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Kiel erinnert mit zwei Ausstellungen an die Novemberrevolution vor einhundert Jahren

Der Chemnitzer Politikwissenschaftler Alexander Gallus hielt den Festvortrag über „1918 - 2018: Geschichte und Aktualität einer Revolution“ anlässlich der Eröffnung im Kieler Schloss

Im Herbst 2018 jährt sich die Novemberrevolution, die am Beginn der ersten deutschen Demokratie stand, zum einhundertsten Mal. In der Stadt Kiel wurden dazu am 6. Mai zwei Ausstellungen mit einem Festakt eröffnet: „Die Stunde der Matrosen. Kiel und die deutsche Revolution 1918“ sowie „Revolution 1918 - Aufbruch in Schleswig-Holstein“. Nach Grußworten des Ministerpräsidenten des Landes Schleswig-Holstein, Daniel Günther, des Oberbürgermeisters der Landeshauptstadt Kiel, Dr. Ulf Kämpfer, und des Landesbeauftragten für politische Bildung, Dr. Christian Meyer-Heidemann, hielt der Chemnitzer Politikwissenschaftler und Zeithistoriker Prof. Dr. Alexander Gallus den Festvortrag vor rund 300 Zuhörern im Kieler Schloss.

Gallus sprach über „1918 - 2018: Geschichte und Aktualität einer Revolution“. Erst vor kurzem sei die Geschichtsschreibung zu dieser zwischenzeitlich „vergessenen Revolution“ aus ihrem Dornröschenschlaf wachgerüttelt worden. So sehr Gallus dies begrüßte, äußerte er sich doch skeptisch gegenüber einer eindeutigen, von der Novemberrevolution ausgehenden Traditionsstiftung. Sie falle quasi in einen erinnerungskulturellen Spalt: weder eindeutig als Abschreckungs- noch als Lernbeispiel in der deutschen Demokratiegeschichte geeignet.

Gallus plädierte allerdings dagegen, die deutsche Revolution von 1918/19 nur rückwärts und ganz auf das Scheitern der Weimarer Republik im Jahre 1933 hin zu entschlüsseln. Statt „mit der nachträglichen Weisheit heutiger Historiker“ den damaligen Zeitgenossen die „besseren Alternativen ungeschehener Geschichte“ vorzuhalten, sollten deren Erwartungen und Erfahrungen voller Hoffnungen und Enttäuschungen ernstgenommen werden. Mit Blick auf die Kieler Ereignisse, durch die die Revolution im ganzen Land in Gang gesetzt, die Monarchie gestürzt und schließlich die Demokratie begründet wurde, hielt er eine gewisse „Revolutionseuphorie“ für angebracht. Schließlich breitete sich von der Küste aus die Revolution rasch in vielen Großstädten Deutschlands aus, Chemnitz erreichte sie am 8. November, Berlin erfasste sie am geschichtsträchtigen 9. November 1918.

Im Herbst 1918 schlug in der Tat die „Stunde der Matrosen“, fast unblutig, besonnen und entschlossen zugleich. Gallus nannte dies einen „emanzipatorischen Akt, einen auf Frieden zielenden Moment der Freiheit“. Diesen lange Zeit vernachlässigten Erinnerungsort gelte es als Symbol unserer Demokratiegeschichte zu stärken: nicht um eine schlichte Heldengeschichte zu konstruieren, sondern zugleich auch als Mahnung. Im Jahre 2018 an den revolutionären Ursprung der Demokratie 1918/19 zurückzugehen, das sagte Gallus abschließend in Kiel, mag uns daran erinnern, „Demokratie nicht als gleichsam fertiges Produkt zu konsumieren, sondern in ihr ein entwicklungsfähiges, gestaltungssensibles, bisweilen gefährdetes Geschöpf zu erkennen, das weiterhin unserer Pflege und Formung bedarf“.

Mario Steinebach
07.05.2018

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