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TUCaktuell Lehre

Ausgezeichnete Lehre ist harte Arbeit

Dr. Annika Barzen entwickelte ein mittlerweile preisgekröntes Konzept eines praxisnahen Seminars zu qualitativen Forschungsmethoden in der Soziologie – Als Lehranfängerin wurde sie von der Hochschuldidaktik Sachsen unterstützt

Dr. Annika Barzen, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Soziologie der Technischen Universität Chemnitz, steht exemplarisch für eine Lehrpraxis, die Studierende frühzeitig in eigenständiges wissenschaftliches Arbeiten einbindet und Lehre als gemeinsamen Prozess versteht. In ihrem Seminar zu qualitativen Forschungsmethoden erleben Studierende Forschung nicht nur als Gegenstand, sondern als eigene Tätigkeit. Die Struktur des Seminars orientiert sich an der Logik eines wissenschaftlichen Artikels – von der Entwicklung der Fragestellung über Literaturarbeit und Methodenteil bis hin zu Analyse, Ergebnissen und Diskussion.

Der Einstieg in die eigenständige Lehre im Jahr 2024 war für Barzen Herausforderung und Lernprozess zugleich. „Neu in der Lehre war ich sehr herausgefordert, ein ganzes Seminar zu planen und durchzuführen“, erinnert sie sich. „Dank der hochschuldidaktischen Begleitung von Anfang an konnte ich meine Kompetenzen schnell aufbauen und Selbstvertrauen gewinnen.“ Die hochschuldidaktische Qualifizierung, die sie 2025 mit dem Zertifikat der Sächsischen Hochschuldidaktik abgeschlossen hat, bot dafür einen strukturierten Rahmen.

In der konkreten Lehrpraxis setzt Barzen auf klare Erwartungen und zugleich auf Vertrauen in die Fähigkeiten der Studierenden. Zum Einstieg ins Semester werden Ziele, Anforderungen und Arbeitsweisen transparent gemacht. Die Studierenden entwickeln jeweils eine individuelle qualitative Forschungsfrage, die sie dann schrittweise im Seminar wissenschaftlich bearbeiten. „Nachdem ich anfänglich klar meine Erwartungen an die Studierenden genannt habe, sind die Studierenden darauf eingegangen und haben sich aktiv und engagiert in das Präsenz-Seminar eingebracht“, beschreibt Barzen den Prozess.

Ein besonderes Element ihrer Lehre ist das Format des „Science Slam“. Darin setzen sich Studierende kreativ und eigenständig mit einem selbstgewählten Thema aus der qualitativen Forschung auseinander. Dieses Format fördert nicht nur die verständliche und adressatengerechte Vermittlung komplexer Inhalte, sondern unterstützt die Entwicklung einer eigenen Forschungspersönlichkeit und individueller Interessen. Für Barzen ist dies mehr als eine alternative Prüfungsform: „Es ist überwältigend zu sehen, was Studierende leisten, wenn man ihnen Vertrauen schenkt.“

Begleitet wurde die Soziologin in ihren ersten Lehrsemestern durch die Hochschuldidaktik der TU Chemnitz. Ulrike Rada, Referentin für Hochschuldidaktik, beschreibt die Zusammenarbeit als reflexiven Austausch: „Während der Begleitung durch ihre ersten Semester half vor allem das genaue Hinhören, das Zusprechen von Mut und Selbstvertrauen sowie die gemeinsame Reflexion dessen, was in der Lehre passiert – und die Suche nach Lösungen.“ Dabei gehe es weniger um Vorgaben als um punktuelle Impulse. „Lehrende brauchen hochschuldidaktische Grundlagen, die die Lehrtätigkeit didaktisch fundieren und damit erleichtern. Letztlich sind sie aber die Expertinnen und Experten für ihr Fach und entscheiden selbst, was zielführend ist.“

Das Lehrkonzept von Dr. Annika Barzen zeigt, wie fachliche Expertise, didaktische Reflexion und Vertrauen in Studierende zusammenwirken können. Studierende erwerben dabei nicht nur methodische Kompetenzen, sondern stärken auch ihre Fähigkeit, wissenschaftliche Prozesse selbstständig zu gestalten und kritisch zu reflektieren. Fragen nach der Übertragbarkeit solcher Formate, nach geeigneten Rahmenbedingungen und nach der Rolle von Lehrenden bleiben dabei bewusst offen.

Barzen wurde für das von ihr entwickelte Konzept des praxisnahen Seminars zu qualitativen Forschungsmethoden in der Soziologie im Wintersemester 2025/2026 mit dem Lehrpreis für lehrende Nachwuchswissenschaftler und Nachwuchswissenschaftlerinnen der TU Chemnitz ausgezeichnet.

Veranstaltungstipp: Im Rahmen des hochschuldidaktischen Austausch- und Weiterbildungsformates „TUCteach. Von Lehrenden für Lehrende“ gibt Dr. Annika Barzen vertiefte Einblicke in ihre Erfahrungen in der Lehre und zum Lehrpreis am 24. März 2026, 13:00 bis 14:30 Uhr, online und kommt mit Kolleginnen und Kollegen ins Gespräch. Die Anmeldung zur Veranstaltung ist über OPAL möglich.

Stichwort: Lehrpreise der TU Chemnitz & Sächsisches Hochschuldidaktik-Zertifikat

An der TU Chemnitz werden jährlich Lehrpreise vergeben, um herausragende Lehrleistungen sichtbar zu machen und innovative Lehrkonzepte zu würdigen.

Das sächsische Hochschuldidaktik-Zertifikat richtet sich an Lehrende aller Erfahrungsstufen. In jedem Semester starten vier Basiskurse in Sachsen, die grundlegende hochschuldidaktische Kompetenzen vermitteln und Raum für Reflexion und Austausch bieten. Link zur Anmeldung und  Informationen Basiskurs. Das Offene Kursangebot der HDS kann jederzeit sachsenweit kostenfrei genutzt werden. Darüber hinaus stehen die Beratungsangebote der HDS an der TU Chemnitz allen Lehrenden offen.

Weitere Auskünfte erteilt Ulrike Rada, Referentin Hochschuldidaktik, E-Mail ulrike.rada@rektor.tu-chemnitz.de.

(Quelle: Hochschuldidaktik der TU Chemnitz)

Mario Steinebach
19.02.2026

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