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Begeistern für MINT - mit Spannung, Spiel und ganz viel Kreativität

Ein Blick hinter die Kulissen des Kreativzentrums der TU Chemnitz verrät, wie sich Kinder und junge Erwachsene für Naturwissenschaft und Technik begeistern lassen

  • Von wegen nur etwas für Jungen - im Kreativzentrum lernen auch Mädchen, sich für Maschinenbau zu begeistern. Begleitet werden sie dabei von Leiterin Veronika Mühlhausen (hinten rechts). Foto: Wolfgang Thieme
  • Unterricht zum Anfassen - der Future Campus gewährt Schüler einen Blick in das Innenleben von Motoren. Foto: Christian Schenk
  • Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land? Im Bereich der Optik lernen die Kinder die Geheimnisse von Spiegelprismen kennen. Foto: Christian Schenk
  • Der Umgang mit dem Robotino vermittelt bereits Grundschulkindern erste Kenntnisse im Bereich der Computersteuerung. Foto: Christian Schenk
  • Der "Turm von Hanoi" - ein mathematische Knobelspiel - schult die Geduld und das logische Denken der Kinder. Foto: Christian Schenk
  • Im Computerkabinett haben Jung und Alt die Möglichkeit, sich in den MINT-Bereichen nach eigenen Interessen weiterzubilden. Foto: Mario Steinebach
  • Der Flaschenzug ist ein altes Modell - aber immer noch aktuell. Kinder können entdecken, wie mit Hilfe von Rollen an Seilen hängende Gewichte scheinbar leichter werden. Foto: Mario Steinebach
  • Mit fesselnden Experimenten versucht das Kreativzentrum, den Stein ins Rollen zu bringen und Jugendliche für Naturwissenschaft und Technik zu begeistern. Foto: Mario Steinebach
  • Auch der Future Truck - das mobile Bildungsangebot des Kreativzentrums - lädt zum Experimentieren ein. Foto: Wolfgang Thieme
  • In seinem Inneren bietet der Future Truck erstaunlich viel Platz für das Erkunden naturwissenschaftlicher Phänomene. Foto: Christian Schenk
  • Ein genauer Blick lohnt sich auch im Future Truck - vor allem junge Frauen sollen für MINT-Berufe oder -Studiengänge begeistert werden. Foto: Ulf Dahl

Mathematik ist langweilig, Naturwissenschaften nur etwas für Streber und für Technik und Informatik interessieren sich sowieso bloß Jungen. Wohlbekannt sind derartige Vorurteile über die Fächer des MINT-Bereiches (was für "Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik" steht) und obwohl deren Unwahrheit längst bekannt sein müsste, hängen diese überholten Denkweisen erstaunlich fest in den Köpfen vieler Menschen. Nicht zuletzt deswegen gibt es seit 2009 das Kreativzentrum der TU Chemnitz in der Straße der Nationen 62. Die Einrichtung, bestehend aus dem praxis- und handlungsorientierten Lern- und Begegnungszentrum Future Campus und dem mobilen Future Truck, hat es sich zur Aufgabe gemacht, insbesondere bei Kindern und jungen Erwachsenen nicht nur das Interesse an naturwissenschaftlichen und ingenieurtechnischen Fachgebieten zu wecken, sondern auch fundiertes Wissen in diesen Bereichen weiterzugeben. "Anders als in der Schule vermitteln wir Informationen bewusst nicht in Form von Frontalunterricht. Vielmehr bekommen die Schüler im Kreativzentrum die Möglichkeit, selbst zu experimentieren und mit Hilfe von praxisorientierten Lernbeispielen wissenschaftlichen Phänomenen eigenständig auf den Grund zu gehen", erklärt Veronika Mühlhausen, Leiterin des Kreativzentrums, und fügt hinzu: "Der Vorteil einer derart erlebnisorientierten Wissensvermittlung ist, dass die Kinder nicht nur zum Selbstlernen motiviert werden, sondern sich an die erhaltenen Informationen wesentlich länger erinnern."

Von Grund-, Haupt und Realschülern sowie Gymnasiasten, über Auszubildende und Studenten bis hin zu Eltern, Lehrern und Erziehern können dabei zahlreiche Zielgruppen von den vielfältigen Angeboten des Kreativzentrums profitieren. So bietet beispielsweise die hauseigene Elektrowerkstatt des Future Campus insbesondere kleineren Schülergruppen die Möglichkeit, sich mit Phänomenen rund um das Thema Strom vertraut zu machen. Denn neben dem Zusammenfügen kleinerer Stromkreise kann an den acht technisch bestens ausgestatteten Arbeitsplätzen auch mit Kleinspannung und verschieden farbigen Drähten, Glühbirnen, Transformatoren und anderem Elektronikbedarf experimentiert werden. Vor allem Gymnasiasten und Mittelschüler kommen bei diesem umfangreichen Lehrangebot im Bereich der Elektrotechnik auf ihre Kosten - Grundschüler dürfen den Raum hingegen aus Sicherheitsgründen nur in Ausnahmefällen nutzen. Etwas lernen können die jüngeren Schüler aber dennoch auf dem Future Campus. Schließlich befindet sich direkt neben der Elektrowerkstatt die Mechanische Werkstatt, in der sich die Grundschulknirpse, wie auch ältere Schüler, an verschiedenen technischen und handwerklichen Projekten versuchen können. Die Werkstätten sind besonders gut geeignet für die Kleingruppenarbeit. Hier könnenn sechs bis acht Schüler praktische handwerkliche Aufgaben lösen, aber auch technische und naturwissenschaftliche Experimente durchführen. So stehen den ambitionierten Nachwuchshandwerkern in diesem Raum zwischen Hammer, Nägel, Sägen und vielen anderen Werkzeugen sowie Experimentierutensilien acht Werkbänke zur Verfügung, um eigenhändig Seife zu gießen, technische Modelle, mathematische Strategie- und Logikspiele oder auch Weihnachtspyramiden zu bauen. Ergänzt wird das Angebot von Mechanik- und Elektrowerkstatt durch die sogenannte Sinnesarena - ein weiterer Raum auf dem Future Campus, bei dem die individuelle Wahrnehmung im Vordergrund steht. Hier können Wissbegierige aller Altersstufen herausfinden, welches Gefühl beim Tasten andersartiger Oberflächen entsteht und inwieweit sich verschiedene Materialen bzw. mit Wasser gefüllte Gläser beim Anschlagen unterschiedlich anhören. Diese kleine Sinnesarena eignet sich besonders für derartig feinfühlige Experimente. Das große hallenartige Lern- und Experimentierzentrum, welches das eigentliche Herzstück des Future Campus bildet, wäre hierfür schlichtweg zu groß.

Dennoch hat die herausragende Größe des Lern- und Experimentierzentrums auch seine Vorteile. So müssen hier - anders als bei den drei kleineren Werkstätten - größere Gruppen oder Klassen nicht zwangsläufig gesplittet werden, obwohl die Möglichkeit dazu durchaus besteht. So lässt sich auch der Experimentierbereich je nach Bedarf mit Hilfe von Trennwänden in unterschiedliche Arbeitsbereiche unterteilen. Einer dieser optionalen Bereiche wäre beispielsweise ein Abteil zur Optik, wo anhand von Prismen verschiedene Lichtspiele ausprobiert werden. Außerdem erhalten Kinder Antworten darauf, wie ein Mikroskop funktioniert, wie Brillen aufgebaut sind und sich ihre Wirkungsweise durch verschieden starke Brillengläser unterscheidet. Mühlhausen und ihren aktuell elf studentischen Hilfskräften geht es also nicht nur darum, die grundlegenden physikalischen Gesetzmäßigkeiten zu erklären: "Wir versuchen außerdem, das theoretische Wissen immer auch auf praktische Beispiele aus der jeweiligen Lebenswelt der Schüler zu beziehen, um das Lernen noch interessanter und greifbarer zu gestalten." Einen wahrlich praktischen Eindruck vermittelt daher auch der zweite Teilbereich des Lern- und Experimentierzentrums. Hier steht Wissen und Erkenntnis rund um den Bereich Maschinenbau im Vordergrund. Anhand berührbarer Exponate können die Kinder nicht nur das Innere von Motoren bestaunen, sondern auch ein Gespür für das darin verarbeitete Material sowie dessen Größe und Gewicht entwickeln. In einem anderen Abschnitt kommt schließlich auch das Thema der regenerativen Energien zur Sprache. Dabei setzen sich die Kinder unter anderem mit der Effektivität von Windturbinen bei einer unterschiedlichen Größe der jeweiligen Rotorblätter auseinander und müssen erkennen, wann sich der Einsatz lohnt und warum in manchen Fällen auf den Bau verzichtet werden sollte. In einem weiteren Bereich - der Mathematik und Informatik - können sich Schüler unterschiedlicher Altersgruppen nicht nur spielerisch mit Zahlen beschäftigen, sondern ebenso je nach Leistungsstand einen ersten Einblick in die Programmierung von Robotern erhalten. Darüber hinaus sind an den großflächigen Experimentierbereich drei weitere Räume angeschlossen: zum einen ein zusätzlicher Kreativraum für Bastelarbeiten oder das Durchführen chemischer und anderer naturwissenschaftlicher Experimente, ein Computerraum mit vier Arbeitsplätzen für Rechercheaufgaben und der Möglichkeit, individuelle Studienberatungen für die Heranwachsenden anzubieten sowie ein Schulungsraum für Fortbildungen, Vorträge sowie Workshops.

Ein großer Teil der beschriebenen Lernangebote ist sogar mobil und nicht an eine Durchführung auf dem Future Campus gebunden - Grund dafür ist die flexible Ausstattung des Future Trucks, dem zweiten Teil des Kreativzentrums. So kommen auch Schulen mit größerer Entfernung zur TU Chemnitz in den Genuss des weitgefächerten Bildungsspektrums, ohne die sonst notwendige Anfahrt in Kauf zu nehmen. "Egal ob in Chemnitz, an der Universität oder in irgendeiner Schule in Sachsen: Future Truck und Future Campus setzen dieselben Schwerpunkte, um das Lernen im Bereich Naturwissenschaft und Technik zu fördern. Zum Beispiel können die Angebote zum einen unterrichtsunterstützend bei eventuell zu trockenen Themen genutzt werden. Die zweite Möglichkeit ist beispielsweise ein Einsatz im Rahmen von schulischen Projekttagen mit technisch-naturwissenschaftlichem Hintergrund. Zum Dritten unterstützen wir aber auch Schulfeste oder -jubiläen mit unserer Anwesenheit", erklärt Mühlhausen, die als einzige Vollzeitangestellte des Kreativzentrums stets bemüht ist, der hohen Nachfrage an Besuchern gerecht zu werden. Unterstützung erhält sie dabei nicht nur von ihren Hilfskräften aus unterschiedlichen Studienfachrichtungen, sondern auf der organisatorischen Seite auch von Dr. Hans-Günter Semm aus dem Dezernat Planung, Statistik und Steuerung, der sich unter anderem um Vertragsabschlüsse, Genehmigungen und die Abstimmung mit verschiedenen Bereichen und Fakultäten der Universität kümmert. Die fachliche Ausgestaltung des Angebotes ist hingegen die Aufgabe von Mühlhausen und ihren Helfern: "Es gibt immer viel zu tun und kaum Zeit für Ruhepausen, um an neuen Ideen zu arbeiten. Gern würden wir auch noch mehr Besucher im Kreativzentrum begrüßen - personaltechnisch ist das aber leider nicht realisierbar." Dennoch ist es der ambitionierten Leiterin des Kreativzentrums gelungen, in den kommenden Monaten ein breites Spektrum an Veranstaltungen zu organisieren. So wird demnächst ein Computerkurs für Grundschüler stattfinden. Zudem muss das Programm für Anfragen von sozialen Trägern und Horten während der Winterferien entwickelt werden. Ein weiterer wichtiger Termin in Mühlhausens Kalender ist außerdem die Mitmach-Ausstellung "Mathematik & Technik zum Erleben" auf dem Future Campus vom 25. Februar bis 8. März 2013.

"Im April kommen dann bei uns auch die Lehrer auf ihre Kosten. Da bieten wir in Zusammenarbeit mit Dr. Frank Göring von der Fakultät für Mathematik die Lehrerfortbildung `Abiturmathematik im MINT-Studium - worauf baut die UNI auf´ an. Das ist auch für uns immer interessant. So können wir im Gespräch mit den Lehrern vermitteln, welche Anforderungen die Uni an zukünftige Studenten seitens der Mathematik stellt und zum Beispiel erfahren, warum die Schulen manchmal gar nicht in der Lage sind, das von den Universitäten geforderte Niveau zu vermitteln", erklärt Mühlhausen das Konzept. Ziel dieser Diskussionen soll sein, gemeinsam Lösungen zu finden und aufeinander zuzugehen. Schließlich haben Lehrer eine wichtige Multiplikatorfunktion und können die Schüler langfristig von den spannenden Seiten der Naturwissenschaft und Technik überzeugen - ganz im Sinne des Kreativzentrums.

(Autorin: Ina Huke)

Katharina Thehos
05.02.2013

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