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Frau, Technik – Erfolg!

TU-Absolventin Prof. Dr. Verena Kräusel blickt auf eine bisher außergewöhnliche Karriere in Wissenschaft und Praxis zurück - Sie sieht sich auch als Botschafterin für das Ingenieurwesen

„Ursprünglich wollte ich nach meinem Schulabschluss Journalistin werden“, sagt Prof. Dr. Verena Kräusel von der Professur für Umformendes Formgeben und Fügen der Technischen Universität Chemnitz. Heute ist die TU-Ingenieurin dank ihres Wissens, ihres Werdegangs und ihrer Reputation eine geachtete Größe auf dem Gebiet der Umform- und Zerteiltechnik. Kräusels erste Stufen auf der Karriereleiter nahm sie bereits von 1983 bis 1988, als die TU Chemnitz noch Technische Hochschule Karl-Marx-Stadt hieß. Damals beschloss die gebürtige Riesaerin, ihre Journalismus-Pläne umzukrempeln und sich mit ihrer technischen Begabung dem Studium der Fertigungsprozessgestaltung mit Vertiefungsrichtung Informationsverarbeitung zu widmen. Heute leitet die Professorin an der TU die Lehr- und Forschungsbereiche Umformen und Fügen an der Professur für Umformendes Formgeben und Fügen von Prof. Dirk Landgrebe. Am Fraunhofer-Institut für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik (IWU) in Chemnitz ist sie zudem wissenschaftliche Mitarbeiterin. Im November 2017 wurde Kräusel zur Honorar-Professorin für Fertigungstechnik/Anwendungsspezifische Verfahren der Umform- und Zerteiltechnik an der Westsächsischen Hochschule Zwickau ernannt.

Wahl zwischen Chemnitz und Dresden fiel zu gunsten von Karl-Marx-Stadt

„Zwei Studienorte mit dem Fokus Maschinenbau hatte ich zur Wahl: Die TU Dresden und die TH Karl-Marx-Stadt. Den Vorzug gab ich der TH. Die guten Studienbedingungen samt der damals neu und modern gestalteten Wohnheime und die schnelle Zuganbindung in meine Heimatstadt erleichterten mir die Wahl“, so die Ingenieurin und ergänzt: „Mit weitem Blick in die Zukunft, sprach für das Studium der Fertigungsprozessgestaltung natürlich auch die angeschlossene vertiefte Informatik-Ausbildung. Davon zehre ich bis heute.“ Trotz der erstklassigen Voraussetzungen: Die Studierenden von damals hatten mit Herausforderungen zu kämpfen, die der heutigen Generationen fremd sein können. So habe damals selbstverständlich niemand seinen eigenen Computer, geschweige denn einen Laptop gehabt. Man habe sich unter anderem für die informationstechnischen Aufgaben in einen Computer-Raum eintragen müssen und sei so räumlich und zeitlich gebunden gewesen, stellt Kräusel dar.

„Das Grundstudium damals war wirklich hart. Meine Kommilitonen und ich mussten uns ein ums andere Mal richtig durchboxen“, erzählt Kräusel. „Die Entbehrungen haben sich aber spätestens ab dem fünften Semester gelohnt. Endlich konnten wir uns im fachspezifischen Teil des Studiums verstärkt mit industrienahen Themen auseinandersetzen.“ An die Zeit auf dem Campus erinnert sich die Professorin auch deshalb gerne, weil „sich unter den Mitstudierenden jeder gegenseitig unterstützt hat und wir in unseren kleinen Seminar- und auch Lerngruppen eng zusammengewachsen sind. Bis heute bestehen Freundschaften aus der Studienzeit fort.“ Fernab vom Hörsaal, engagierte sich Kräusel außerdem im Studentenclub FPM und suchte beim Wandern mit Freunden nach einem Ausgleich zum Uni-Alltag.

Kräusel war nach ihrem Diplom-Abschluss fest entschlossen, den Weg in die Promotion zu gehen. In der DDR habe es, ähnlich wie heute, die Möglichkeit gegeben, im Rahmen einer wissenschaftlichen Mitarbeit die Dissertation zu schreiben. Die Technologin entschied sich allerdings, eine andere Option in Betracht zu ziehen und startete 1988 als sogenannte Forschungsstudentin ihre Promotion am Lehrstuhl für Umformtechnik. „Mit Professor Schwager als meinem Doktorvater habe ich definitiv die bestmögliche Betreuung erfahren dürfen. Generell waren die Arbeitsbedingungen am Lehrstuhl für Umformtechnik hervorragend“, betont Verena Kräusel. Während viele ihrer Mitpromovierenden mit den Veränderungen der Wendejahre zu kämpfen hatten, habe sich Kräusel mit ihrer 1994 abgeschlossenen Dissertation über die „Entwicklung eines wissensbasierten Systems für das Metalldrücken“ glücklich schätzen können. Nicht nur, weil es im wiedervereinten Deutschland wenig wissenschaftliche Konkurrenz auf diesem Gebiet gegeben habe, sondern auch, weil die Verbindung eines Maschinenbau-Themas mit informationstechnischen Komponenten ganz und gar zukunftsweisend gewesen sei, ist sich die Forscherin heute noch sicher.

Steiler Karriereweg – an der TU und innerhalb der Fraunhofer-Gesellschaft

Nachdem Kräusels Tätigkeit als Forschungsstudentin 1992 ausgelaufen war, zog es sie zunächst in die Industrie. Als Vertriebsingenieurin konnte sie in einem Chemnitzer Systemhaus die erlernten Studieninhalte direkt anwenden und weiterentwickeln. Trotz vollzeitlicher Beschäftigung beendete sie parallel ihre Dissertation. Wie es der Zufall so wollte, führte sie ihr Weg nach der Jahrtausendwende wieder näher zur TU Chemnitz heran: „Professor Reimund Neugebauer, der heutige Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft, suchte damals am Fraunhofer-Institut für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik dringend nach Mitarbeitenden im Bereich Umformtechnik“, erzählt Kräusel. Mit Neugier und Interesse folgte sie Neugebauers Ruf. Bis heute blieb die Ingenieurin dem IWU als wissenschaftliche Mitarbeiterin treu. Sie leitete von 2006 bis 2007 die Gruppe Blechumformung, bevor sie ab 2008 die Leitung der Abteilung „Blechbearbeitung“ verantwortete. Zeitgleich übernahm Kräusel ab 2007 ein breites Spektrum an Lehrveranstaltungen an der TU Chemnitz und der WHZ im Themenkomplex der Umformtechnik. Mit der bis heute bestehenden Tätigkeit als Dozentin beweist sie einmal mehr, wie sehr ihr die Bildung und Betreuung des wissenschaftlichen Nachwuchses am Herzen liegt.

Auch Kräusels weiterer Karriereweg war von der Nähe zur TU und zum Fraunhofer IWU geprägt: Ihre 2012 aufgenommene Tätigkeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Professur für Werkzeugmaschinen und Produktionsprozesse sollte einige Jahre später in der Leitung der Lehr- und Forschungsbereiche Umformen und Fügen an der Professur für Umformendes Formgeben und Fügen der TU Chemnitz münden. Mit der Habilitation zum Thema „Gestaltung und Bewertung einhubiger Scherschneidverfahren mit starren Werkzeugen unter besonderer Berücksichtigung der Schnittflächenqualität an Blechbauteilen“ gelang der Ingenieurin 2013 ein weiterer Meilenstein. Für diese innovative wissenschaftliche Arbeit wurde sie ein Jahr später von der Stiftung Industrieforschung geehrt und erhielt Ende 2017 auch das Patent für das aus der Habilitation hervorgehende Werkzeugkonzept.

„Verdutzter Blick auf die Visitenkarte“

„Erst nach der Wende wurde das Thema Gleichberechtigung zwischen Frauen und Männern ein Thema. Zum Beispiel auf Messen in den alten Bundesländern, da erhielt man des Öfteren fragende Blicke auf die Visitenkarte. Es schien nicht gewöhnlich, dass Frauen ebenbürtiges technisches Know-how mitbringen können“, erklärt Kräusel und ergänzt: „Bereits im Studium waren Frauen und Männer bei uns zu fast gleichgroßen Teilen vertreten. Wir kannten diesbezüglich also kein Ungleichgewicht. Auch das Thema Gleichbehandlung war für uns kein Problem, sondern es wurde einfach gelebt.“ Um Frauen in der Technik und speziell im Maschinenbau wieder eine starke Lobby zu geben, setzte die Technologin auf gezieltes Netzwerken zwischen den Wissenschaftlerinnen.

Blick gen Zukunft

Egal ob als Lehrende oder Forschende, Verena Kräusel hat ihren Blick auch in Zukunft auf neue Herausforderungen gerichtet: „Sowohl in meiner Funktion als Professorin und Dozentin an der TU als auch als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Fraunhofer IWU: Man muss stetig am Ball bleiben und mit der Zeit gehen. Bestes Beispiel ist das Thema Industrie 4.0“, erklärt sie und ergänzt: „Des Weiteren sind wir als Maschinenbauer mehr denn je gefordert, interdisziplinäre Beziehungen zu anderen Wissenschaftsbereichen zu pflegen.“ Eine weitere Herzensangelegenheit für Kräusel sei, ihr Wissen und ihre Leidenschaft an den akademischen Nachwuchs weiterzugeben: „Gerade in Zeiten, in denen die Studierendenzahlen die große Nachfrage aus der Industrie kaum decken, müssen wir frühzeitig bei Abiturienten oder Absolventen von Berufs- oder Fachoberschulen die Begeisterung für ein Studium im Maschinenbau wecken und verstärkt die Vielfalt an möglichen Berufsfeldern und damit an späteren Einstiegsmöglichkeiten in Industrie und Forschung aufzeigen.“ Auch deshalb engagiere sie sich als Botschafterin für das Ingenieurwesen u. a. auf dem Informationstag des Gymnasiums in Zschopau, um bereits in Schulkindern das Interesse für ein technologisches Studium zu wecken. Forscherin und Lehrerin mit Leib und Seele eben.

(Autor: Lars Meese)

Mario Steinebach
12.03.2018

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