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Fontane am Computer

Kooperativer Literaturunterricht mit "Minecraft": Schüler aus Chemnitz und Zwickau unterstützten Forschungsprojekt an der Professur für E-Learning und Neue Medien der TU

Mag sein, dass es Schüler gibt, die Theodor Fontanes Roman Effi Briest langweilig finden. Bei 60 Schülern aus zwei Schulen in Sachsen war dies sicher nicht der Fall, denn sie konnten einen völlig neuen Blickwinkel auf diesen Literaturklassiker gewinnen. Studierende der Technischen Universität Chemnitz erprobten unter Anleitung der Professur für E-Learning und Neue Medien gemeinsam mit den Schülern eine neue Lernspielform. Dabei konnten die im Schnitt 17-jährigen Schüler des Dr.-Wilhelm-Andre-Gymnasiums Chemnitz und des Beruflichen Schulzentrums Zwickau (BSZ) das im Roman beschriebene herrschaftliche Anwesen, das beim Lesen nur in der Fantasie entsteht, in Gruppenarbeit virtuell mit dem Computerspiel “Minecraft” nachbauen.

„Für zwei Drittel der Schüler war dies eine sehr angenehme Übung, da die Schüler so auch im Unterricht ihren Interessen nachgehen konnten“, so Kerstin Hermann, Lehrerin des Dr.-Wilhelm-Andre-Gymnasiums. Allerdings stellt sie ebenfalls fest, dass es für einen kleineren Teil ungewohnt anstrengend war, sich mit dem neuartigen Lehrprinzip auseinanderzusetzen. „Eine durchaus verständliche Beobachtung, unter den Umständen, dass Lernspiele immer noch relativ selten ihren Weg in die Klassenzimmer finden“, sagt Projektleiter Steve Nebel von der Professur E-Learning und Neue Medien. Dennoch bewertet auch Helgard Köcher, Lehrerin am BSZ, den Erfolg des Projektes als groß, "da die Schüler einen anderen Blickwinkel auf den Stoff bekamen und einmal anders gefordert wurden, als im normalen Unterricht“.

„Neben klaren Lernresultaten konnten die Studierenden und wir Forscher an der Professur viele spannende Erkenntnisse über kooperatives Lernen in digitalen Lernspielen gewinnen, die wir zeitnah publizieren werden“, so Nebel. „Darüber hinaus zeigen sich durch die vielen positiven Rückmeldungen von Schülern und Lehrern ein großer Bedarf und das Potential von innovativen Lernsettings." Daher verwundert es nicht, dass viele Schüler nach dem Ende des Projektes gerne noch weiter an ihrer digitalen Interpretation von Effi Briest gearbeitet hätten. Das zeigt, wie Schüler auf diese spielerische Art angeregt werden können, sich mit klassischer Literatur zu beschäftigen. Ähnliche Erfahrungen machte die Professur E-Learning und Neue Medien bereits in einem vorangegangenen Projekt an der Kompakt-Oberschule in Zwickau, wo Schüler einer 9. Klasse mit "Minecraft" die Kulissen von Goethes Osterspaziergang kreativ in einer selbstgestalteten Welt nachbildeten.

Auch wenn Projekte wie diese im universitären Forschungskontext nur selten durchgeführt werden können, so wird doch langsam die Angst vor dem vermeintlich gefährlichen Medium „Computerspiel“ bekämpft und das Potential in den Vordergrund gestellt. Darin sind sich die Projektbeteiligten einig. „Somit bereiten diese Vorstöße den Weg für viele weitere spannende Projekte in den Schulen“, hofft Nebel. Gerade mit vergleichsweise leicht zugänglichen und vernetzbaren Spielen wie Minecraft seien weitere Ideen einfach zu entwickeln. So schlägt Helgard Köcher vom BSZ vor, „sich Gedanken darüber zu machen, wie mehrere Schulen mit unterschiedlichen Aufgaben zu einem Projekt über das Internet zusammengeführt werden können“.

Die Professur für E-Learning und Neue Medien der TU Chemnitz hat somit einen Stein ins Rollen gebracht. Schulen, die sich für derartige Projekte rund um Lernformen, die Computerspiele einschließen, interessieren, können sich bei Steve Nebel melden. Kontakt: Telefon 0371 531-33917, E-Mail steve.nebel@phil.tu-chemnitz.de.

Mario Steinebach
10.12.2015

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