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Premiere für den "Campus Stress Check 2012/13"

Professur Klinische Psychologie startet erstmals Studierendenbefragung zur psychischen Gesundheit an der TU Chemnitz - Beratungsangebote sollen dem Bedarf angepasst werden

Prüfungen, Referate, Hausarbeiten und nebenbei den Lebensunterhalt finanzieren oder den Familienalltag mit Kind meistern - das Leben als Student kann stressig werden und sogar krank machen. Häufige Probleme sind Lern- und Arbeitsstörungen, allgemeine Leistungsprobleme, mangelndes Zeitmanagement, Prüfungsangst, depressive Verstimmungen sowie Selbstwertprobleme. Der oft hohe Zeit- und Leistungsdruck aber auch Zukunftsängste gelten als Auslöser. Studienabbrüche oder verlängerte Studienzeiten sind oft die Folge.

"Eine genauere Untersuchung der psychischen Gesundheit studentischer Populationen mit validierten und standardisierten klinischen Erhebungsverfahren, existiert bislang noch nicht und soll nun an der TU Chemnitz erstmals durchgeführt werden", sagt Prof. Dr. Stephan Mühlig, Inhaber der Professur Klinische Psychologie. Zu diesem Zweck führen die Psychologen im Wintersemester 2012/13 eine Totalbefragung aller Studierenden der TU Chemnitz in Form einer streng anonymisierten Online-Befragung durch. Die Gesamterhebung umfasst laut Mühlig viele wichtige Funktions- und Störungsbereiche der psychischen Gesundheit. Dazu gehören beispielsweise Allgemeinbefinden, Schmerz, Stimmungsstörungen oder Prüfungsängste. Zudem stellen sie Fragen zur Zufriedenheit mit der Studien- und Lebenssituation und zu sozialen Beziehungen. Insgesamt werden den Studierenden mehr als 100 Fragen gestellt, deren Beantwortung etwa 40 Minuten in Anspruch nimmt. "Diese Totalerhebung an einer Universität erlaubt Auswertungen zu wissenschaftlich hoch relevanten Fragestellungen, über die bislang noch keine Daten vorliegen", sagt Mühlig und nennt dafür mehrere Beispiele: "Wir können die psychische Beanspruchung im Studienverlauf untersuchen, zwischen verschiedenen Studiengängen und -fächern Vergleiche anstellen oder Ressourcen in der Stressbewältigung beleuchten."

Ziel der Studie ist es, systematisch den psychischen Gesundheitszustand in der Studierendenpopulation der TU Chemnitz zu ermitteln. So sollen bisherige Beratungs- und Interventionsangebote zielgerichteter an die Bedürfnisse der Studierenden angepasst werden - zum Beispiel Selbstmanagement-Trainings oder Gruppenangebote zur Stressbewältigung etc. Dabei sollen bereits bestehende Ressourcen der Universität wie die Psychosoziale Beratungsstelle und andere Institutionen der TU, die mit der Beratung von Studierenden betraut sind, systematisch einbezogen werden. Kooperationen bestehen in diesem Rahmen auch mit dem Team des BMBF-Projekts Qualitätspakt Lehre. "Angebote können so langfristig optimiert und kosteneffektiver eingesetzt werden, um die psychische Gesundheit der Studierenden verbessern zu helfen", so Mühlig. Eine optimierte und bedarfsorientierte Beratung und Betreuung der Studierenden könne zudem dazu beitragen, die Abbruchquoten zu senken und die Studiendauer zu reduzieren.

Die Online-Befragung wird deshalb vom Rektorat ausdrücklich unterstützt. Dazu äußert sich Prof. Dr. Christoph Fasbender, Prorektor für Lehre, Studium und Weiterbildung der TU Chemnitz: "Ob die Wissenschaft von heute noch fröhlich ist, wie es Friedrich Nietzsche einst forderte, mögen die Wissenschaftler für sich selbst beantworten. Unstrittig ist, dass die Wissenschaftsvermittlung an Universitäten im Zuge der Bologna-Reform an Fröhlichkeit verloren hat - gleichgültig, ob bloß gefühlt oder ob statistisch belegbar. Viele Studierende diagnostizieren an sich Ängste, Depressionen, Aufmerksamkeits- oder Essstörungen. Dazu passt, dass auch die Beratungseinrichtungen eine erhöhte Nachfrage etwa zu den Themen Prüfungsangst, Suchtverhalten oder Suizid vermelden. Wie soll, wie kann die Universität als Einrichtung auf Szenarien wie diese reagieren? Sie ist gut beraten, ihr Handeln trotz allem nicht an apokalyptischem Wehgeschrei auszurichten, sondern auf die Basis solider Studien zu stellen. Das Rektorat unterstützt daher die Online-Befragung zur psychischen Gesundheit von Studierenden der TU Chemnitz mit Nachdruck. Es erhofft sich nicht nur Fingerzeige für eine Verbesserung der Beratungs- und Betreuungssituation, sondern auch für die notwendige Reform der Bologna-Reform insbesondere im Bachelor-Bereich."

Die Einladung zur Teilnahme an der Befragung wird in diesen Tagen per E-Mail verschickt. Ein Link zur Umfrage findet sich auf der Homepage der Professur für Klinische Psychologie. Die Teilnahme ist freiwillig und anonym. Um Sorgen in Bezug auf Datensicherheit und Anonymität guten Gewissens begegnen zu können, wurde die Umfrage in Zusammenarbeit mit dem Datenschutzbeauftragten der TU Chemnitz entwickelt. Die Ergebnisse der Chemnitzer Untersuchung können von den Psychologen anschließend mit ähnlichen Studien, auch international, verglichen werden.

Weitere Informationen zur Studie erteilt Anja Sehl, Telefon 0371 531-38564, E-Mail anja.sehl@psychologie.tu-chemnitz.de

Mario Steinebach
17.12.2012

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