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Stress durch technische Unterstützung?

Innovationslabor Produktion und Logistik (InnoLAB-Pro) schließt Untersuchungen zu Kommissionierprozessen ab

  • Die Professur Fabrikplanung und Fabrikbetrieb greift bei ihrer Forschung auf die moderne Ausstattung ihrer Labors mit Kommissioniertechnik zurück. Foto: Jürgen Lösel

Im Rahmen des Forschungsprojektes InnoLAB-Pro arbeitete die Professur Fabrikplanung und Fabrikbetrieb mit der Professur Organisation und Arbeitswissenschaft an der Erforschung, Entwicklung und Etablierung eines Innovationslabors in Form einer Entwicklungs- und Reflexionsplattform für Logistik und Arbeit im Produktionsbereich, um die Innovationskraft der sächsischen kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) zu stärken. Im Fokus standen unter anderem der interdisziplinäre unternehmensübergreifende Erfahrungsaustausch sowie die Bewertung neuer Technologien.

Die Bewertung neuer Technologien wurde im Rahmen des Projektes beispielsweise durch den Vergleich verschiedener Kommissionierstrategien und -technologien vorgenommen. Kommissionieren ist ein Prozess im Fachbereich der Logistik, der den Übergang von sortenreiner Lagerung zur sortenunreinen Zusammenstellung von Produkten kennzeichnet. Dies ist zu vergleichen mit dem Vorgang, den der Kunde bei seinem Einkauf im Supermarkt durchführt, indem er sich die gewünschten Artikel (die auf dem Einkaufszettel - das heißt dem "Kommissionierauftrag" - stehen) aus dem Ladenregal in seinen Einkaufskorb legt. Einerseits stand die etablierte Methode des Kommissionierens mittels Liste, andererseits die innovative Technologie des Kommissionierens mittels Sprachbefehlen, Pick by Voice (PbV). Beide Methoden wurden miteinander verglichen, um Potenziale und Schwachstellen zu erforschen und transparent zu dokumentieren. Im Ergebnis ergaben sich Themenschwerpunkte, die bei der Einführung eines solchen PbV-Systems von erheblicher Bedeutung für die Prozesssicherheit, Wirtschaftlichkeit und den menschlichen Nutzer sind. Hierzu wurden unter anderem Parameter zur Prozessqualität, zum Beispiel die Anzahl der Fehler oder Prozesszeiten, ermittelt sowie darüber hinaus Auswirkungen der Mensch-Maschine-Interaktion auf den Menschen. Letzteres wurde über die Messung des Hautleitwertes als Indikator für den Erregungszustand der Probanden ermöglicht. Es konnte gezeigt werden, dass beim Kommissionieren mittels PbV weniger Fehler auftraten, jedoch keine statistisch signifikante Abhängigkeit besteht. Bei gleichem Versuchsaufbau benötigten die Probanden mit dem PbV-System mehr Zeit als bei der Listenkommissionierung. Häufige Sprachwiederholungen sind ein trivialer aber wesentlicher Grund dafür. Damit kommt der Spracherkennungssoftware erhebliche Bedeutung zu, wenn es um Prozesszeiten geht. Der Erregungszustand (durchschnittliche Messwerte) war beim Kommissionieren mittels PbV-System signifikant höher als bei der Kommissionierung mit Liste. Ein Grund für den erhöhten Erregungspegel der Probanden kann wiederum die Qualität der Spracherkennung sein. Die Auswertung zeigte, dass es die Tendenz gibt, dass die Anzahl der Sprachwiederholungen und der Grad der Erregung korrelieren.

Im nächsten Schritt werden die bisherigen Ergebnisse daher weitergehend analysiert und detailliert. Damit werden die Grundlagen für weitergehende Forschungen und für die Ableitung von Handlungsalternativen zum Technologieeinsatz im industriellen Umfeld geschaffen. Das "InnoLAB" führt damit die Innovationsforschung an der Professur Fabrikplanung und Fabrikbetrieb sowie die Vernetzung mit Wissenschaft und Praxis konsequent weiter.

Das Projekt wurde vom Bundesministerium für Verkehr und Städtebau (BMVS) und dem Projektträger Jülich (ptj) im Rahmen des Innovationswettbewerbes "Wirtschaft trifft Wissenschaft" gefördert. Das geförderte Projekt wurde Ende September 2010 erfolgreich abgeschlossen. Im Rahmen des Projekts wurden Investitionen von rund 50.000 Euro getätigt. Das InnoLAB wird als Teil der vernetzten Laborstruktur der Professur Fabrikplanung und Fabrikbetrieb fortbestehen und sich auch weiterhin dem Thema Innovationen im industriellen Umfeld widmen.

(Autor: Marco Franke)

Weitere Informationen erteilt Marco Franke, Telefon 0371 531-36023, E-Mail marco.franke@mb.tu-chemnitz.de.

Katharina Thehos
15.12.2010

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