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Uni aktuell Vorgestellt

Gelingende ästhetische Prozesse initiieren

Elf Fragen an Jun.-Prof. Dr. Rebekka Schmidt, die seit September 2014 Inhaberin der Juniorprofessur Grundschuldidaktik Kunst ist

  • Jun.-Prof. Dr. Rebekka Schmidt hat die Juniorprofessur Grundschuldidaktik Kunst inne - ihr Ziel: "Ich möchte, dass die Studierenden zu reflektierten Lehrkräften werden, die ein umfassendes und differenziertes Bild von Kunst haben und ihren Unterricht flexibel und offen an die Schüler anpassen können." Foto: Sven Gleisberg

Jun.-Prof. Dr. Rebekka Schmidt (37) ist seit September 2014 Inhaberin der Juniorprofessur Grundschuldidaktik Kunst am Zentrum für Lehrerbildung. In elf Antworten gibt sie den Lesern von „Uni aktuell“ Einblicke in ihren Werdegang, ihre Ziele und ihre Zeit in Chemnitz.

Was versteht man eigentlich unter Ihrem Fachgebiet Grundschuldidaktik Kunst?

Das übergeordnete Ziel ist, zu erforschen und zu lehren, wie guter Kunstunterricht in der Grundschule gestaltet werden kann. Das heißt in der Forschung werden die allgemeinen Unterrichtsqualitätskriterien für die spezifischen Gegebenheiten und Anforderungen des Faches Kunst angepasst und untersucht, wie gelingende ästhetische Prozesse initiiert werden können. Die Studierenden setzen sich mit diesen Ergebnissen auseinander und erarbeiten, wie sie im Kunstunterricht ästhetische Erfahrungen anregen und Bildkompetenz vermitteln können. Zusätzlich werden sie auch selbst gestalterisch aktiv, denn Kunst ist nur zu einem Teil vermittelbar, den anderen muss man im eigenen Tun und in der selbsttätigen Auseinandersetzung erfahren. Die Grundschuldidaktik Kunst vereint damit gleich in mehreren Bereichen Theorie und Praxis: Zum einen in der Theorie und Praxis des Unterrichtens, zum anderen in der Lehre und der Anwendung von gestalterischen Grundlagen. Das macht dieses Fachgebiet vielfältig und in meinen Augen besonders spannend.

Die TU Chemnitz ist für mich als Juniorprofessorin die richtige Wahl, weil…

… am Zentrum für Lehrerbildung viele verschiedene Fachrichtungen zusammenkommen, die alle an einem Ziel arbeiten: der Verbesserung von Unterricht. Sowohl durch die Forschung als auch durch die Lehre. Dieses gemeinsame Ziel führt zu spannenden Synergieeffekten. Ich habe schon lange nicht mehr so intensiv über fächerverbindendes Arbeiten und die Gemeinsamkeiten und Unterschiede von Kunst und anderen Fächern nachgedacht wie hier. Ich halte das für eine große Bereicherung, da man viel zu oft nur sein eigenes Fachgebiet sieht und dabei gar nicht bemerkt, dass sich andere mit ähnlichen Fragen beschäftigen. Durch eine Zusammenarbeit kann vorhandenes Wissen genutzt und effektiver an der Lösung von gemeinsamen Fragen gearbeitet werden.

Stellen Sie uns kurz Ihre akademische Laufbahn vor.

Im Anschluss an das Studium habe ich das Referendariat absolviert und mit dem zweiten Staatsexamen abgeschlossen. Nach fünf Jahren Schuldienst kehrte ich als abgeordnete Lehrkraft an die Otto-Friedrich-Universität Bamberg zurück. Hier habe ich zuerst im Bereich der Kunstdidaktik gelehrt und geforscht. Die Betrachtung von Kunstwerken im Unterricht der Grundschule hat mich sowohl in der Schule als auch an der Universität ganz besonders interessiert. Daher habe ich mich dann im Rahmen meiner Dissertation damit auseinandergesetzt, ob und wie man bei der Kunstrezeption die Schüler zu eigenem Denken und Konstruieren von Wissen anregen kann. Das entspricht in Kürze etwa dem, was mit dem Unterrichtsqualitätsmerkmal „kognitive Aktivierung“ gemeint ist. Das letzte Jahr in Bamberg war ich als Vertretung der akademischen Ratsstelle bei der Grundschulpädagogik beschäftigt. Seit Oktober 2013 war ich bereits als Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentrum für Lehrerbildung der TU Chemnitz im Bereich der Grundschuldidaktik Kunst tätig. Hier habe ich, nach Abschluss meiner Promotion, dann die Juniorprofessur übernommen.

Beschreiben Sie Ihre Studienzeit in maximal 15 Worten.

Intensiv, lange Nächte, viel Kunst, neue Impulse, Hinterfragen von angeblichen Wahrheiten, spannend, abwechslungsreich, anstrengend, Museumsmarathon

Hatten Sie während Ihrer Studienzeit Vorbilder, die Sie zur wissenschaftlichen Karriere ermutigt haben?

Vor allem eine Kunstdozentin, die mich mit ihrer Begeisterung für die Kunstgeschichte angesteckt und mir gezeigt hat, dass das ein sehr spannendes Gebiet ist – weshalb ich die Betrachtung von Kunst auch zu meinem Forschungsthema machte. Wissenschaftlich haben mich aber wohl am meisten meine beiden Doktormütter mit ihrem unermüdlichen Interesse an der Forschung geprägt, weil sie mir gezeigt haben, wie wichtig es ist, immer weiter zu fragen und neugierig zu bleiben.

Was geben Sie jungen Studierenden und Absolventen mit auf den Weg?

Neugierig zu bleiben und auch während des Studiums mal über den Tellerrand zu schauen. Es geht nicht darum, möglichst schnell mit möglichst wenig Aufwand „durch“ zu kommen, sondern möglichst intensiv das zu nutzen, was einem geboten wird und so den eigenen Horizont zu erweitern.

Was möchten Sie künftig in der Lehre erreichen?

Ich möchte, dass die Studierenden zu reflektierten Lehrkräften werden, die ein umfassendes und differenziertes Bild von Kunst haben und ihren Unterricht flexibel und offen an die Schüler anpassen können. Sie sollen das Konstrukt „Kunst“ sowohl praktisch als auch wissenschaftlich erfahren und hinterfragen und lernen, wie sich diese Erkenntnisse in einem kompetenzorientierten Unterricht mit hoher Qualität umsetzen lassen.

Welche Impulse setzen Sie in der Forschung an der TU Chemnitz?

Der Schwerpunkt meiner Forschung liegt in der Verbesserung des Kunstunterrichtes. Meine in der Promotion begonnene Arbeit ist noch lange nicht abgeschlossen und eine weitere Auswertung der Daten ist geplant. Hierzu werden die allgemeinen Unterrichtsqualitätskriterien für den Kunstunterricht konkretisiert und ihre Umsetzung mit Hilfe von Videostudien quantitativ und qualitativ erforscht. So können Hinweise für einen gelingenden Kunstunterricht entwickelt werden, die Impulse für die Schulen in Sachsen sein sollen. Zum anderen ist die Juniorprofessur beteiligt am interdisziplinären Forschungsprojekt "meLT - mehrperspektivisches Lernen mit Tablets". In Bezug auf den Kunstunterricht interessiert hier, wie Tablets sinnvoll in den Unterricht integriert werden können und inwieweit sie zur Förderung von bildnerischen Kompetenzen, ästhetischer Erfahrung, Ausdrucksfähigkeit und Medienkompetenz beitragen. Darüber hinaus steht in einem dritten Projekt die Ausbildung der Lehrkräfte im Mittelpunkt. Die Studie ProMotiKuS (Entwicklung von professioneller Kompetenz und Motivation im Lehramtsstudium Kunst und Sport) untersucht die Entwicklung von fachspezifischer professioneller Kompetenz der Studierenden in den Fächern Kunst und Sport.

Es gibt rund 45.000 Professoren an deutschen Hochschulen. Was hebt Sie ab?

Das ist mit absoluter Gewissheit nicht so einfach zu sagen. Ich denke, in Bezug auf die Kunstpädagogik bin ich eine der wenigen, die glaubt, dass auch quantitative Forschung für diesen Bereich wichtig und hilfreich sein kann und sich auf dieses Gebiet gewagt hat. Künstler mögen die Statistik oft nicht ganz so gerne. Gleichzeitig bin ich mir aber bewusst, dass es gerade im ästhetischen Bereich Dinge gibt, die mit „Zahlen“ nicht zu erfassen sind, und bemühe mich daher auch um die qualitative Forschung. Darüber hinaus bringe ich eine gute Mischung aus Theorie und Praxis mit und bin vielseitig interessiert, was auch meine verschiedenen Forschungsprojekte belegen.

Welchen Ort in Chemnitz zeigen Sie Gästen am liebsten?

Das Museum Gunzenhauser. Ich finde die Ausstellungen sind wunderbar konzipiert, es ist ein tolles Gebäude und ich habe bislang nur gute Führungen erlebt. Außerdem freue ich mich, dass ich dort immer wieder etwas Neues entdecken kann.

Wie bringen Sie sich ins Leben der Stadt ein?

In erster Linie bislang wohl leider eher dadurch, dass ich das Angebot der Stadt wie Museen, Theater, Konzerte, Restaurants und Cafés nutze. Aber ich arbeite an der Kooperation mit Lehrkräften und Schulen sowie an einer Vernetzung der Universität mit den kulturellen Einrichtungen von Chemnitz. Konkret geschieht dies im Moment durch das Angebot „Kunst für Kreativität“ im Studium generale. Zusätzlich sind weitere Projekte in Planung.

Weitere Informationen zur Professur: https://www.tu-chemnitz.de/zlb/professuren/grundschuldidaktik_kunst.php

Katharina Thehos
02.02.2015

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