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Wasserfeste Bücher - nicht nur fürs Badezimmer

Vom Krimi bis zum Klassiker: Die TU-Absolventen Grit Strietzel und Jens Korch ermöglichen mit ihrer "Edition Wannenbuch" einen ungewöhnlichen Lesespaß

Vor vielen Jahren am Pool eines Ferienhauses in der Toskana: Kinder lesen in ihren Babybadebüchern und plantschen dabei im Wasser. Ihre Eltern liegen in der brütenden Hitze und lesen auch. Sie können ihre Zeitschriften und Bücher nicht mit ins erfrischende Nass nehmen. Zu groß ist die Gefahr, dass die Druckerfarbe verwischt und das Papier aufweicht. Bei genauer Betrachtung dieser typischen Urlaubsszene fragten sich die beiden Chemnitzer TU-Absolventen Grit Strietzel und Jens Korch, warum es eigentlich keine wasserfeste Lektüre für große Leser gibt. Und diese Frage sollte sie nicht mehr loslassen. "Wir suchten im Internet, fragten in Spielwaren- und Buchläden - und fanden nichts", erinnert sich Strietzel. Das stachelte die beiden an, selbst loszulegen und wasserfeste Bücher für die Badewanne zu kreieren. Zunächst galt es, Druckereien für wasserfeste Bücher ausfindig zu machen, Autoren für die kurzweilige Lektüre zu überzeugen und praktikable Vertriebswege zu finden. "2010 ging es dann so richtig los - oft bis tief in die Nacht. Kurz nachdem die ersten Buchthemen und das Layout standen, wurden die Druckdateien verschickt und schon bald kamen die ersten Wannenbücher auf den Markt", sagt Korch. Gearbeitet wurde nach der regulären Arbeitszeit in der Redaktion, denn beide waren bei der Freien Presse tätig.

Die "Edition Wannenbuch" bestimmt nun den Alltag der ideenreichen Verleger. Grit Strietzel schreibt zwar noch heute für die Freizeit-Redaktion der Freien Presse, kümmert sich aber am Abend um die Verlagsarbeit. Von ihrem frühren Studium der Textiltechnologie/Fachrichtung Ledertechnik an der TU Chemnitz ist die 46-Jährige - fachlich betrachtet - mittlerweile weit entfernt. Konsequent schlug sie eine journalistische Laufbahn ein. Ähnlich ging es Jens Korch, der nach seinem Betriebswirtschaftslehrestudium an der TU Chemnitz zur Freien Presse ging, und es nach einem Zwischenstopp bei der Chemnitzer Morgenpost bis zum Leiter der Lokalredaktion der FP in Hohenstein-Ernsthal/Glauchau brachte. Seit 2012 arbeitet er als selbstständiger Journalist und als Mitherausgeber der Edition Wannenbuch.

Ob romantischer Liebesroman, spannender Krimi oder Yoga- und Gehirnjogging-Übungsbücher - die Ideen scheinen Strietzel und Korch nicht auszugehen. Selbst Goethe gibt es als anzügliche Variante für die Wanne - oder für eine erotische Lesung in einer Leipziger Sauna im März 2014. Mittlerweile sind acht abwaschbare Plastikbücher auf dem Markt, eines davon wird sogar mit Entspannungs-CD vertrieben. "Jedes der achtseitigen Bücher lässt sich locker in einer Viertelstunde durchschmökern", versichert Strietzel und ergänzt: "Das ist etwa genau so lange, wie jemand für ein Bad brauchst, bevor das Wasser kalt oder die Haut runzelig wird." Sie erwähnt zudem das erste Firmenbuch für die Badewanne: "Die Schweizer Körperpflegefirma fenjal orderte bei uns für ihre Belegschaft als besonderes Geschenk den Krimi `Diamanten zum Frühstück´. Doch was die Edelsteine im Essen mit einem Toten in der Wellness-Oase zu tun haben, bleibt ein Geheimnis und ist nur einem exklusiven Leserkreis vorbehalten."

Aktuell bereiten die Wannenbuch-Herausgeber die nächsten Messen vor. "Über das Jahr verteilt steuern wir Frankfurt/Main, Düsseldorf und Leipzig an", sagt Korch. "Wir wollen wieder vielen Messegästen zeigen, dass Bücher und Wasser durchaus zusammenpassen, und werden dazu eine ganz spezielle Tischbadewanne präsentieren", so der 37-Jährige. An Ideen würde es nicht mangeln, eher an Autoren. "Aktuell sind wir an unserer alten Uni unterwegs, um Schreibtalente aus dem Sportbereich für ein Fitnessprogramm für die Wanne zu finden", so Strietzel.

Ziel der beiden Verleger ist es, jedes Jahr mindestens zwei neue Buchtitel zu produzieren plus Sondereditionen. Der Markt scheint vorhanden zu sein: Laut einer Umfrage des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels greift etwa jeder vierte Bundesbürger gern im Schwimmbad oder am Strand, jeder siebte in der Badewanne zum Buch. Bleibt abzuwarten, ob die "Edition Wannenbuch" aus Chemnitz auch außerhalb von Deutschland vielerorts in Badewannen, unter Duschen, in Wellness-Anlagen und an Stränden gelesen wird. Vermutlich zuallererst an einem Pool vor einem Ferienhaus in der Toskana.

Mario Steinebach
16.02.2014

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