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Die Geschichte der Alten Aktienspinnerei und ihrer Nutzer

875 Jahre Chemnitz: Universitätsarchiv bereitet für das Sommersemester 2018 eine Ringvorlesung vor und sucht dafür Zeitzeugnisse

Seit Herbst 2015 wird in Chemnitz die Alte Aktienspinnerei zur neuen Zentralbibliothek der Technischen Universität mit Patentinformationszentrum und Universitätsarchiv ausgebaut. Nach derzeitigen Planungen soll im Sommer 2019 das Gebäude übergeben werden. Bereits 2018 soll die Geschichte des Gebäudes im Jahr des Stadtjubiläums in das Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt werden. Das Universitätsarchiv lädt im nächsten Sommersemester zu einer Ringvorlesung ein, die derzeit vorbereitet wird. Dabei ist auch die Hilfe von Zeitzeugen und der Bürgerinnen und Bürger der Region gefragt.

Die größte Spinnerei Sachsens und was aus ihr wurde

Die im Baustil des historischen Eklektizismus errichtete Aktienspinnerei entstand um 1858 infolge der Gründung einer Aktiengesellschaft als damals größte Spinnerei Sachsens mit 60.000 Spindeln. Abweichend von früheren Spinnereien hatte der Architekt Friedrich Theodor Roschig das Gebäude vor allem wegen der Brandgefahr ganz aus Eisen und Stein projektiert, also weitgehend auf Holz als Baumaterial verzichtet. Damit galt das Gebäude als eines der brandsichersten in der Stadt. Der Spinnereibetrieb endete 1914. Bereits 1905 ging das Areal in das Eigentum der Stadt Chemnitz über. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude schwer beschädigt und verlor sein Dach und das oberste Geschoss. In der Folge wurde das Gebäude auch als Essenausgabe, Provisorium für das zerstörte Opernhaus, Wismut-Kaufhaus, Stadtbücherei, Bürohaus und Puppenbühne und zuletzt als Galerie genutzt. Seit 2011 ist das Gebäude Eigentum des Freistaates Sachsen.

Zeitreise durch 160 Jahre Aktienspinnerei und Blick in die Zukunft

In neun Vorträgen soll die Geschichte des Gebäudes und seiner Nutzer dargestellt werden. Am 17. April 2018 eröffnet Joachim Stemmler, der für den wissenschaftlichen Altbestand verantwortliche Fachreferent an der Universitätsbibliothek, die Reihe mit einem Vortrag zur Gründungsgeschichte der Alten Aktienspinnerei.  Beschlossen wird die Reihe Ende Juni mit einem Vortrag der Direktorin der Universitätsbibliothek, Angela Malz, die einen Ausblick auf die neue Universitätsbibliothek geben wird. „Zwischen diesen beiden auch chronologischen Eckpunkten werden sicherlich viele spannende und eventuell auch neue Details ans Licht kommen“, sagt der Leiter des Universitätsarchivs, Stephan Luther, bei dem die Organisationsfäden zusammenlaufen. Er nennt ein Beispiel: „So war Ernestine Minna Simon die erste Frau in Deutschland, die einen größeren Streik anführte. Die Obere Aktienstraße in unmittelbarer Nähe des Chemnitzer Hauptbahnhofes wurde am 8. März 2000 ihr zu Ehren in Minna-Simon-Straße umbenannt.“ Auch sie werde in der Ringvorlesung eine Rolle spielen. Ebenso werden bedeutende jüdische Unternehmer, die sich in der Alten Aktienspinnerei eingemietet hatten, näher vorgestellt. Und auch an die Nutzung als Stadtbibliothek in den Räumen am Schillerplatz wird erinnert.

Podiumsdiskussion zur Geschichte der Puppenbühne

„Das Puppentheater, auf das wir einen besonderen Fokus richten möchten, besuchte wohl jedes Karl-Marx-Städter Schul- oder Kindergartenkind“, meint Luther.  Die Chemnitzer Puppenbühne wurde 1951 als erstes kommunales Puppentheater gegründet, hatte allerdings am Anfang noch keine eigene feste Spielstätte. Im Frühjahr 1952 gab das Puppentheater z. B. im Schloßbergmuseum Chemnitz im Rahmen einer Puppenspielausstellung täglich Vorstellungen. Die feste Spielstätte bekam das Theater erst 1955 mit dem eigenen Theatersaal im Haus am Schillerplatz. Bis 1996 besuchten dort unzählige Kinder aber auch Erwachsene die Vorstellungen. Allein in den ersten fünf Jahren des Bestehens des Puppentheaters wurden etwa 1.200 Vorstellungen gegeben, die von mehr als 250.000 Besuchern gesehen wurden.

Die im Rahmen der Ringvorlesung geplante Veranstaltung zur Puppenbühne wird als eine Diskussion organsiert. „Auf dem Podium nehmen ehemalige Direktoren der Puppenbühne Platz, die sicherlich die eine oder andere Episode aus der langen Geschichte zum Besten geben werden“, blickt Luther voraus. Außerdem werden aber auch Geschichten von Besuchern gesucht. „Gibt es unter den Hunderttausenden jemanden, der eine spannende Geschichte aus der anderen Perspektive als der des Puppenspielers zu erzählen weiß? Hat jemand zu Hause noch Fotos, Programme, Gegenstände oder ähnliches in Schatzkisten verborgen, die an diesem Tag wieder ans Tageslicht geholt werden können?“, fragt der Leiter der Universitätsarchivs und ruft alle, die hierzu etwas beitragen können, dazu auf, sich an den Vorbereitungen der Veranstaltung zu beteiligen. Er freut sich, dass in der Puppentheatersammlung Dresden noch die Puppen der ersten Vorstellung 1951 neben vielen anderen Stücken erhalten sind. „Auch im Stadtarchiv Chemnitz gibt es einen kleinen Bestand zur Puppenbühne“, so Luther.  

Erinnerung an das Wismut-Kaufhaus „Glück auf“

Wer die Dauerausstellung im Sächsischen Industriemuseum Chemnitz besucht, dem wird eine Leuchtreklame auffallen, die dort ausgestellt ist. In Blau und Rot erstrahlt die Werbung für das Wismut-Kaufhaus „Glück auf“. „Auch hier möchten wir die Chemnitzerinnen und Chemnitzer aufrufen, uns ihre Geschichten und Erlebnisse zum Wismut-Kaufhaus zu erzählen. Vielleicht hat hier jemand den schon lange benötigen Haushaltsgegenstand oder endlich das ersehnte Kleidungsstück erstanden“, sagt Luther. Vielleicht gebe es ja auch erwähnenswerte Erlebnisse von Verkäuferinnen oder Verkäufern in diesem Haus. Auch Fotos und Filmaufnahmen aus dieser Zeit werden gesucht.

Wer Material oder Erinnerungen im Zusammenhang mit der reichhaltigen Geschichte der Alten Aktienspinnerei – insbesondere zur Puppenbühne und zum Kaufhaus – beitragen möchte, kann sich an das Universitätsarchiv der TU Chemnitz, Telefon 0371 531-13200, E-Mail uni-archiv@tu-chemnitz.de, wenden.

Projekt-Homepage: https://www.tu-chemnitz.de/uni-archiv/info/projekte/2018-aktienspinnerei/

Mario Steinebach
27.12.2017

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