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An der Uni fielen die Hüllen

Nach Sanierungsarbeiten am denkmalgeschützten Böttcher-Bau wurden die Gerüste abgebaut – Nicht nur die goldene Krone erstrahlt nun in neuem Glanz

  • Fassade des Böttcher-Baus
    Die Figurenpaare über den Türen des Haupteingangs deuten auf die Wissenschaften hin, die vor mehr als 140 Jahren in diesem Gebäude gelehrt wurden: Mathematik und Physik, Textilindustrie und chemische Technik sowie Maschinen- und Bautechnik. Foto: Jacob Müller
  • Mann arbeitet an der Restaurierung der Krone auf dem Dach des Böttcherbaus
    Restauratoren sorgten dafür, dass die Krone auf dem Böttcher-Bau in neuem Glanz erstrahlt. Foto: Jacob Müller
  • Der Portraitkopf von Galilei an der Fassade ist nur auf dem Gerüst sehr gut zu erkennen.
    Die Details der Portraitköpfe, wie hier im Bild der von Galileo Galilei, sind nur vom Gerüst aus sehr gut zu erkennen. Foto: Jacob Müller
  • Portraitköpfe  von Galilei, Schinkel, Leibniz, Berzelius, Euler, Monge, J. Watt und Karmarsch an der Fassade.
    Diese Portraitköpfe im Hochrelief ergänzen die sorgfältig ausgearbeitete Fassade. Sie sie zeigen neben Galilei (v.l.) auch Schinkel, Leibniz, Berzelius, Euler, Monge, J. Watt und Karmarsch. Fotomontage: Bildarchiv der Pressestelle/Wolfgang Thieme
  • Helles Standbild in der Fassade
    Das in die Fassade eingearbeitete 2,25 Meter hohe Standbild symbolisiert die Wissenschaft mit Buch in dozierender Haltung. Geschützt werden die Fassadenelemente durch Taubennetze und -gitter. Foto: Jacob Müller
  • Schild mit dem Namen Eduard-Theodor-Böttcher-Bau an der Fassade
    Seit dem 150-jährigen Jubiläum der Ingenieurausbildung im Jahr 1986 trägt das Hauptgebäude der Technischen Universität den Namen „Eduard-Theodor-Böttcher-Bau“. Foto: Jacob Müller
  • Schwarz-Weiß-Aufnahme
    Ein Blick zurück: Dieses Bild vom Böttcher-Bau aus dem Jahr 1885 (damals Technische Staatslehranstalten) stammt aus dem Album "Chemnitz", einem 15 mal 12,5 Zentimeter großem Leporello über die Stadt. Das Original zu diesem Digitalisat befindet sich im Hessischen Staatsarchiv Darmstadt. Quelle: Archivportal-D / https://www.archivportal-d.de

Die Fassadensanierung am Böttcher-Bau der Technischen Universität Chemnitz an der Straße der Nationen 62 ist beendet. Das monatelang verhüllende Gerüst wurde abgebaut, das Portal des denkmalgeschützten Hauptgebäudes mit der sehr reich gestalteten Natursteinfassade erstrahlt nun in neuem Glanz. So wurden u. a. Natursteinelemente aus Granit, Porphyr und Sandstein von Verkrustungen und Verschmutzungen gereinigt, lose Bereiche der Fassade im Rahmen der Verkehrssicherung befestigt und einige Ausbesserungsarbeiten durchgeführt. Und auch die goldene Krone auf dem Dach des Böttcher-Baus, die zu den markantesten Merkmalen des Gebäudes zählt, wurde restauriert. Die Baumaßnahme wurde koordiniert vom Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement, vertreten durch die Niederlassung Chemnitz, in Kooperation mit dem Dezernat Bauwesen und Technik der Universität.

Eindrucksvolle Fassadengestaltung

Wer sich etwas Zeit nimmt und die Fassade genau anschaut, wird viele interessante Details entdecken: Im Zentrum der insgesamt 74 Meter langen und 21 Meter hohen Gebäudefront befindet sich der Mittelteil, der – durch vier Reihen zu je sieben Fenstern getrennt – links und rechts von einem Vorbau umgeben ist. Und an jenem Mittelteil vereinigt sich der bildnerische Schmuck der Natursteinfassade, die aus Granit-, Porphyr- und Sandsteinelementen besteht. Drei Figurenpaare über den großen Haupteingängen deuten auf die Wissenschaften hin, die damals in diesem Gebäude gelehrt wurden: Mathematik und Physik, Textilindustrie und chemische Technik sowie Maschinen- und Bautechnik.

Etwas weiter oben, in Höhe der ehemaligen Aula-Fenster, haben an den Seiten des Mittelteils zwei 2,25 Meter große Standbilder ihren Platz gefunden. Die linke Figur symbolisiert, mit Zahnrad und Zirkel ausgestattet, die Technik. Das rechte Bild stellt die Wissenschaft dar – bekräftigt durch das Buch und die dozierende Haltung. An den Wandpfeilern zwischen den Fenstern der vierten Etage sind im Hochrelief die sanierten Porträtköpfe von berühmten Vertretern der Wissenschaften angebracht - über den Köpfen ein entsprechendes Emblem, darunter eine Schrifttafel mit dem Nachnamen des Wissenschaftlers. Sämtliche Porträts und die beiden Standbilder wurden von dem Bildhauer Anton Händler modelliert, der an der Chemnitzer Gewerbzeichenschule unterrichtet hat.

Auf dem Dach des Gebäudes, direkt über den Porträts in der vierten Etage, befindet sich eine Brüstungsmauer. Auf ihr war damals der Schriftzug "Königliche Technische Lehranstalten" zu lesen, der mittlerweile durch die Aufschrift "Technische Universität" ersetzt worden ist. Abgerundet wird das Bild von zwei Löwen, die das mit einer goldenen Krone verzierte sächsische Wappen halten.

Er gab dem Böttcher-Bau seinen Namen

Professor Eduard Theodor Böttcher (1829 – 1893), Direktor und Lehrer im Maschinenbau ist es zu danken, dass am 2. September 1875 die Grundsteinlegung zu diesem repräsentativen Bau erfolgen und damit das bisherige Schulgebäude an der Dresdner Straße aufgegeben werden konnte. Bereits 1876 konnte das dem Bahnhof zugewandte Gebäude des Laboratoriums übergeben werden. Aus dieser Zeit stammen auch die Büsten von Berzelius und Humboldt im dortigen Treppenaufgang. Seit dem 150-jährigen Jubiläum der Ingenieurausbildung im Jahr 1986 trägt das Hauptgebäude der Technischen Universität den Namen „Eduard-Theodor-Böttcher-Bau“.

Schon gewusst? Das sind die acht auf der Fassade des Böttcher-Baus abgebildeten Wissenschaftler:

Galileo Galilei (1564 - 1642): Der Begründer der modernen Naturwissenschaft hat mithilfe seines nachgebauten Fernrohres die Gebirgslandschaft des Mondes entdeckt. Zudem veröffentlichte der italienische Mathematiker, Physiker und Astronom die Gesetze der Pendelbewegung.

Karl Friedrich Schinkel (1781 - 1841): Der preußische Architekt, Stadtplaner und Maler gilt als Hauptvertreter des Berliner Klassizismus. Er war als Oberbaurat dafür verantwortlich, Berlin als repräsentative Hauptstadt für Preußen zu gestalten. So schuf er dort beispielsweise die Neue Wache sowie das Schauspielhaus am Gendarmenmarkt und das Alte Museum am Lustgarten.

Gottfried Wilhelm Leibniz (1646 - 1716): Der Philosoph, Mathematiker und Naturforscher war eines der ersten ausländischen Mitglieder der französischen Akademie der Wissenschaften. Ihm ist es zu verdanken, dass der Doppelpunkt eine weitere Funktion hat: als Zeichen für die Division.

Jöns Jakob Berzelius (1779 - 1848): Der schwedische Chemiker war einer der bedeutendsten Naturforscher seiner Zeit. Er entdeckte die Elemente Thor und Selen und berechnete das relative Atomgewicht von 45 Elementen. Dieses veröffentlichte er 1818 in einer Atomgewichtstabelle. Außerdem führte er die Begriffe Isomerie und Katalysator ein.

Leonhard Euler (1707 - 1783): Der Mathematiker, Physiker und Astronom beschäftigte sich unter anderem mit der Differential- und Integralrechnung und führte die Schreibweise f(x) für eine Funktion ein. Auch die Basis des natürlichen Logarithmus, die Eulersche Zahl "e", geht auf ihn zurück.

Gaspard Monge (1746 - 1818): Der französische Mathematiker und Physiker untersuchte die Luftspiegelungen in der Wüste und konnte damit die Fata Morgana erstmals richtig deuten. der Pariser Professor gilt zudem als Begründer der darstellenden Geometrie.

James Watt (1736 - 1819): Der in Schottland geborene Erfinder und Mechaniker leistete einen bedeutenden Beitrag zur Entwicklung der Dampfmaschine und verhalf damit zum industriellen Durchbruch. Er gilt zudem als Erfinder der Kopierpresse und des Dampfkondensators. Ihm zu Ehren wird die Einheit der Leistung mit Watt bezeichnet.

Karl Karmarsch (1803 - 1879): Der in Wien geborene Ingenieur war der Gründer der Höheren Gewerbeschule in Hannover, der heutigen Leibniz Universität, und leitete sie 44 Jahre lang. Der Schriftsteller und Gelehrte gilt zudem als Begründer der mechanischen Technologie.

Mario Steinebach
15.11.2018

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