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Höhenprofi mit Tradition

Schon während seines Magisterstudiums der Sportgerätetechnik ist Jens Gäbelein als Seiltechniker bei der Höhenservice Straß GmbH in Chemnitz tätig, deren Geschäftsführer er 2013 wurde

„Mein Studium hat mich dorthin geführt, wo ich jetzt bin“, resümiert Jens Gäbelein, der seit November 2011 offiziell als Inhaber der Höhenservice Straß GmbH fungiert. Der passionierte Fußballspieler war nach seiner Hochschulreife auf der Suche nach einem Studiengang, der sein sportliches Interesse abdeckt und ihm dazu Perspektive bietet. Überzeugt hat ihn schließlich das Chemnitzer Modell eines Magisterstudiums im Fachbereich Sportgerätetechnik, dass sich aus der Verbindung von Sport- und Verfahrenstechnik mit Elementen des Wirtschaftsingenieurwesens und der Elektrotechnik zusammensetzte. Diese Schnittstelle zwischen Leistungssport und Maschinenbau reizte den gebürtigen Thüringer, weil die Ausbildung Experten hervorbrachte, „die die Sprache aus beiden Bereichen sprechen und vermitteln können“. Damals gehörte Jens Gäbelein zu einem der ersten, die eine solche Kompetenz vorweisen konnten. „Wir waren nur zu zweit im Studienjahr“, erinnert er sich. „Dann sind es von Jahr zu Jahr mehr Studierende geworden“. Hier arbeitete der 38-Jährige auch an dem Forschungsprojekt „Seilunterstütztes Retten und Bergen aus Höhen und Tiefen“ des Hauptverbands der Berufsgenossenschaften mit, welches ihm die Richtung für seine heutige Arbeit in der Höhe wies.

Noch vor seinem Magisterabschluss zum Thema „Entwicklung und Darstellung eines optimierten seilunterstützen Rettungsablaufs am Beispiel einer simulierten Rettungssituation“ im Jahr 2007, wurde Jens Gäbelein über einen Freund nicht nur zum Hobbykletterer, sondern kam auch mit dem Höhenservice Straß in Berührung, der bereits für das Forschungsprojekt Geräte für die Rettungssimulation bereitstellte. Das bis 2011 von Firmengründer Hans-Uwe Straß geleitete Unternehmen kann auf eine lange Geschichte zurückblicken. 1979 formierten sich Straß und seine Kollegen in einer damals für die DDR einzigartigen Reperaturbrigade der VEB Gebäudewirtschaft Karl-Marx-Stadt und absolvierten viele spektakuläre Aufträge. Darunter ein Großeinsatz am Carl-Zeiss-Planetarium in Bulgarien oder Schornsteinarbeiten im Petrolchemischen Kombinat Schwedt. Nach der Wiedervereinigung löste sich das Bau- und Montagekombinat Süd Karl-Marx-Stadt, zu dem die Brigade seit dem Ende der 70er Jahre gehörte, auf. Hans-Uwe Straß entschied sich daraufhin für die Selbständigkeit und gründete den in Chemnitz beheimateten Höhenservice. Seitdem wuchs das Unternehmen stetig und wirkte unter anderem entscheidend am Kippen des Verbots für das Arbeiten am Seil mit, welches noch bis 1993 in der BRD bestand. Was folgte waren deutschlandweite Anfragen großer Partner aus allen Bereichen. So sanierte Straß‘ Team die berühmte Göltzschtalbrücke und arbeitete beim Weltklimagipfel 1995 sowie bei der Reichtagsverhüllung mit. Seit 2004 ist auch Jens Gäbelein dabei. Zunächst noch als Erwerb neben dem Studium gedacht, stieg der Technosportler 2009 voll als Mitarbeiter in das Unternehmen ein.

Hier erwarb der 38-Jährige zunächst das notwendige Know-How für das Arbeiten in der Höhe und entfernte so Begrünung an Talsperrmauern, absolvierte Reinigungsarbeiten an Hochgebäuden oder inspizierte Baustellen. „Gerade wenn die Saison wieder beginnt, hat man ein mulmiges Gefühl in der Höhe, aber alle Handgriffe sind klar und die Arbeit ist sicher, sodass wir routiniert arbeiten können und müssen“, so der Hobbykletterer. Obwohl das sogenannte Industrieklettern den Großteil des Berufslebens der Seiltechniker ausmacht, betätigt sich der Straß Höhenservice auch im Versand von Ausrüstung, für die er auch als Sachkundeprüfer agiert, oder bildet neue Höhenarbeiter aus. Gerade für Firmen, die an hochgelegenen Arbeitsplätzen tätig sind, sei ein geschultes Personal wichtig, das wisse, wie sicher gearbeitet wird oder wie man einen verunfallten Kollegen schnell retten kann, führt der Sportingenieur an. Neben der notwendigen körperlichen Eignung ist auch handwerkliches Geschick vonnöten. Die Mitarbeiter in Gäbeleins Team haben meist einen Berufsabschluss im klassischen Handwerk und können so ihre spezielle Expertise in die Arbeit einbringen. „Bei uns muss es aber auch menschlich passen. Wir sind aufeinander angewiesen und man muss sich auf den anderen verlassen können“, so der Sporttechniker. „Ich habe keine Angestellten, ich habe Mitarbeiter! Wir sind wirklich wie eine Familie“, erzählt er weiter. Im internationalen Vergleich ist dieser Einsatz von Fachspezialisten nicht unbedingt üblich. So werden beispielsweise in Frankreich Höhenarbeiter in einer eigenen Berufsausbildung über drei Jahre geschult. Deshalb setzt sich das Team des Höhenservice als Mitglied des FISAT-Verbands auch für die Anerkennung des Berufsbilds der Seiltechniker ein.

In seiner Zeit als Inhaber legt Jens Gäbelein Wert auf die Weiterbildung seiner Mitarbeiter und die Weiterentwicklung des Qualitätsmanagements. „Hier liegt das Potenzial für die Zukunft“, erläutert er. Aktuell arbeiten die Seiltechniker an der Sanierung einer Stützmauer in Dresden, sichern ein Pumpspeicherwerk und sind für Lebensmittelhersteller tätig. Auch wenn für Gäbelein, der seit der Umwandlung des Service in eine GmbH im Jahr 2013 offiziell als Geschäftsführer fungiert, mittlerweile die Bürotätigkeit und damit die Erstellung von Angeboten oder das Führen von Kundengesprächen überwiegt, schätzt er die Abwechslung, die der Beruf ihm und seinen Mitarbeitern bietet. Ein Auftrag dauert meist nur bis zu zwei Wochen und liefert dabei immer ein unterschiedliches Anforderungsprofil. „Wir machen schon viele kuriose Sachen, es ist nie etwas von der Stange dabei“, erzählt der 38-Jährige. Daneben sind ihm aber auch das unfallfreie Arbeiten und der Zusammenhalt im Team wichtig. Denn, so sagt er: „Ich würde gerne mit der Firma bis zum Schluss weitergehen“.

(Autor: Andy Schäfer)

Mario Steinebach
01.07.2016

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