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Wo endet Europa?

Das Politik- und Regionalwissenschaftliche Symposium an der TU Chemnitz fand am 5. November 2010 zum 14. Mal statt

Unter dem Titel "Europäische Nachbarschaften" veranstalteten die Professuren für Internationale Politik und für Sozial- und Wirtschaftsgeographie in Zusammenarbeit mit der Sächsisch-Tschechischen Hochschulinitiative (STHI) am 5. November 2010 bereits zum 14. Mal das Politik- und Regionalwissenschaftliche Symposium im "Alten Heizhaus" der Technischen Universität Chemnitz.

Im Fokus der Veranstaltung stand zunächst der "europäische Nachbar" Weißrussland. Seit seiner Unabhängigkeit im Jahr 1991 unterhielt die Republik Belarus vielversprechende Beziehungen zur Europäischen Union, die sich mit dem Amtsantritt von Präsident Lukaschenko jedoch stark eingeschränkten. In der häufig als "letzte Diktatur Europas" bezeichneten Republik nahm der Druck auf die Arbeit der Opposition und Zivilgesellschaft zu.

Von den Schwierigkeiten des politischen Alltags in Weißrussland berichtete im Rahmen des Symposiums Dr. Aljaksandr Milinkewitsch, Führer der demokratischen Opposition in Weißrussland. In seinem Vortrag veranschaulichte er die komplizierte Situation des Landes, widersprach aber der allzu leichtfertigen Einordnung Weißrusslands als Diktatur. Vielmehr forderte er die westlichen Nachbarn und die Europäische Union dazu auf, sich im Dialog mit der Regierung und der Opposition für den Übergang Weißrusslands zu einer Demokratie und Marktwirtschaft stark zu machen.

Stephan Malerius, der Leiter des Auslandsbüros der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) in Vilnius, erläuterte anschließend die Situation in Weißrussland vor den Wahlen im Dezember 2010. Sollten diese offen und liberal ablaufen, so sei durchaus eine schrittweise Annäherung Weißrusslands und der EU möglich. Die zu erwartenden Wahlfälschungen werden die Diskussionen um weitere Sanktionen seitens der EU jedoch neu entfachen und eine weißrussische Annäherung an Russland bewirken. Mit weitreichenden Folgen für die europäische Sicherheit?

Dr. Judith Miggelbrink und Dr. Bettina Bruns vom Leibniz-Institut für Länderkunde in Leipzig versuchten darauf eine Antwort zu geben. Unter dem Titel "Prekäre unternehmerische Beziehungen an der EU-Außengrenze zwischen Polen und Weißrussland" stellten sie ihre Forschungsergebnisse vor, die im Rahmen des Projektes "Geographie(n) an den Rändern des europäischen Raumes" entstanden sind. Ihre Ergebnisse zeigen, dass die befragten Menschen an der Außengrenze des Schengenraumes - und das betrifft auch Weißrussland - Richtlinien und Maßnahmen oft als Willkür oder gar kriminelle Diskriminierung auf Grund ihrer jeweiligen Staatsangehörigkeit empfinden. Die Gefahr einer zunehmenden Exklusion von Europa und "europäischen Erfahrungen" sei nur durch Kooperation und Austausch zu verhindern.

Am Nachmittag standen die deutsch-tschechischen Beziehungen im Mittelpunkt des Symposiums. Dr. Jaroslav Dokoupil von der Westböhmischen Universität Pilsen würdigte die sächsisch-tschechische Hochschulkooperation und den unermüdlichen Beitrag des kürzlich verstorbenen Prof. Dr. Peter Jurczek, der zusammen mit seinen Kollegen die Intensivierung der Zusammenarbeit unermüdlich vorantrieb. Die "Chemnitz-Pilsener Kolloquien zur Sozial- und Wirtschaftsgeographie", das Sächsisch-Tschechische Hochschulzentrum und Sächsisch-Tschechische Hochschulkolleg (jetzt: Sächsisch-Tschechische Hochschulinitiative) und die "Politik- und Regionalwissenschaftlichen Symposien" sind von ihm konzipiert und umgesetzt worden.

Den Abschluss der Veranstaltung bildete die Vorstellung fünf abgeschlossener oder in Arbeit befindlicher studentischer Arbeiten mit Fokus auf sächsisch-tschechische Themenkomplexe. Daniel Franzkowski hatte sich in seiner Bachelorarbeit mit einer empirischen Untersuchung zu "Emigration und Verbleiben ehemaliger Mitglieder der `böhmisch reformierten Kirchengemeinde Hussinetz nach dem Zweiten Weltkrieg´" befasst. Maria Vogt präsentierte ihre Arbeit zur Wahrnehmung Deutscher und Tschechen vor und nach 1989. Sebastian Bauer beleuchtete die grenzüberschreitende Projektarbeit im Rahmen der Euregio Egrensis. Mit Aspekten des Fremdsprachenunterrichts im Grenzraum hatten sich Teresa Weingartová und Janine Schumann am Beispiel einer Chemnitzer Ganztagsschule und der Schkola Oberland im lausitzer Ebersbach beschäftigt.

Für das Jahr 2011 ist eine Neuauflage des Politik- und Regionalwissenschaftlichen Symposiums geplant, das dann im Zeichen seines 15jährigen Bestehens stattfinden und eine Retrospektive der Entwicklung Europas in den vergangenen Jahrzehnten bieten wird.

Weitere Informationen erteilen Prof. Dr. Beate Neuss, Telefon 0371 531-35012, E-Mail beate.neuss@phil.tu-chemnitz.de, Dr. Christoph Waack Telefon 0371 531-38517, E-Mail christoph.waack@phil.tu-chemnitz.de, und Ilona Scherm, Telefon 0371 531-34503, E-Mail ilona.scherm@phil.tu-chemnitz.de.

(Autorin: Susanne Günther; unter Mitarbeit von Matthias Canzler, Georg Herrmann und Martin Munke)

Katharina Thehos
11.11.2010

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