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Der Werkzeugkasten des Politikwissenschaftlers

Elf Fragen an Jun.-Prof. Dr. Tom Mannewitz, der seit Oktober 2014 Inhaber der Juniorprofessur Politikwissenschaftliche Forschungsmethoden ist

Jun.-Prof. Dr. Tom Mannewitz (27) ist seit Oktober 2014 Inhaber der Juniorprofessur Politikwissenschaftliche Forschungsmethoden an der Philosophischen Fakultät. In elf Antworten gibt er den Lesern von „Uni aktuell“ Einblicke in seinen Werdegang, seine Ziele und seine Zeit in Chemnitz.

Was versteht man eigentlich unter politikwissenschaftlichen Forschungsmethoden?

Politikwissenschaftliche Forschungsmethoden sind für den Politologen das, was für den Handwerker der Werkzeugkasten ist: eine Sammlung von Instrumenten, mit denen er seine Arbeit erledigen kann. Unsere Instrumente sind allerdings nicht greifbar. Im Vordergrund steht die Vermittlung von „Standards guter Praxis“ beim Forschen und von Datenerhebungs- und Datenauswertungsverfahren. Außerdem sensibilisiert die Subdisziplin für grundlegende forschungslogische Entscheidungen, wissenschaftstheoretische Probleme im Laufe empirischer Projekte sowie deren Wirkung auf die Ergebnisse.

Die TU Chemnitz ist für mich als Juniorprofessor die richtige Wahl, weil…

…ich hier beste Entfaltungsmöglichkeiten für meine Forschung und Lehre sehe. Große Universitäten engen den Spielraum des einzelnen Wissenschaftlers häufig ein. Außerdem: Ich fühle mich inmitten meiner Kollegen pudelwohl.

Stellen Sie uns kurz Ihre akademische Laufbahn vor.

Nach dem Abitur habe ich in Dresden Politik- und Kommunikationswissenschaft auf Bachelor studiert und anschließend meine Dissertation („Linksextremistische Parteien in Europa nach 1990“) verfasst. Darauf folgten eineinhalb Jahre als wissenschaftlicher Mitarbeiter (hier in Chemnitz), unterbrochen durch ein zwölfmonatiges Postdoc-Fellowship, das ich nutzte, um meine Habilitationsschrift („Politische Kultur und demokratischer Verfassungsstaat“) fertigzustellen. Nun bin ich hier.

Beschreiben Sie Ihre Studienzeit in maximal 15 Worten.

Lesen – Lesen – Lesen – WG-Feiern – Low-Budget-Urlaube – Kopieren – Prüfungsangst – Computerprobleme – Festivals – Praktika – Marathondebüt – SLUB – Umzüge – Zugfahrten – Geldknappheit

Hatten Sie während Ihrer Studienzeit Vorbilder, die Sie zur wissenschaftlichen Karriere ermutigt haben?

Klar, fand ich auch den einen oder anderen inspirierend, aber im Großen und Ganzen bin ich nur dem gefolgt, was mir Freude bereitet hat. Dass ich der Uni treu bleiben will, habe ich erst nach dem Studium gemerkt…

Was geben Sie jungen Studierenden und Absolventen mit auf den Weg?

Sie werden bei keiner Sache Erfolg haben, wenn Sie sie nicht mit Leidenschaft betreiben.

Was möchten Sie künftig in der Lehre erreichen?

Wer nur wenige Forschungsmethoden kennt, ist in der Wahl seiner Forschungsfragen beträchtlich eingeschränkt. Mein Ziel ist es, die Freiheitsgrade der Studentinnen und Studenten zu vergrößern. Sie sollen nicht nur wissen, welche Bandbreite an Methoden es gibt, sondern auch, wann sie anzuwenden und wie sie sinnvoll mit anderen Verfahren zu verknüpfen sind. Ich hoffe, die Methodologie verliert dabei den Ruf einer staubtrockenen Hilfswissenschaft, aber ich mache mir keine Illusionen.

Welche Impulse setzen Sie in der Forschung an der TU Chemnitz?

Zur Zeit liegen auf meinem Schreibtisch noch meine Habilitationsschrift, die demnächst in den Druck gehen soll, und ein Stapel von angefangenen Papers. Anschließend will ich über Drittmittel ein Projekt finanzieren, bei dem die methodische Güte von Indizes standardisiert und komparativ evaluiert wird. Solche Indizes sind weit verbreitet, etwa in der Demokratieforschung, und auch für die Entwicklungspolitik relevant. Das Evaluationsinstrument soll gewissermaßen als Entscheidungshilfe bei der Auswahl eines der Indizes dienen und zu einer verbesserten Messung solch komplexer Dinge wie Demokratie, Armut oder Staatlichkeit beitragen.

Es gibt rund 45.000 Professoren an deutschen Hochschulen. Was hebt Sie ab?

Ehrlich gesagt, glaube ich nicht, dass ich irgendwelche Qualitäten besitze, die sich nicht auch bei anderen Hochschullehrern finden. Wobei: Ich weiß nicht, ob noch jemand Nasenflöte spielen kann.

Welchen Ort in Chemnitz zeigen Sie Gästen am liebsten?

Den „Nischel“ wollen alle sehen… Aber am liebsten zeige ich den Campus – der ist modern und überschaubar zugleich. Das ist mir sympathisch.

Wie bringen Sie sich ins Leben der Stadt ein?

Ich schätze, in erster Linie profitiere ich vom Leben der Stadt, nicht das Stadtleben von mir. Da gibt es noch Verbesserungsbedarf. Aber meine Frau und ich haben unser Auto abgeschafft – vielleicht ist das ein erster Schritt?

Weitere Informationen zur Juniorprofessur: https://www.tu-chemnitz.de/phil/politik/pf/professur/professur.php

Mario Steinebach
28.10.2014

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