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Die Zeit der Anderen

Mit dem Thema „Zeit“ ging der Tag der Lehre am 3. Dezember 2015 in die dritte Runde und bot Mitarbeitern und Studierenden der TU die Möglichkeit, neue Perspektiven darauf zu erschließen

Keine Zeit um auszuruhen, zu wenig Zeit für zu viele Aufgaben, durchgeplante Tage, die sich ganz anders gestalten: Zeit ist knapp und der Umgang mit ihr ist eine Herausforderung. Diese Erfahrungen teilten Studierende und Dozierende, als sie sich in Zweierteams in ein dreiwöchiges Projekt anlässlich des „Tags der Lehre“ begaben. Ziel des Tandem-Projektes war es, einen Eindruck von der Zeit des jeweils Anderen zu erhalten sowie Einblicke in Zeitmanagement und Zeitgestaltung. Dabei konnten unter anderem die Vorurteile vom unzuverlässigen Party-Studenten und dem kaum erreichbaren Absenz-Dozenten ausgeräumt werden.

Die erste Schwierigkeit bestand darin, Zeit für das Projekt zu finden. „Es war gar nicht so leicht, gemeinsame Zeiträume zu finden, in denen ich mich mit dem mir zugeteilten Dozenten treffen und austauschen konnte“, berichtet Julia Pfeiffer, studentische Teilnehmerin. Letztlich habe sich daraus aber ein Respekt für die Zeit des Anderen entwickelt. „Ich dachte immer, nach dem Studium fällt der Leistungsdruck ab und man hat geregelte Arbeitszeiten und kann dementsprechend seine Freizeit besser planen. Dem ist nicht so“, stellt Viktoria Dominikova fest, die als Studentin der Europastudien einen Mitarbeiter aus dem Maschinenbau begleiten durfte. Auch auf Seiten der Mitarbeiter gab es mitunter überraschende Erkenntnisse. „Viele Studierende müssen neben ihrem ohnehin sehr eng getakteten Studium Familie und Arbeit unter einen Hut bringen. Es scheint da bisweilen nur schwer möglich, ausreichend tief in ein Studium einzutauchen und Wissen reifen zu lassen“, erklärt Ingo Gebhardt, Mitarbeiter der Professur für Berufs- und Wirtschaftspädagogik.

Neben dem Verständnis für beide Seiten, konnten auch Strategien und Möglichkeiten für den Umgang mit Zeit erworben werden. So wurden Zeitplanungsinstrumente, Strukturierungsmethoden und Zeiteinteilung in den Teams erörtert, Zeitfresser identifiziert und zeitlich problematische Rahmenbedingungen festgehalten. Am Tag der Lehre am 3. Dezember 2015 stellten die Teilnehmer ihre Erfahrungen und Ergebnisse in der Session „My Time – Zeitcheck“ vor und diskutierten sie mit den Anwesenden.

Doch nicht nur das Tandem-Projekt eröffnete neue Perspektiven auf Zeit. Unter dem Titel „Didaktische Zeit-Entscheidungen“ diskutierten Studierende und Lehrende im Workshopformat „Worldcafé“ angeregt nicht nur über die bestehenden Herausforderungen von zeitlichen Korsetten und Engführungen in den Studienstrukturen, den Modulen oder Prüfungsleistungen, sondern auch über Lösungen: so könne mehr Wahlfreiheit und Selbstbestimmung innerhalb der Studiengänge und Module zum Beispiel in offenen Modulen oder integriert in ein Studium Generale erfolgen.

Unter einem ganz anderen Blickwinkel, nämlich der Frage nach dem transkulturellen Phänomen Zeit, beschäftigten sich die Teilnehmenden in Session 3. Dr. Gala Rebane eröffnete mit einem Kurzvortrag und gab Einblick in wissenschaftliche Theorien zur Zeit als kulturelles Phänomen. Beispielsweise hatten die Teilnehmende Gelegenheit zu hinterfragen, ob sie eher aus monochron- und polychronorientierten Kulturen stammen. Ein spannender Austausch mit Teilnehmenden aus Großbritannien, dem Iran, Vietnam, China, Italien, der Türkei und Deutschland.

In seinem Vortrag „ZEITgemäße Bildung“ setzte sich Dr. Matthias Schwarzkopf von der Friedrich-Schiller-Universität Jena ebenfalls mit den Perspektiven der Lehrenden und Lernenden auseinander und warf dabei einen kritischen Blick auf universitäre Strukturen und Bildungspolitik. Man solle dem wissenschaftlichen Denken mehr Bedeutung und Zeit geben. Extrinsische Motivation und Taktung soll zugunsten intrinsischer gesenkt werden und den Studierenden Freiräume, zum Beispiel durch offene Module und individuelle Leistungsvereinbarungen, gegeben werden.

„Ziel des Tags der Lehre war die Auseinandersetzung mit Zeit für Lehren und Lernen, eine Sensibilisierung für unterschiedliche Perspektiven, Positionen und kulturelle Erfahrungen sowie das Beleuchten der bildungspolitischen Rahmenbedingungen. Damit ist ein wichtiger Schritt getan, um Zeit für Bildung in der Universität nicht nur als didaktisches Prinzip, sondern auch als individuelles Zeiterleben weiter zu denken“, resümiert Prof. Dr. Christoph Fasbender, Prorektor für Lehre, Studium und Weiterbildung. Das Thema der nächsten Veranstaltung stehe noch nicht fest. Aber sicher sei, dass auch der nächste Tag der Lehre Universitätsangehörigen die Zeit gibt, in Austausch miteinander zu treten.

(Autorinnen: Dr. Sara Rodefeld, Dr. Maria Worf)

Katharina Thehos
07.12.2015

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