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CeBIT 2008: So spricht ein Dolmetscher mit 100 "Männern im Ohr"

Bluetooth-Konferenzsystem der TU Chemnitz nutzt verschiedene Mobilfunkgeräte der Teilnehmer an mehrsprachigen Veranstaltungen - Premiere vom 4. bis 9. März 2008 in Hannover

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Technik, die nicht nur Konferenzveranstalter begeistert: Im Labor der Professur Technische Informatik der TU Chemnitz testen Wissenschaftler und Informatik-Studenten das neue Bluetooth-Konferenzsystem. Das Herz dieses Systems besteht aus einem modifizierten WLAN-Router, den über USB angesteuerten Bluetooth-Adaptern sowie Headsets. Foto: TU Chemnitz/Heiko Kießling.

Wer internationale Kongresse durchführt, benötigt oft nicht nur Dolmetscher, sondern auch die dazugehörige Dolmetscheranlage. Und da der Mietpreis dieser umfangreichen Technik für mehrtägige Konferenzen schnell vierstellige Summen erreicht, soll ein ehrgeiziges Projekt an der Technischen Universität Chemnitz das Dolmetschen auf Veranstaltungen merklich preiswerter machen und vereinfachen. Wie das gehen soll, zeigen Mitarbeiter der Professur Technische Informatik auf der diesjährigen CeBIT in Hannover vom 4. bis 9. März 2008 in Halle 9 am Gemeinschaftsstand "Forschung für die Zukunft" (Stand D04). Ihr System braucht keine teure Spezialhardware und auch keine große Steuerzentrale. "Lediglich ein paar handelsübliche Bluetooth-Headsets und modifizierte WLAN-Router wären künftig bei internationalen Tagungen noch nötig", erklärt Projektleiter Prof. Dr. Wolfram Hardt. Auch WLAN-fähige Handys der Konferenzgäste können einfach in das System eingebunden werden und für die nötige Verständlichkeit sorgen.

"Unser Ziel war es, vorhandene Technologien für neue Anwendungsgebiete nutzbar zu machen", erklärt Matthias Vodel, Mitarbeiter der Professur. "WLAN und Bluetooth können bereits leisten, was wir benötigen. Wir mussten die Technologien nur zueinander bringen." Das geschah mittels Technik, die man in jedem Elektronikmarkt kaufen kann. Daran nahmen die IT-Fachleute der TU einige kleine Modifikationen vor und entwickelten die passende Software. Im fertigen Prototyp sendet nun ein einfacher PC die mehrsprachigen Audiodaten der Dolmetscher per Wireless LAN in den Veranstaltungsraum. Eine kleine Softwareapplikation ermöglicht es den Handys der Konferenzteilnehmer, die gewünschte Übersetzung an die Headsets am Ohr der Besitzer weiterzuleiten. Wer kein WLAN-fähiges Mobiltelefon besitzt, greift einfach auf ein Bluetooth-Headset zurück, welches kostengünstig vom Veranstalter gestellt werden kann. Dieses erhält die Audiodaten direkt von einem der verfügbaren WLAN-Router, die das eingehende Audiosignal verzögerungsfrei konvertieren und mittels angestecktem Bluetooth-Adapter zum Veranstaltungsteilnehmer weiterleiten. Dabei sind durch die Anpassungen der Chemnitzer Informatiker erstmals auch mehrere Headsets über ein Bluetooth-Modul ansprechbar. "So haben wir eine kostengünstige Lösung für kleine und mittelgroße Konferenzen bis zu 100 Teilnehmer geschaffen", verspricht Hardt.

Die Chemnitzer Informatiker entwickeln jedoch nicht nur Lösungen für Konferenzsysteme. Sie nutzen auch für andere Anwendungen die optimierten Eigenschaften vieler verfügbarer Funkstandards. "Dabei vereinen wir die Vorteile unterschiedlicher Funktechnologien und überwinden zugleich Grenzen ihrer Inkompatibilität", so Vodel. So soll beispielsweise bei minimalem Energiebedarf eine definierte Reichweite erzielt werden. "Dies ist etwa in drahtlosen Sensornetzwerken bei der Gebäudeüberwachung oder im Katastrophenschutz sehr wichtig", ergänzt Vodel.

Weitere Informationen erteilen Prof. Dr. Wolfram Hardt, Telefon 03 71 531-25550, E-Mail hardt@informatik.tu-chemnitz.de und Matthias Vodel, Telefon 0371 531-36499, E-Mail vodel@informatik.tu-chemnitz.de

Mario Steinebach
19.02.2008

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