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„Den Horizont erweitern und auch mal die Komfortzone verlassen“

Marko Popovic kam 2012 als Erasmus-Student nach Chemnitz, heute arbeitet er im Ministerium für Arbeit, Senioren, Familie und Soziales in Zagreb (Kroatien). Im Interview spricht über seine Zeit in Chemnitz und ihren Einfluss auf seinen Karriereweg

Herr Popovic, Ihre Arbeit ist eng mit der Europäischen Kommission verknüpft. Was genau ist ihr Arbeitsgebiet?

Ich arbeite derzeit als Referent im Bereich Koordinierung europäischer Angelegenheiten und internationaler Zusammenarbeit im Ministerium für Arbeit, Senioren, Familie und Soziales in Zagreb, Kroatien. 2018 wurde ich zusammen mit Vertretern anderer Mitgliedsstaaten als kroatischer Stellvertreter in eine beratende Arbeitsgruppe des Sozialschutzausschusses der Europäischen Kommission berufen. Wir arbeiten bei der Ausarbeitung der Beschlüsse eng mit der Europäischen Kommission zusammen. Meine Arbeit macht es erforderlich, viel nach Brüssel zu reisen und an Sitzungen teilzunehmen.

Worin besteht Ihre Aufgabe?

Meine tägliche Arbeit beinhaltet die Analyse und Überwachung der Umsetzung der Beschlüsse und Entscheidungen der Europäischen Union und der Vereinten Nationen. Die Europäische Kommission sendet täglich Dokumente an mein Ministerium. Wir müssen dazu unser Feedback vorbereiten und Kommentare senden. Mindestens einmal im Monat findet in Brüssel ein zweitägiges Treffen statt, bei dem Ergebnisse vorgelegt werden. Daher besteht mein Job auch aus vielen Dienstreisen und der Vorbereitung von Dienstreisen.

Was sind ihre Hauptaufgaben und Pflichten?

Neben der Arbeit in Angelegenheiten der EU und der Vereinten Nationen, besteht meine Aufgabe darin, die Positionen meines Landes zu ausgewählten sozialen Indikatoren darzulegen. Diese werden benötigt, um zu zeigen, wie ein Land wirtschaftlich und sozial aufgestellt ist. Meine Arbeit umfasst außerdem die Vorbereitung von Reden und die Analyse verschiedener Dokumente für bilaterale und internationale Treffen.

Wie hat sich Covid-19 auf ihren durchschnittlichen Arbeitstag ausgewirkt?

Kroatien war vom 1. Januar bis 30. Juni 2020 zum ersten Mal für die Ratspräsidentschaft der Europäischen Union verantwortlich. Wir haben das gesamte Jahr 2019 damit verbracht, den Vorsitz vorzubereiten. 2020 wollten wir Endergebnisse präsentieren und unsere Ratspräsidentschaft zu einem krönenden Abschluss bringen. Leider hat die Pandemie unsere Pläne durchkreuzt und wir haben nur ein Drittel aller geplanten Veranstaltungen in Präsenz durchgeführt. Der Rest der Veranstaltungen wurde online durchgeführt, einschließlich unserer regelmäßigen Sitzungen. Meiner Meinung nach haben sich diese Online-Meetings als sehr effektiv erwiesen. Ich denke, dass die Entscheidungsprozesse seit Beginn der Pandemie viel schneller und effizienter sind. Man muss jedoch eingestehen, dass in der Welt der Diplomatie persönliche Treffen unerlässlich sind, da es schwieriger ist, Mimik und Gesten über Online-Telefonkonferenzen zu bewerten. Es ist auch schwer, Sarkasmus zu erkennen.

Sie haben in Zagreb studiert, aber auch einige Zeit als Erasmus-Student in Chemnitz verbracht. Wie bewerten sie diese Erfahrung?

Die Zeit, die ich an der TU Chemnitz verbracht habe, war eine der schönsten Erfahrungen meines Lebens. Ich hatte das Glück, dort zwei ganze Semester zu studieren .Dadurch habe ich ein viel besseres Gefühl dafür, wie das Leben in Deutschland und Sachsen ist, als wenn ich nur ein paar Monate dort verbracht hätte. Ich habe mich für Deutschland entschieden, weil ich während meiner Schulzeit in Kroatien Deutsch gelernt habe und meine Kenntnisse verbessern wollte. Während meines Studiums an der TU Chemnitz besuchte ich Vorlesungen und Seminare in Deutsch und Englisch in Europastudien sowie in Wirtschafts- und Politikwissenschaften. Ich war begeistert von den Lehrveranstaltungen und Professoren, weil sie mich motivierten, über meine Universitätsarbeit hinaus zusätzliche Arbeit zu leisten. So war ich 2013 einer der Organisatoren der Konferenz „South Eastern European Days 2013“. Das gab mir die Gelegenheit, einen Professor der Fakultät für Politikwissenschaft der Universität Zagreb zu einem Vortrag über den kroatischen Beitritt zur Europäischen Union einzuladen. In Zagreb habe ich mehr theoretisches Wissen erworben. Während meiner Zeit in Chemnitz habe ich mehr praktische Erfahrungen gesammelt, die mich auf meine derzeitige Karriere vorbereitet hat.

Inwiefern haben diese Erfahrungen Sie auf ihr Berufsleben vorbereitet?

Ich habe in einem fremden Land in einer Fremdsprache studiert und mich an das Leben in einem anderen Land gewöhnen müssen. So öffnen sich neue Horizonte und man ist dazu gezwungen, auch mal seine Komfortzone zu verlassen. Ich arbeite an internationalen Problemstellungen und das erfordert ein breites Wissen über die Beziehungen zwischen den Ländern der Welt. Dabei hat mir das Studium an der TU Chemnitz geholfen. Ich hatte die Möglichkeit, Studenten aus der EU, aber auch aus China, Indien und sogar Südamerika zu treffen. In Zagreb hätte sich die Möglichkeit nicht ergeben, weil es weniger Programme gab, die internationale Studenten nach Kroatien bringen würden.

Welchen Rat würden Sie jemandem geben, der für die Europäische Kommission arbeiten möchte?

Ich möchte alle jungen Menschen, die einen Abschluss in Sozialwissenschaften haben und an internationalen Beziehungen interessiert sind, ermutigen, sich für eine der Praktikumsstellen an den Institutionen der Europäischen Union zu bewerben. Es gibt viele verschiedene Praktikumsprogramme und -möglichkeiten; man muss nur herausfinden, welche am interessantesten klingen, ein Praktikum auswählen und die Bewerbung schreiben. Ich finde es auch gut, an Erasmus+ -Projekten teilzunehmen, da sie einen besseren Überblick über die Werte der Europäischen Union und die Art und Weise der Umsetzung der EU-Politik geben können.

Was ist Ihrer Meinung nach die größte Herausforderung, vor der die Europäische Union heute steht?

Im Moment gilt es für die EU und die ganze Welt, die Herausforderungen der Pandemie und deren wirtschaftlichen und sozialen Auswirkungen zu begrenzen. Meiner Meinung nach ist die aktuelle Krise eine Gelegenheit, die Europäische Union in eine ökologischere, sozialere und gerechtere Gemeinschaft zu verwandeln. Neben der Konzentration auf die Wirtschaftspolitik ist es wichtig, an der Stärkung der Menschenrechte und der Stärkung des Sozialwesens zu arbeiten. Die Europäische Union ist eine der am weitesten entwickelten Regionen der Welt. Wir haben aber immer noch 125 bis 130 Millionen Bürger, die von Armut bedroht sind. Derzeit sind zu viele Menschen von der Krise betroffen und wir können davon ausgehen, dass es noch mehr werden.

Was sind Ihre Hoffnungen und Träume für Ihre berufliche Zukunft?

In meiner bisherigen Karriere habe ich Erfahrung im privaten, öffentlichen und zivilen Sektor gesammelt. Alle meine Tätigkeiten waren mit der Europäischen Union verbunden. Mein Wunsch ist es, mein Wissen weiter zu vertiefen, indem ich weiter an europäischen Angelegenheiten arbeite und mich an der Arbeit der Europäischen Kommission beteilige. Ich möchte aber auch weiterhin durch verschiedene Projekte und Freiwilligenangebote einen Beitrag für unsere Gemeinschaft leisten.

Das Gespräch führte Evamaria Moore.

Mario Steinebach
10.11.2020

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