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Nachhaltige Strukturen für sprachliche Integration schaffen

Chemnitzer Germanisten zählen zu den Unterzeichnern der Leipziger Erklärung der Institute und Abteilungen für Deutsch als Fremd- und Zweitsprache in Deutschland zur "Flüchtlingskrise"

Der anhaltende Zuzug von Flüchtlingen nach Deutschland stellt nicht nur für Politik, Gesellschaft und Bildungsinstitutionen, sondern auch für das Fach Deutsch als Fremd- und Zweitsprache zugleich eine Herausforderung und eine Chance dar: "Die Institute und Professuren für Deutsch als Fremd- und Zweitsprache sind nun in einer ganz besonderen Weise gefordert, fachlich hochqualifizierte Lehrkräfte für die verschiedensten Institutionen der Sprachvermittlung heranzubilden. Zugleich müssen sie allerdings mit darauf dringen, dass die Arbeitsbedingungen für diese Fachkräfte lohnend sind. Es kann nicht sein, dass man mit einer einschlägig nachgefragten universitären Qualifikation auf Honorarbasis arbeiten muss", meint Prof. Dr. Winfried Thielmann, Inhaber der Professur Deutsch als Fremd- und Zweitsprache an der TU Chemnitz.

Um für ein größeres Engagement von Politik und Zivilgesellschaft im Bereich der sprachlichen Integration zu werben, haben auf Initiative des Herder-Instituts der Universität Leipzig 40 Institute und Abteilungen für Deutsch als Fremd - und Zweitsprache an Universitäten und Hochschulen in Deutschland in der vergangenen Woche eine Resolution verabschiedet. "Als Mitunterzeichner begrüße ich die Resolution sehr", sagt Prof. Thielmann. "Die völlig neue Situation erfordert neue Anstrengungen in allen Bereichen sprachlicher Integration und zugleich ein Verständnis dafür, wie viel Zeit in Form qualifizierten Sprachunterrichts und persönlicher Nacharbeit die Aneignung der deutschen Sprache erfordert, um zu gesellschaftlicher Teilhabe zu gelangen. In diesem Bereich kursieren nämlich bei Entscheidungsträgern wie Arbeitgebern viele naturwüchsige Vorstellungen, die einfach falsch sind, von >>das Deutsch, das Flüchtlinge brauchen, lernen sie in drei Wochen am Arbeitsplatz<< bis hin zu >>jeder, der Deutsch spricht, kann Deutsch unterrichten<<. Wir reden aber von einer Größenordnung von über 1.000 Stunden qualifizierten Sprachunterrichts, der von Menschen erteilt wird, die sich wissenschaftsbasiert auf die Strukturen des Deutschen und Strukturen anderer Sprachen, auf Spracherwerb und Sprachstandsmessung, auf Sprachdidaktik und -vermittlungsmethodik, auf Interkulturalität und Mehrsprachigkeit verstehen - Kenntnisse und Fähigkeiten, die man in einem Hochschulstudium erwirbt und die entsprechend vergütet werden müssen", sagt der Chemnitzer Sprachwissenschaftler.

"Mit der Leipziger Erklärung der Institute und Abteilungen für Deutsch als Fremd- und Zweitsprache senden die in diesem Bereich tätigen Wissenschaftler ein deutliches Signal an die politischen Entscheidungsträger, für die sprachliche Integration von Migranten nachhaltige Strukturen zu schaffen, wozu auch stabile Beschäftigungssituationen für die Lehrenden gehören", so Prof. Thielmann.

Die Leipziger Erklärung der Institute und Abteilungen für Deutsch als Fremd- und Zweitsprache in Deutschland zur "Flüchtlingskrise" kann unter folgendem Link abgerufen werden: https://www.tu-chemnitz.de/uk/pressestelle/2016/Leipziger_Erklaerung.pdf

Weitere Informationen erteilt Prof. Dr. Winfried Thielmann, Telefon 0371 531-37354, E-Mail winfried.thielmann@phil.tu-chemnitz.de.

Mario Steinebach
07.03.2016

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