, Philosophische Fakultät)

Das Ziel des Projekts ist die Optimierung der Lernprozesse der Studierenden zur Steigerung des Lernerfolgs durch die Stärkung metakognitiver Fähigkeiten sowie der Motivation bei der Nutzung der Lernmaterialien. Ausgewählte Lehrveranstaltungen der TU Chemnitz werden als Testcase um Smart Personal Assistants (SPAs) ergänzt, welche Studierende gezielt und individualisiert unterstützen. Durch individualisierte SPAs können metakognitive Fähigkeiten besser gefördert werden als mit bestehenden Ansätzen, die meist eine “One Size Fits All”-Lösung anbieten.

Konzept zum Umgang mit heterogenem Vorwissen von Studierenden durch Verwendung von interaktiv und gezielt bereitgestellten Materialien im Modul Löten

(Dr. Susann Hausner, Institut für Werkstoffwissenschaft und Werkstofftechnik, Fakultät für Maschinenbau)

Ziel des Vorhabens ist es, die Studierenden im Modul Löten entsprechend ihres individuellen Kenntnisstandes abzuholen und mitzunehmen. Durch einen modularen Aufbau mit interaktiv vernetzten, eingesprochenen Videos und Textskripten soll es den Studierenden möglich sein, neben dem eigentlichen Stoff kompakt und zielgerichtet zusammengefasste Inhalte für individuellen Nachholbedarf, aber auch bei Vertiefungsinteresse abrufen zu können. Darüber hinaus ist die Einführung des Flipped Classroom vorgesehen, bei dem sich die Studierenden die theoretischen Inhalte zeit- und ortsunabhängig erarbeiten können und diese Inhalte in Präsenzphasen, in denen ein großer Wert auf ein gemeinsames Arbeiten und den Austausch zwischen den Studierenden sowie ein praktisches Erleben gelegt wird, vertiefen.

Hintergrund: Förderrunde „Freiraum“ der Stiftung Innovation in der Hochschullehre

Die Stiftung Innovation in der Hochschullehre wurde gegründet, um dauerhaft Qualität und Innovationen in Studium und Lehre zu fördern. Bund und Länder hatten sich 2019 auf die Einrichtung einer solchen Einrichtung verständigt. Bundesweit werden in der aktuellen Förderrunde „Freiraum 2022“ der Stiftung 204 Projekte mit insgesamt 46 Millionen Euro gefördert. Mit einer Bewilligungsquote von rund einem Drittel und Laufzeiten von 9, 12 oder 25 Monaten erhalten 18 Projekte in Sachsen mit einem Fördervolumen von etwa vier Millionen Euro den Zuschlag, darunter neun an der TU Chemnitz. Die Förderlinie „Freiraum“ soll die Freiheit schaffen, Ideen für die Lehre zu entwickeln und zu erproben und ist eine wiederkehrende Ausschreibung, die keinen thematischen oder fachlichen Schwerpunkt hat. Alle Vorhaben, die durch ihr Innovationspotenzial überzeugen, können gefördert werden.

Weitere Informationen erteilen Ulrike Rada, Telefon 0371 531-38538, E-Mail hochschldidaktik@tu-chemnitz.de, sowie Sandra Rechenberg, Telefon 0371 531-34819, E-Mail sandra.rechenberg@verwaltung.tu-chemnitz.de

(Autoren: Sandra Rechenberg, Ulrike Rada, Mario Steinebach)

Mario Steinebach
18.05.2022

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