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„Große Ehre, da mit dabei sein zu dürfen“

In Chemnitz ließ sich Martin Schüller zum diplomierten Mikrotechniker ausbilden und wirkt heute erfolgreich am Bundesexzellenzcluster MERGE mit

Die Karriere von Martin Schüller wirkt auf den ersten Blick wie vorgezeichnet. „Ich komme aus einer Ingenieursfamilie“, so der 35-Jährige, der im familieneigenen Automationstechnik-Unternehmen mitgearbeitet hat, um sich so sein im Jahr 2000 begonnenes Studium in Chemnitz zu finanzieren. Hier studierte er den damals noch recht jungen Diplomstudiengang Mikrotechnik/Mechatronik – ein gemeinsamer Studiengang der Fakultäten für Maschinenbau sowie Elektrotechnik und Informationstechnik. Während der gebürtige Karl-Marx-Städter zu Hause bereits Pneumatikbaugruppen montierte oder bei der Auftragsbearbeitung mithalf, vertiefte er sich in seinen Studien auf dem Gebiet der Mikrofertigungstechnik. „Damit kam die Nähe zum Zentrum für Mikrotechnologie zustande“, erzählt Schüller. Praktische Erfahrungen sammelte der Mikrotechniker bei dem Maschinenbauunternehmen Roth & Rau in Wüstenbrand, das heute als Meyer Burger AG firmiert. Weiterhin absolvierte er ein umfangreiches Praktikum am Fraunhofer-Institut für Verfahrenstechnik und Verpackung in Freising, in dem er später als studentische Hilfskraft tätig war und seine Studienarbeit schrieb. In den Themenbereichen Verfahrenstechnik und Verpackungstechnologie lernte Schüller so unter anderem wie Ultrabarriereschichten verpackte Lebensmittel gegen Feuchtigkeit schützen können. Nach seiner Rückkehr nach Chemnitz widmete er sich am Zentrum für Mikrotechnologie der TU Chemnitz den Forschungsschwerpunkten Mikrotechnologie und Schichtsysteme. Mit seiner Diplomarbeit, die innerhalb der damaligen Projektgruppe des Fraunhofer IZM entstand, schloss Schüller 2007 sein Studium ab. Seine Arbeit zur Entwicklung von Mikropumpen für Point-of-Care-diagnostische Anwendungen wies ihm den Weg in seinen aktuellen Arbeitsbereich.

Am 2008 gegründeten Fraunhofer Institut für Elektronische Nanosysteme ENAS startete im Folgejahr das Projekt „Clean Sky“, an dem der TU-Absolvent maßgeblich mitwirkte. Als Aufgabe setzte sich das Chemnitzer Forscherteam die Entwicklung von Aktoren für die aktive Strömungsbeeinflussung. Mit Hilfe kleiner Energieimpulse konnten die Wissenschaftler so das Strömungsverhalten gezielt beeinflussen - eine Technologie, die beispielsweise für die Steuerung des Auftriebs eines Flugzeugs nutzbar gemacht werden kann. Damals war das System allen voran vergleichbar mit Mikropumpen aus der Fluidik. Jetzt wollen Schüller und seine vier Mitarbeiter mit dem Folgeprojekt „Clean Sky 2“ die Aktorik hinter dem System weiter vorantreiben, sodass die entwickelten Aktoren auch auf Flugzeugen Anwendung finden können. „Wir haben 2008 bei null angefangen und sind jetzt an dem Punkt, an dem wir sagen können, dass wir in ein paar Jahren hoffentlich luftfahrtrelevante Systeme verfügbar haben“, so der Teamleiter. Seine Aufgabe im Team beschreibt der Diplomingenieur wie folgt: „Wissenschaftlich beschäftige ich mich mit der Auslegung und der Entwicklung der Aktoren. Daneben halte ich den anderen Mitarbeitern den Rücken frei, indem ich die Projektakquise und Teamkoordination übernehme, damit diese sich mehr um die Wissenschaft kümmern können“, so Schüller.

Doch auch ein anderes vielversprechendes Großprojekt aus Chemnitz beschäftigt den jungen Mann mit Leidenschaft. Seit 2011 ist Schüller im Bundesexellenzcluster MERGE an der TU Chemnitz involviert. „Wenn man Teil davon sein durfte, wie so eine Idee wächst und sich entwickelt und jetzt erfolgreich ist – das ist schon etwas sehr Besonderes“, gesteht der Forscher. Für den erfahrenen Mikrotechniker stellte sich mit dem Start von MERGE die Frage, wie sich sein Spezialgebiet der Aktorik auch in Faserverbundstrukturen einbinden lässt: „Wir fragten uns: können wir das aus Fertigungssicht in großer Stückzahl auch realisieren?“, so Schüller. Mit der wissenschaftlichen Fragestellung der Strömungskontrolle beschäftigt sich der Chemnitzer auch hier und kann so seine Expertise einbringen. In dem Interagierenden Forschungsbereich IRD D zur Mikro- und Nanosystemintegration fungiert Schüller als Koordinator und organisiert so Treffen, kontrolliert die Passfähigkeit zur wissenschaftlichen Ausrichtung einzelner Teilprojekte und ist Ansprechpartner mit Verbindung zur Geschäftsstelle. Innerhalb von MERGE schätzt er vor allem die interdisziplinäre Kompetenz: „Fächerübergreifend und gruppenübergreifend mit verschiedensten Leuten zusammenzuarbeiten und etwas Großes zu schaffen und am Leben zu erhalten, macht schon viel Freude“, erzählt der Wissenschaftler. Aktuell arbeitet er an seiner Dissertation, die sich mit der Methodik auseinandersetzt, wie Aktoren so optimiert werden können, dass sie den entsprechenden Anwendungen auch gerecht werden.

„Ich bin in der glücklichen Situation, dass wir in einem Bereich aktiv sind, wo es durchaus möglich ist, dass wir irgendwann in einem Fahrzeug sitzen, in dem eine Technologie von uns enthalten ist, an der man selbst maßgeblich beteiligt war“, teilt Schüller seine Forschungsmotivation. Seinen Anspruch umzusetzen, weniger Kraftstoff zu verbrauchen und damit weniger negativen Einfluss auf die Umwelt zu nehmen, ist ihm ein ebenso wichtiges Anliegen wie die Weiterentwicklung des Wissenschaftsstandorts Chemnitz. Dabei hat der Mikrotechniker auch in anderen Bereichen dazugelernt. Durch die Zusammenarbeit mit der Professur für Unternehmensrechnung und Controlling mit dem IRD D sieht Schüller auch die betriebswirtschaftlichen Ansätze hinter dem Projekt. Bis zum Ende möchte der Mikrotechniker dem Exzellenzcluster treu bleiben. „Ich glaube fest daran, dass MERGE einerseits technologisch wie auch wirtschaftlich unglaubliches Potential hat“, so der Doktorand. „Die hier entwickelten Leichtbaustrukturen werden in mehr und mehr Anwendungen ihren Einsatz finden“, ist sich Schüller sicher. Und, so fügt er hinzu: „Ich empfinde es als große Ehre, da mit dabei sein zu dürfen“.

(Autor: Andy Schäfer)

Mario Steinebach
29.08.2016

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