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Verborgene Schätze der Universitätsbibliothek

Mehr als 38.000 Bände umfasst der wissenschaftliche Altbestand der Universitätsbibliothek Chemnitz – darunter sind auch besonders wertvolle Stücke

  • Andrea Bräuer und Joachim Stemmler kümmern sich um den Altbestand der UB.
    Sie kümmern sich um den Altbestand der UB: Andrea Bräuer hat die große „Golden Chronik der Wettiner" aus dem Jahr 1889 aufgeschlagen und Joachim Stemmler zeigt das älteste Chemie-Buch im Bestand der UB. Es ist die Abhandlung "Curieuse und rare Chymische Operationes" des flämischen Alchemisten Johann Isaac Hollandus. Foto: Mario Steinebach
  • Andrea Bräuer zeigt eine wertvolle Landkarte.
    Andrea Bräuer zeigt die "Carte von Ertzgebürgischen Creysse in Churfürstenthum Sachssen mit allen derinnen befindlichen Aembtern und Herrschafften" aus der Zeit um 1750. Foto: Mario Steinebach
  • Luise Müßler von der Chemnitzer UB zeigt den Atlas von Matthäus Daniel Pöppelmann.
    Luise Müßler von der Chemnitzer Universitätsbibliothek zeigt den Atlas von Matthäus Daniel Pöppelmann, der nach seiner Restaurierung wieder genutzt werden kann. Er enthält unter anderem 24 Kupferstiche zum Dresdner Zwinger. Foto: Bildarchiv der Pressestelle/Mario Steinebach
  • Die „Ars Grammatica“ ist das älteste Buch der UB.
    Die „Ars Grammatica“ (l.), ein über 460 Jahre altes grammatisches Handbuch des römischen Sprachlehrers Flavius Sosipater Charisius, ist das älteste Buch der UB. Foto: Bildarchiv der Pressestelle/Wolfgang Thieme
  • Joachim Stemmler bereitet Georgius Agricolas „De Re Metallica“ zur Ausleihe vor.
    Joachim Stemmler bereitet mitunter auch Leihgaben für Ausstellungen vor, wie hier Georgius Agricolas „De Re Metallica“, die Dezember 2014 im Landesmuseum für Archäologie in Chemnitz zu sehen war. Foto: Bildarchiv der Pressestelle/Mario Steinebach
  • Stephan Luther, Leiter des Universitätsarchivs, präsentiert das Thomas Arithometer von 1865.
    Stephan Luther, Leiter des Universitätsarchivs, präsentiert das Thomas Arithometer von 1865. Von diesen mechanischen Rechenmaschinen produzierte der Erfinder Charles Xavier Thomas de Colmar in seiner Werkstatt etwa 1.200 Stück. Davon erhalten sind neben dem Chemnitzer Modell nur wenige andere Exemplare, die in Einrichtungen wie dem Deutschen Museum in München oder dem Science Museum in London zu finden sind. Das Stück holte damals Adolf Ferdinand Weinhold, Namensgeber des gleichnamigen Baus an der Reichenhainer Straße, nach Chemnitz. Er war Lehrer für Physik an der Höheren Gewerbschule, wie die heutige TU damals genannt wurde, und zudem begeisterter Techniknutzer. Das Gerät kann alle vier Grundrechenarten rasch durchführen und wurde zur Zeitersparnis im Geschäftswesen entwickelt. Foto: Bildarchiv der Pressestelle/Mario Steinebach

"Bücher sind der gespeicherte Reichtum der Welt und das wirksame Erbe von Generationen und Völkern." Das sagte einst der amerikanische Schriftsteller und Philosoph Henry D. Thoreau (1817-1862) sehr treffend. Und auch die Universitätsbibliothek (UB) der TU Chemnitz ist reich an Wissen. Mit über einer Million Bücher Gesamtbestand stellt sie pro Studierenden fast 100 Bücher zur Verfügung. Was aber von den meisten unbemerkt bleibt: Neben dieser aktuellen Literatur verfügt die UB auch über einen wissenschaftlichen Altbestand, in dem besonders schützenswerte Exemplare von kulturhistorischem Wert unter großem Aufwand vor dem Verfall bewahrt werden. „Original ist einfach Original“, ist sich Joachim Stemmler, der für den wissenschaftlichen Altbestand verantwortliche Fachreferent an der UB, sicher. Zwar sei der Inhalt dieser Werke mittlerweile digital gesichert, doch ginge durch die Digitalisierung auch immer etwas vom Buch verloren. „Spätestens seit dem Bibliotheksbrand in Weimar im Jahre 2004, weiß man die Bedeutung der alten Kulturwerke wieder höher zu schätzen“, schätzt Stemmler ein. Bei dem schweren Brand in der Anna-Amalia-Bibliothek wurden damals fast 70.000 wertvolle Bücher zerstört oder schwer beschädigt. Seitdem wird deutschlandweit auf den Erhalt dieser oft vernachlässigten Schätze verstärkt hingewiesen und dieser auch eingefordert.

Seit kurzem rücken auch die historischen Altbestände der Bibliotheken in Sachsen in den Fokus der Digitalisierung. „Mittels nationalen und föderalen Initiativen werden geeignete und kulturhistorisch wertvolle Altbestände digitalisiert und so für die Nutzerinnen und Nutzer, insbesondere auch für die Forschung, zugänglich gemacht“, berichtet Stemmler. Die UB Chemnitz profitiert dadurch seit 2015 über das vom Freistaat Sachsen aufgelegte Landesdigitalisierungsprogramm und konnte so bis jetzt fast 500 Bände ihres Wissenschaftlichen Altbestandes digitalisieren lassen. Sie stehen mittlerweile online zur Verfügung und können über den Katalog der UB Chemnitz mit Volltext abgerufen werden.

Kostbarkeiten im Altbestand

Von den rund 25.000 Monografien und etwa 13.000 Zeitschriftenbänden des Chemnitzer Altbestandes stammen die meisten Bände aus den Anfängen der Universitätsbibliothek, also aus dem 19. Jahrhundert. Es finden sich dort aber auch einzelne Schriften, die bis ins 16. Jahrhundert datiert werden können. Eine kleine Auswahl herausragender Einzelstücke stellt Stemmler hier exemplarisch vor:

Vor kurzem wurden von der UB mehrere historische Karten erworben, die die politische Entwicklung Sachsens vom ausgehenden 16. Jahrhundert bis zur 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts dokumentieren und illustrieren. Eine ganz besondere Kostbarkeit und Rarität ist die "Carte von Ertzgebürgischen Creysse in Churfürstenthum Sachssen mit allen derinnen befindlichen Aembtern und Herrschafften". Die Landkarte des niederländischer Kupferstechers und Kartografen Peter Schenk d.J. (1693 Amsterdam - 1775 Amsterdam ) und des deutschen Kartografen Adam Friedrich Zürner (1679 Marieney - 1742 Dresden) in Großfolio-Format zeigt den Erzgebirgischen Kreis Mitte des 18. Jahrhundert (ca. 1750).

Bei der Revision der Magazinbestände in Vorbereitung des Umzuges an den neuen Standort der Zentralbibliothek der UB in der Alten Aktienspinnerei wurde das „älteste“ Chemie-Buch im Bestand der UB „wiederentdeckt“. Es handelt sich um die Abhandlung des flämischen Alchemisten Johann Isaac Hollandus, Curieuse und rare Chymische Operationes (Leipzig 1714).

Unter der Rubrik „Großformate" nimmt die „Golden Chronik der Wettiner“ eine herausragende Stellung ein, die 1889 von Arthur Mennell „geplant, gedruckt und verlegt im Wettiner Jubeljahr (800 Jahre Haus Wettin) 1889“, wie es im Untertitel heisst, erschienen ist - mit zahlreichen Grafiken und Abbildungen zur Geschichte des sächsischen Königshauses, einer der ältesten deutschen und europäischen Adels-Dynastien. Der im wahrsten Sinn des Wortes gewichtige Band ist mit über 600 Abbildungen auf 138 Tafeln in Lichtdruck und Photogravüre mit reicher Goldprägung aufwändig ausgestattet. Er enthält 800 Jahre Hausgeschichte, die gleichzeitig Landesgeschichte ist, in technisch optimaler Wiedergabe der wichtigsten Urkunden, Porträts, Darstellungen, Bauten usw.

Eines der ältesten und bedeutendsten Bücher des Altbestandes ist das Hauptwerk des Chemnitzer Bürgermeisters, Universalgelehrten und Arztes Georgius Agricola, „De Re Metallica“. Das 1556 kurz nach seinem Tod in Latein erschienene Werk rund um die Metallverarbeitung wurde ein Jahr darauf auch in deutscher Übersetzung veröffentlicht – ein Exemplar dieser ersten Auflage ist seit einigen Jahren im Besitz der UB. Es gilt als Anfang der Montanwissenschaften und war zwei Jahrhunderte lang das Standardwerk für die wissenschaftliche Behandlung des Bergbaus und der Metallverarbeitung. Sein Wissen erwarb Agricola vor allem auf empirischem und pragmatischem Wege, indem er Bergmänner und Hüttenleute vor Ort bei ihrer Arbeit im Erzgebirge studierte. Beeindruckend sind die 273 Holzschnitte, die detailgetreu die Technologie des Bergbaus und die Methoden der Verhüttung im 16. Jahrhundert dokumentieren.

Noch etwas älter als Agricolas Werk und damit das älteste Buch der Universitätsbibliothek ist die „Ars Grammatica“ des römischen Sprachlehrers Flavius Sosipater Charisius, der im vierten Jahrhundert n. Chr. lebte. Ursprünglich diente es dazu, den griechischsprachigen Bewohnern im Osten des Römischen Reiches die lateinische Sprache zu vermitteln. Die vom gebürtigen Chemnitzer Epigraphiker und Humanisten Georgius Fabricius 1551 verfasste Neuauflage umfasst 429 Seiten und wurde vor 16 Jahren von der UB erworben. Bemerkenswert sind der reliefverzierte Einband und die kunstvoll geschmückten Initialen am Anfang eines jeden Kapitels.

Ausgewählte Schätze aus dem Fundus der Universitätsbibliothek und des Universitätsarchives  werden übrigens auch am 20. Mai 2017 zur "Langen Nacht der Wissenschaften" in der Zentralbibliothek der TU Chemnitz im Rahmne von zwei Führungen um 20 und um 22 Uhr präsentiert.

Weitere Buchpaten sind willkommen

„Viele Exemplare des Altbestandes der UB Chemnitz sind jedoch noch immer vom Verfall bedroht“, berichtet Stemmler. Um sie davor zu schützen, werden Mittel benötigt, die den zur Verfügung stehenden Etat für diverse Bestandserhaltungsmaßnahmen bei weitem übersteigen. Daher ist für die Erhaltung und Konservierung dieser kostbaren, teilweise einmaligen, Stücke finanzielle Hilfe von Dritten unabdingbar. „So haben private Förderer und Gönner mit der Übernahme einer Buchpatenschaft die Möglichkeit, die Restaurierungskosten eines Buches ganz oder teilweise zu tragen“, sagt der Fachreferent. Auf der entsprechenden Internetseite der UB Chemnitz können sich Interessierte die bedrohten Druckwerke exemplarisch in Auswahl ansehen und zugleich etwas über die notwendigen Restaurierungsmaßnahmen und die damit verbundenen Kosten erfahren. Stemmler sagt in diesem Zusammenhang: „Alte Bücher sind kostbar, aber sie kosten eben auch.“

Weitere Informationen zu Buchpatenschaften: https://www.tu-chemnitz.de/ub/projekte-und-sammlungen/projekte/buchpaten/buchpatenschaften.html

Mario Steinebach
12.05.2017

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