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Zwischen südländischem Temperament und fachlicher Expertise

Brasilianische Studierende zieht es mit dem Mobilitätsstipendienprogramm „Wissenschaft ohne Grenzen“ nach Chemnitz - Bis zum 28. August können interessierte Professuren Studienangebote für 2015 melden

Was verbindet man landläufig mit Brasilien? Gerade jetzt nach der Weltmeisterschaft ist dies, neben dem berühmten Karneval in Rio, wohl vor allem der Fußball. Doch deutsche Arbeitgeber und Bildungseinrichtungen schätzen auch eine weitere Qualität des aufstrebenden Industrielandes – das hohe Potential für die Gewinnung zukünftiger hochqualifizierter Arbeitskräfte. Im Rahmen des Programms „Wissenschaft ohne Grenzen/Ciência sem Fronteiras“ (kurz: CsF) ist auch die Technische Universität Chemnitz bestrebt, brasilianische Studierende an Sachsens drittgrößte Universität zu locken. „Mit Erfolg, denn vor allem technische Studiengänge sind gefragt - auch im deutschlandweiten Bildungswettbewerb“, weiß Dr. Wolfgang Lambrecht, Geschäftsführer des Internationalen Universitätszentrums (IUZ). Zum kommenden Wintersemester werden insgesamt über 30 brasilianische CsF-Stipendiaten an der Technischen Universität Chemnitz studieren. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Studienrichtung Systems Engineering, aber auch etwa im Master-Studiengang Maschinenbau werden brasilianische Teilstudierende begrüßt.

„Das Internationale Universitätszentrum würde sich sehr freuen, wenn die TU Chemnitz ihr Angebot an Studienplätzen für brasilianische CsF-Stipendiaten noch sehr viel weiter ausbauen würde – sowohl von der Anzahl der Plätze als auch der vertretenen Fachrichtungen. Die Nachfrage ist da. Die Frist für die Einstellung von Studienangeboten für das Sommersemester 2015 in ein spezielles CsF-Portal des DAAD läuft noch bis zum 28. August. Interessierte Professuren sind herzlich eingeladen, sich hierzu an das IUZ wenden. Auf Wunsch übernehmen wir sehr gerne den gesamten Anmeldeprozess – selbstverständlich in kontinuierlicher Abstimmung mit der jeweiligen Professur“ betont Lambrecht.

Diese vielversprechende Entwicklung ist auch der Industrie nicht entgangen. So haben die brasilianischen Stipendiaten zum Teil die Möglichkeit, im Rahmen ihres Studienaufenthaltes an der TU Chemnitz auch ein Praktikum bei einem Unternehmen zu absolvieren. Beispielsweise gibt es in diesem Bereich eine enge Zusammenarbeit mit Volkswagen - als einer der weltweit führenden Automobilkonzerne. Dass das deutsche Traditionsunternehmen dabei auf einen reichen Erfahrungsschatz bauen kann, verdankt es auch seiner Tochtergesellschaft Volkswagen do Brasil, welche momentan fünf Fabriken im flächenmäßig größten Land Südamerikas betreibt. Was läge also näher, als auch hierzulande brasilianische Studierende zu fördern? „Die Bewerbung selbst erfolgte dann über ein Formular auf der Website von Volkswagen“, erzählt Vítor Augusto Fortunato Andrade, der aktuell in Chemnitz Systems Engineering studiert. Der ursprünglich in Belo Horizonte beheimatete Student konnte einen der begehrten, ausgeschriebenen Praktikumsplätze ergattern – im Stammwerk Wolfsburg.

Über die Organisation des Praktikums findet Fortunato Andrade lobende Worte: „Ich hatte zwar nur eine Woche Zeit für den Umzug, doch VW versorgte mich mit einer Liste von Wohnungen.“ Es sei zwar dennoch nicht leicht gewesen, doch letztlich war zügig eine passende Bleibe gefunden und die Arbeit konnte fristgerecht anlaufen. „Ich bin planmäßig in der Abteilung Forschung und Entwicklung beschäftigt, werde aber auch bei der Kommunikation zwischen den Standorten Deutschland und Brasilien helfen“, so Fortunato Andrade. Zudem betont der brasilianische Student, dass er mit seiner Tätigkeit sowie dem Arbeitsumfeld sehr zufrieden sei: „Bei Fragen kann ich mich jederzeit an einen der netten Kollegen wenden.“ Außerdem hofft er, im Rahmen des Praktikums auch seine deutschen Sprachkenntnisse weiter verbessern zu können.

Wie es nach dem Praktikum weitergehen soll, weiß der ambitionierte Student schon: „Zunächst möchte ich noch ein Semester an der TU Chemnitz studieren und anschließend nach Brasilien zurückkehren. Ich genieße die Zeit hier in Deutschland, doch künftig wohnen möchte ich lieber in meiner Heimat.“ Dort stehe dann eine Tätigkeit für ein Großunternehmen wie Volkswagen auf seiner Wunschliste. „Dank meines Studiums an der TU Chemnitz und des interessanten Praktikums bin ich für dieses Vorhaben gut gerüstet“, resümiert Fortunato Andrade.

Weitere Informationen zum CsF-Programm sind unter http://www.tu-chemnitz.de/international/iuz/projekte/wog/index.php abrufbar.

(Autoren: Martin Blaschka und Mario Steinebach)

Mario Steinebach
15.08.2014

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