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Härtetests in rauem Bergwerksklima

Prüffeld für textile Maschinenelemente unter Tage eingeweiht: Wissenschaftler der TU Chemnitz untersuchen in stillgelegtem Schacht in Thüringen, welche extremen Belastungen Kunststoffseile aushalten

  • Prof. Dr. Klaus Nendel, Michael Duwe, Eberhard Alles, Dr. Markus Michael und Dr. Peter Pfeifer (v.l.) fuhren gemeinsam in den Schacht ein, wo bald die Forschungsarbeiten beginnen werden. Foto: Anke Pfau
  • Dr. Markus Michael, Michael Duwe, Eberhard Alles, Dr. Peter Pfeifer und Prof. Dr. Klaus Nendel (v.l.) unterzeichneten den Kooperationsvertrag. Foto: Anke Pfau

Seile, die im Bergbau eingesetzt werden, müssen viele Anforderungen erfüllen: Sehr fest sollen sie sein, verschleißresistent, widerstandsfähig gegen Wasser und Salze und sie müssen Temperatur- und Biegewechsel aushalten können. Bisher werden unter Tage oft schwere Stahlseile genutzt. Aber die Forscher der Technischen Universität Chemnitz wollen jetzt herausfinden, ob auch Seile aus Kunststoff den hohen Belastungen bei der Arbeit in Bergwerken standhalten können. Im thüringischen Bleicherode (Landkreis Nordhausen) wurde deshalb am 30. Januar 2013 ein Konzept für umfangreiche Prüfvorhaben zwischen Partnern aus Industrie und Wissenschaft unterzeichnet.

"Bisher haben wir neuartige Kunststoffseile im Forschungslabor genau untersucht. Jetzt folgen in einem Bergwerk der NDH Entsorgungsbetreibergesellschaft Bleicherode umfangreiche Praxistests", sagte Dr. Markus Michael, Inhaber der Stiftungsprofessur Technische Textilien/Textile Maschinenelemente an der TU Chemnitz, der das Forschungsprojekt betreut. Innerhalb der nächsten fünf Jahre sollen dazu in einem Schacht in 608 Metern Tiefe mehrere Prüflaboratorien eingerichtet werden. "Hier wird zum Beispiel ermittelt, wie oft hochfeste Faserseile an ein und derselben Stelle gebogen werden können, bevor Verschleißerscheinungen auftreten, oder um wie viele Zentimeter sich die Seile mit der Zeit dehnen, wenn schwere Lasten daran hängen", erklärt Michael. Die Chemnitzer Wissenschaftler seiner Stiftungsprofessur und der Professur Fördertechnik profitieren in Bleicherrode mehrfach von den idealen Rahmenbedingungen: "Wir haben hier ausreichend Platz für unsere Tests der Faserseile, etwa hinsichtlich ihrer Kriechneigung und Wickeleigenschaften. Zudem sind die extremen Parameter ideal: die Temperaturen sind hoch, die Luft ist salzhaltig und unter Tage ist recht staubig. Außerdem können wir hohe Förderhöhen sehr gut simulieren."

Für den Aufbau des unterirdischen Forschungs- und Entwicklungszentrums bekommen die Chemnitzer Forscher insgesamt 800.000 Euro Unterstützung, unter anderem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und von der TU Chemnitz. "Weiteres Geld stellen zwei an dem Projekt beteiligte Unternehmen zur Verfügung", sagte Michael. Eines dieser beiden Unternehmen ist die KD Stahl- und Maschinenbau GmbH aus Breitenworbis, ein Zulieferer, der unter anderem für die Bergbauindustrie tätig ist. Dieses Unternehmen engagiert sich auch als Stifter an der Stiftungsprofessur. Zweiter Praxispartner ist die NDH Entsorgungsbetreibergesellschaft mbH aus Thüringen. Das Unternehmen, das sich auf das Verfüllen von alten Bergbauschächten mit Abfällen wie Schlacke, Schlamm und Staub spezialisiert hat, ist auch in Bleicherode tätig und füllt dort unterirdische Hohlräume auf.

An der feierliche Unterzeichnung des Prüffeldkonzeptes in der "Alten Kaue" im Kalibergwerk Bleicherode nahmen seitens der TU Chemnitz Kanzler Eberhard Alles, Prof. Dr. Klaus Nendel, Inhaber der Professur Fördertechnik, und Dr. Markus Michael, Inhaber der Stiftungsprofessur Technische Textilien und textile Maschinenelemente, teil. Seitens der Vertragspartner unterzeichneten Dr. Peter Pfeifer, Geschäftsführer der NDH Entsorgungsbetreibergesellschaft, sowie Michael Duwe, Geschäftsführer der KD Stahl- und Maschinenbau GmbH. Zu den Gästen gehörten unter anderem die Landräte von Nordhausen und Eichsfeld sowie der Bleicheröder Bürgermeister und Vertreter des thüringischen Umweltministeriums. Nach der Vertragsunterzeichnung erfuhren die Anwesenden im Vortrag von Dr. Michael etwas über die technische Gestaltung des Prüffeldes und das Potential textiler Maschinenelemente.

Ein Video-Bericht über die Inbetriebnahme des Innovationskabinetts unter Tage findet sich im YouTube-Kanal der "Thüringer Allgemeine".

Die Stiftungsprofessur Technische Textilien/Textile Maschinenelemente im Internet: http://www.innozug.de

Weitere Informationen erteilt Dr. Markus Michael, Telefon 0371 531-32340, E-Mail markus.michael@mb.tu-chemnitz.de.

Mario Steinebach
01.02.2013

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