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"Chemnitz als Wendepunkt meiner wissenschaftlichen Karriere"

Afrikanischer Humboldt-Stipendiat Samuel Ngwa Atechi untersucht seit Januar 2013 das Kamerun-Englische an der TU Chemnitz und profitiert von den hiesigen Forschungsbedingungen

  • Samuel Ngwa Atechi von der Universität Yaounde ist seit Januar 2013 Gast an der Chemnitzer Professur Englische Sprachwissenschaften. Foto: Philip Knauth

Samuel Ngwa Atechi von der Universität Yaounde in Kamerun forscht seit Januar 2013 als zweiter Stipendiat der Alexander von Humboldt-Stiftung an der Professur Englische Sprachwissenschaften der TU Chemnitz über die sprachlichen Komponenten des Kamerun-Englischen. Damit knüpft der 44-Jährige an das Gesamtprojekt des kamerun-englischen Korpus an. Atechi profitiert in den nächsten 18 Monaten vor allem von den technischen Mitteln an der TU Chemnitz, mit denen er nun die computer-gestützte akustische Analyse beginnen wird. "Die Arbeitsumgebung hier ermöglicht es mir, produktiv zu sein", so Atechi.

Für Atechi ist es nicht der erste Aufenthalt in Deutschland. Als Stipendiat des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) belegte er bereits im Dezember 2002 einen viermonatigen Sprachkurs am Leipziger Herder-Institut. Ab April 2003 startete er erste Recherchen zu seiner Promotion an der Humboldt-Universität zu Berlin, in der er einen linguistischen Vergleich zwischen Kamerun-Englisch mit Amerikanisch und Britischem ablegte. Englisch. "Deutschland ist eine wunderbare Zieladresse, denn meine ganze Karriere wurde hier aufgebaut", resümiert der Wissenschaftler. Obwohl Atechi in Berlin angefangen hatte, beendete er seine Doktorarbeit im Sommer 2004 an der TU Chemnitz. Weil sich Prof. Dr. Josef Schmied von der Professur Englische Sprachwissenschaften für die Forschung des Kameruner interessierte, unterstützte er schließlich Atechis Wunsch, die Doktorarbeit an der TU in der englischen Sprache zu verteidigen. "Prof. Dr. Schmied ist ein bekannter Linguist auf dem Gebiet des afrikanischen Englischs. Sein Einführungsbuch `English in Africa´ aus dem Jahr 1991 ist dort ein wichtiges Standardwerk für junge Akademiker. Als ich Probleme mit der Verteidigung meiner Doktorarbeit hatte, war Prof. Dr. Schmied meine erste Anlaufstelle", so Atechi.

Die TU war für den Kameruner fortan wissenschaftlicher Dreh- und Angelpunkt in Deutschland. September bis November 2009 nutzte Atechi einen kurzen Rechercheaufenthalt zur Konzipierung seines Humboldt-Projekts und seit Januar 2013 ist er regulär an der TU anzutreffen. "Der Analyseteil meiner Doktorarbeit war ermüdend, denn an der Universität Yaounde wertete ich die Daten manuell aus. Ich dachte, die Analyse wird reichhaltiger, wenn ich mehr Technologie verwenden würde - deshalb beantragte ich das Humboldt-Stipendium", sagt Atechi und fügt hinzu: "Was ich jetzt bin, hat die TU Chemnitz aus mir gemacht. Wenn ich an Chemnitz denke, denke ich an einen Wendepunkt in meiner wissenschaftlichen Karriere, Ergiebigkeit, Zusammenarbeit und an ein gutes Arbeitsklima."

Die Forschungsbedingungen an der Universiät Yaounde unterscheiden sich laut Atechi von der TU Chemnitz gravierend. "Als ich nach Chemnitz kam, entdeckte ich eine ganze Bibliothek mit elektronischen Zeitschriften und Büchern und Internet rund um die Uhr. Schon allein die komfortable Ausstattung bringen dich in eine Gemütsverfassung, die zu guten Ergebnissen führt", sagt der Kameruner. An der Universität Yaounde sowie in den restlichen Teilen Kameruns sei der Bibliotheksbestand für Recherchen veraltet. Nur durch private Anstrengungen könne der aktuelle Forschungsstand nachrecherchiert werden, doch selbst die Postzusendung dauert einige Wochen. Das Arbeitsklima an der TU beflügelt Atechis Arbeitsproduktivität: "Innerhalb meines dreimonatigen Aufenthalts im Jahr 2009 hatte ich hier schon drei akademische Artikel verfasst. In Kamerun verfasse ich schwerlich drei Artikel in einem Jahr."

Auch wenn das gute Arbeitsklima und der technologische Fortschritt in Deutschland locken - Atechi will nach Abschluss seines Humboldt-Stipendiums zurück nach Kamerun: "Hier zu bleiben, wäre egoistisch und eigennützig. Deutschland braucht mich nicht, aber Kamerun braucht mich. Ich bin nicht nur Wissenschaftler, der Forschung und Lehre als Beruf sieht. Ich sehe es als Berufung. Wenn ich zurückgehe, möchte ich zumindest eine Bibliothek oder einen Versuchsraum mit Computern errichten. Ich möchte der Forschung in Kamerun einen neuen Anstoß geben", sagt Atechi. Finanzieller Zuschuss ist dem kamerunischen Wissenschaftler durch die Humboldt-Stiftung jetzt schon sicher.

(Autorin: Victoria Graul)

Katharina Thehos
20.02.2013

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