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Mittendrin im Filmclub

Das studentische Programmkino "mittendrin" bringt jede Woche Filmkunst auf den Chemnitzer Uni-Campus

  • Mit Leidenschaft und geübten Blicken prüfen Annemarie Franke, Janna Krauß und Timon Zietlow (v. r.) die 35-Millimeter-Filmbänder auf Schäden und testen die technischen Geräte. Foto: Christian Schenk
  • Die Filme kommen von 35-Millimeter-Filmstreifen, denn "das ist halt Kino", meint Annemarie Franke. Foto: Christian Schenk
  • Noch bis Ende März 2012 wurden die Filme mit zwei TK-35-Projektoren abgespielt, wobei die Filmvorführer wie Janna Krauß alle 20 Minuten den Film von einem Projektor auf den anderen wechseln musste. Foto: Christian Schenk
  • Eine kleine Bar, ausrangierte Kinostühle, eine große Leinwand und geblümte Sofas prägen das gemütliche Ambiente des Filmclubs, der zweimal wöchentlich seinen Besuchern ein abwechslungsreiches Filmprogramm bietet. Foto: Christian Schenk
  • Der Filmclub "mittendrin" ist seit den 60er Jahren eine feste Institution auf dem Campus der TU Chemnitz. Alte Fotoalben berichten von den Anfängen und ehemaligen Mitarbeitern. Foto: Christian Schenk
  • Janna Krauß, Annemarie Franke und Timon Zietlow (v. r.) möchten alle Interessierten ermutigen, einen Blick hinter die Kulissen des Clubs zu werfen, wo man nicht nur viel über die Filmkunst lernt, sondern auch Freunde findet. Foto: Christian Schenk

Es ist Donnerstagabend und über die Hälfte der Woche, mit anstrengenden Vorlesungen und Seminaren, liegt hinter einem. Wie wäre es mit ein bisschen Abwechslung? Ein guter Film vielleicht? Vor den Fernseher könnte sich nun jeder setzen und sich die dritte Wiederholung von CSI und Co. ansehen, aber macht das wirklich Spaß? Ist es nicht schöner, sich mit Freunden zu treffen, gemütlich beisammen zu sitzen bei einer kühlen Cola und einem cineastischen Leckerbissen? Kein Geld fürs Kino? Macht nichts, denn der Filmclub "mittendrin" im Keller der Reichenhainer Straße 35/37 bietet zweimal wöchentlich beste Unterhaltung und schont die studentische Geldbörse.

Annemarie Franke, Janna Krauß und Timon Zietlow kennen sie alle von Orlando Bloom über Colin Firth bis hin zu Geena Davis. Nicht persönlich, versteht sich, sondern von der Kinoleinwand. Jeden Dienstag- und Donnerstagabend kommen die drei Studenten den Stars auf 35 Millimeter breiten Filmstreifen ganz nahe, schließlich wird im "mittendrin" noch von Hand vorgeführt. Gemeinsam halten zehn aktive Mitglieder das kleine Kino in ehrenamtlicher Arbeit am Laufen. Obwohl sie alle aus unterschiedlichen Studiengängen stammen, sind sie auf recht ähnlichem Weg zu ihrem heutigen Hobby gekommen. "In der O-Woche hat man uns den Filmclub gezeigt, und da ich irgendetwas machen wollte, wo man viele Leute kennenlernen kann, habe ich mich hier gemeldet. Ich bin zudem auch regelmäßiger Kinogänger und da klang dies alles sehr interessant", erzählt Informatikstudent Timon Zietlow. Lange Bewerbungsschreiben oder Probearbeiten waren nicht notwendig, es reichte eine E-Mail an den Filmclub oder ein persönliches Gespräch, zum Beispiel beim regelmäßigen gemeinsamen Club-Abendessen am Donnerstag. Nach dieser kleinen Hürde ging es für sie bereits los, ob als Filmvorführer, hinter der Bar, Kassierer, Reinigungskraft oder Flyerverteiler - jede helfende Hand wird gebraucht und jeder hat die Möglichkeit, in allen Bereichen seine Erfahrungen einzubringen und neue zu sammeln.

Den richtigen Umgang mit den Filmprojektoren lernten die Studenten von ihren Vorgängern. "Es gibt keinen Kurs. Ich kam zum Beispiel einfach mal in den Vorführraum und prompt wurde mir gezeigt, wie man den Film einlegt und so lernt man es halt", erläutert Psychologiestudentin Janna Krauß, während sie im Vorführraum die Apparaturen betrachtet. Im Vorführraum, dem neben Sanitäranlagen, Archiv und Kinosaal kleinsten der vier Filmclubräume, befindet sich ein Projektor und ein Umspulturm, an dem Filme vorbereitet und bei Bedarf geschnitten oder geklebt werden. Noch bis Ende Mai 2012 wurden die Filme mittels zwei Projektoren vorgeführt, wobei alle 20 Minuten der Film von einem Projektor auf den anderen wechselte. "Die alten TK35-Projektoren waren im Prinzip selbst gebaut, das heißt, sie bestanden aus mehreren Projektoren, die wir zusammengesetzt haben", erklärt Timon Zietlow. Doch im Zeitalter von DVD und BluRay ist es schwer, Ersatzteile für die alten Maschinen zu bekommen, und so wurden die älteren Modelle mit Baujahr 1967 und 1970 vor Kurzem ersetzt. Allerdings handelt es sich beim Neuen nicht um einen digitalen High-Tech-Projektor, wie der Informatikstudent erläutert, denn ein Umstieg auf ausschließlich digitale Filmtechnik kommt für den Filmclub nicht infrage. "35-Millimeter-Filme sind besser als DVD", sagt Janna Krauß und Europastudentin Annemarie Franke bestätigt "das ist halt Kino".

Mit der neuen Langspielvorrichtung muss der Film nicht mehr von einem auf den anderen Projektor übergeblendet werden, einige Probleme fallen damit weg. Gerade Überblendzeichen in dunklen Szenen konnten die Vorführer bisher ins Schwitzen bringen. "Bei `The King`s Speech´ waren diese zwar einkopiert, aber auf der weiten Distanz bei der Vorführung in der Mensa haben wir sie nicht gesehen, wodurch der Film unterbrochen wurde. Die Katastrophe war groß", erinnert sich Timon Zietlow. Bei handgemachtem Kino passieren nun mal solch kleine Zwischenfälle; so wurde schon mal eine Szene doppelt gezeigt und beinahe kam es zu einem Brand. "Der Film ist stecken geblieben, dann wurde die Lampe zu heiß und es haben sich Blasen gebildet", erzählt Janna Krauß und lacht heute darüber. Doch wirklich entzünden würden sich der heutige Sicherheitsfilm nicht, denn die Filme, die sich auf bis zu 4.000 Meter langen und 35 Millimeter breiten Filmbändern befinden, bestehen längst nicht mehr aus leicht entflammbarem Zelluloid, wie ihre älteren Vorgänger.

Seit seiner Gründung in den 1960er-Jahren ist der Filmclub "mittendrin" eine feste Institution auf dem Campus und gut besucht. "Es sind überwiegend Studenten, die zu uns kommen", beschreibt Annemarie Franke das Publikum. Allerdings gebe es wenig ausländische Studenten, denn die Filme werden fast ausschließlich auf Deutsch gezeigt. Ein Grund dafür ist, dass das Einkopieren von Untertiteln in verschiedenen Sprachen auf 35-Millimeter-Filmen sehr teuer ist und sich für den Filmverleih nur in seltenen Fällen lohnt. Abschrecken lassen sollten sich die ausländischen Studenten jedoch nicht von der deutschen Sprache, denn neben Dramen, Komödien, Liebesfilmen und Thrillern werden zum Beispiel in der Reihe "Mo-Doku" Dokumentationen in Originalton mit Untertiteln gezeigt und in Kooperation mit dem Polnischen Institut Berlin Filiale Leipzig und dem Institut für Europäische Studien der TU Chemnitz laufen polnische Filme im Original. Das Filmangebot ist sehr vielseitig. "Wir machen Programmkino und das war auch unser Ziel, nicht Blockbuster zu zeigen, die man sich überall ansehen kann. Jeder kann seine Präferenzen einbringen und sagen, dass er einen Film irgendwo gesehen hat und ob es nicht möglich wäre, ihn hier vorzuführen", meint Annemarie Franke, die damit jeden Kinofreund ermutigt, seine Ideen ins Programm des Filmclubs mit einzubringen. "Wir zeigen auch mal den derbsten Trash", ergänzt sie. "Auf unserer Facebook-Seite kann jeder mitdiskutieren, welchen Film wir zeigen sollen", erinnert ihre Kollegin und Timon Zietlow fügt hinzu: "Wir sind ein Studentenkino, wo Studenten Filme für Studenten zeigen, deshalb darf jeder mitmachen und seine Meinung äußern."

Der Filmclub "mittendrin" befindet sich in der Reichenhainer Straße 35/37 und öffnet jeden Dienstag sowie Donnerstag um 20.30 Uhr seine Türen. Der Eintritt kostet 3 Euro.

Weitere Informationen zum Filmclub: http://www.filmclub-mittendrin.de und http://www.facebook.com/filmclub.mittendrin

(Autorin: Sandra Edel)

Katharina Thehos
17.07.2012

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