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Die Fäden fest in der Hand

TU-Absolventin Steffi Barth ist seit fast 15 Jahren Chefin von Biehler Sportswear und hält noch heute Kontakt zu ihrer Universität

Als Steffi Barth 1984 ihr Textil- und Ledertechnikstudium an der damaligen Technischen Hochschule Karl-Marx-Stadt abgeschlossen hat, war nicht daran zu denken, dass Deutschland bald wieder vereint ist und die junge Frau eines Tages ein eigenes Unternehmen leitet. Die Grundlagen hat sie jedoch damals gelegt, denn auf Grund ihrer Schwangerschaft während des Studiums konnte sie nach einem Sonderstudienplan studieren und so tiefe Einblicke in die Textiltechnologien, in Textilmaschinen und in die Betriebswirtschaft erhalten. „Davon profitiere ich an einigen Stellen noch heute“, sagt die 57-Jährige.

Die gelernte Herrenmaßschneiderin ist der sächsischen Bekleidungsindustrie über viele Jahre treu geblieben. Doch erst 2004 kam der entscheidende Augenblick: Steffi Barth erwarb die Anfang der 1990er Jahre von Gerda Biehler in Hartmannsdorf bei Chemnitz gegründete Firma, richtet Sortiment und Marketing völlig neu aus und setzte konsequent auf Eigenentwicklung. Mit viel Mut, jeder Menge Unternehmergeist und viel Geschick im Management gelang es ihr, dass Biehler Sportswear seine Sporttrikots, -jacken und -hosen mittlerweile europaweit verkauft. Die Zahl der Beschäftigten stieg von sechs auf heute 30 bis 40 an. Das Unternehmen brauchte mehr Flächen und siedelte ins Gewerbegebiet Pleißa an der Autobahn A4 um. Und der Umsatz erreichte die Zwei-Millionen-Euro-Grenze.

Ihr Erfolg blieb nicht unbeobachtet. 2016 ehrte sie die Stadt Limbach-Oberfrohna mit dem Titel „Unternehmer des Jahres“. Was ist die Basis dafür? „Mit unseren Eigenentwicklungen von atmungsaktiver, hautfreundlicher und UV-geschützter Sportbekleidung sind immer mehr Radfahrer, Läufer, Triathleten, Ringer und Fußballer sehr zufrieden. Unser Kundenstamm wächst und wächst. Wir setzen bewusst auf hohe Funktionalität und radsportspezifische Styles und ansprechende Designs, das kommt an“, so die Unternehmerin. Darüber hinaus sei Biehler Sportswear sehr innovativ und sucht deshalb den engen Kontakt zur Wissenschaft. „Mit dem Sächsischen Textilforschungsinstitut STFI, einem An-Institut der TU Chemnitz, haben wir beispielsweise UV Schutzbekleidung sowie einen Reizstrombody zur Erhöhung der Wirksamkeit medizinischer Therapien entwickelt“, berichtet Barth. Zudem stehe das Unternehmen im engen Kontakt zu den beiden Professuren Sportmedizin/-biologie sowie Textile Technologien der TU Chemnitz. Dabei geht es inhaltlich um Projekte in der Medizintechnik oder um die Entwicklung eines textilen Schuhs. „Unser jüngstes Projekt führte zur passgenauen Herstellung von Softorthesen, die personenindividualisiert angefertigt werden. Das ist ein Thema, dass mir besonders am Herzen liegt, da wir nun mithelfen können, körperlich benachteiligten Kindern ein neues Lebensgefühl zu geben und aktiv am Leben teilhaben zu können“, berichtet Biehler. Auch vor smarter Kleidung schreckt Bieler Sportswear nicht zurück. „Gemeinsam mit dem STFI, der Charité und einer Mikroelektronik-Firma entwickeln wir ein Shirt zur Aufzeichnung der Körpervitalfunktionen für den Intensivpflegebereich. Damit erreichen die Pflegekräfte eine zielgerichtete Pflege der Patienten“, so die Unternehmenschefin. Die Nachverfolgung werde per App organisiert.

„Es ist mir sehr wichtig, nicht nur als Textilbetrieb zu gelten. Wir wurden mehr und mehr ein Textiltechnologie-Unternehmen, das individuelle Hightech-Sportbekleidung entwickelt, produziert und zum großen Teil über das Internet im engen Kundenkontakt vertreibt“, so die Geschäftsführerin. Pro Jahr verlassen mehr als 50.000 Kleidungsstücke das Werk in Pleißa. „Ich bin mir sicher, dass die meisten unserer Kunden – darunter viele Hobby- und erfolgreiche Profiathleten – ein Gefühl dafür haben, wie viel Entwicklungsarbeit, technologisches Knowhow und Qualitätsbewusstsein in unseren Textilien stecken.“ Um die Zukunft sorgt sich Barth nicht: „Es ist geplant, eine neue Prozesstechnologie einzuführen.“ Und auch mit ihren Forschungspartnern habe sie noch viel vor. Man darf gespannt sein.

Mario Steinebach
21.09.2018

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