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Mehr Mobilität für Asylbewerber

In der Fahrradselbsthilfewerkstatt Dr. Radinger werden Asylsuchende von TU-Student Toni Scheider mit Fahrrädern und Ersatzteilen ausgestattet

  • Toni Scheider (vorne) gehört zum Team der studentischen Fahrradselbsthilfewerkstatt Dr. Radinger in der Bernsdorfer Straße 41. Foto: Bildarchiv der Pressestelle/Christian Schenk

Sie legen tausende Kilometer zu Fuß zurück und wandern für die Hoffnung auf ein besseres Leben durch die ganze Welt. Um die Mobilität der Asylbewerber in Chemnitz nach ihrer Ankunft zu unterstützen, starteten die Flüchtlingskampagne Save Me und die studentische Fahrradselbsthilfewerkstatt Dr. Radinger in der Bernsdorfer Straße gemeinsam ein Projekt, in dessen Rahmen interessierte Asylbewerber mit Fahrrädern versorgt werden. „Die Fahrradselbsthilfewerkstatt gibt es schon seit 2012 und wurde vor allem von Studierenden rege genutzt. Mit Anstieg des Flüchtlingsstroms entschlossen wir uns Anfang des Jahres ein Zeichen zu setzen und starteten eine große Spendenaktion. Wir erhielten Sachspenden von zahlreichen Fahrradläden sowie Privatpersonen und konnten unser Repertoire an Rädern und Materialien aufstocken, das nun vor allem den Asylsuchenden zugutekommt“, erzählt TU-Student Toni Scheider, der die Chemnitzer Selbsthilfewerkstatt gemeinsam mit zwei Kommilitonen betreut. Organisiert ist Dr. Radinger als Referat des Student_innenrates (StuRa) der TU Chemnitz. Der StuRa unterstützt die Selbsthilfewerkstatt auch finanziell; somit ist dieses Projekt ein Beispiel für die Verwendung des Studentenschaftsbeitrags, den alle Mitglieder der verfassten Studentenschaft entrichten.

Bei Dr. Radinger werden Räumlichkeit, Werkzeug, sachliche und fachliche Anleitung sowie Ersatzteile gestellt. So konnten bisher schon zahlreiche Asylbewerber mit Drahteseln versorgt werden. „Zu uns kommen oft Flüchtlingsfamilien. Aufgrund sprachlicher Barrieren verläuft die Verständigung meist mit Händen und Füßen, doch bisher ist uns noch jede Bastel- und Schraubarbeit gelungen. Es ist auch toll zu sehen, wie dabei der Austausch zwischen Studierenden und Flüchtlingen gelingt. Diese lassen oft ihre eigenen reparaturbedürftigen Räder liegen und gehen zuerst den Flüchtlingen zur Hand“, so Scheider. Denn die Fahrradspenden bestehen meist aus Second-Hand-Rädern, die vor der Nutzung fit gemacht werden müssen. Im Wintersemester 2015/2016 stehen die Türen von Dr. Radinger immer dienstags von 16 bis 19 Uhr offen. „Zur Aufrechterhaltung der wöchentlichen Öffnungszeiten suchen wir stets nach tatkräftiger Unterstützung. Wer also Lust und Zeit hat, sich ein paar Stunden in der Woche mit einzubringen, ist herzlich willkommen. Das gleiche gilt auch für diejenigen, die ihren Keller entrümpeln und nicht wissen, wohin mit dem alten Drahtesel oder den verstaubten Ersatzteilen. Wir freuen uns über jede einzelne Spende“, betont der Fahrradliebhaber.

Scheider selbst vereint in dem ehrenamtlichen Engagement bei der Betreuung der Selbsthilfewerkstatt sein Hobby mit dem Willen zu helfen. Schon seit dem Kindesalter zog er bei der Mobilitätsfrage das Zweirad seinen Füßen vor. „Ich begeisterte mich schon früh für Radurlaube und baute meine Räder selbst zusammen. So entwickelte ich schnell ein technisches Verständnis dafür“, erzählt der Sports Engineering-Student und ergänzt: „Radsport wird in unseren Vorlesungen viel bedacht und die Selbsthilfewerkstatt bietet mir zusätzlich eine Schnittstelle, um das Studium mit meiner Leidenschaft zu verbinden.“ Während der Semesterferien im Sommer 2015 kehrte er Dr. Radinger für kurze Zeit den Rücken und widmete sich einem großen sportlichen Projekt. Gemeinsam mit zwei Freunden nahm Scheider am ältesten Fahrradmarathon der Welt, dem Paris-Brest-Paris, teil. In 86 Stunden bewältigte er 1.200 Kilometer Strecke und knapp 10.000 Höhenmeter. „Neben der Tatsache die Strecke bezwungen zu haben, faszinierte mich vor allem die Internationalität unter den Radsportlern und die bedingungslose Hilfsbereitschaft vieler ehrenamtlicher Helfer bei dem Rennen. Oft standen einzelne Frauen oder ganze Familien an der Strecke und hielten Wasserflaschen bereit, die man sich mitnehmen konnte. Eine Geste der Hilfsbereitschaft, die ich auch in unserer Fahrradselbsthilfewerkstatt so schätze. Es geht darum, Menschen zu helfen – unabhängig von ihrer Nationalität oder anderen kulturellen Kontexten.“

Weitere Informationen zur Fahrradselbsthilfewerkstatt unter http://www.facebook.com/FahrradselbsthilfewerkstattRadinger oder per Mail drradinger@Safe-mail.net.

(Autorin: Katharina Preuß)

Katharina Thehos
21.12.2015

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