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Perspektive Personal

Vertreter mehrerer Unternehmen sprachen beim "2. Forum Industrieverein" an der TU Chemnitz über Antworten auf einen zunehmenden Fach-, Führungskräfte- und Nachwuchsmangel

  • Auf dem Podium diskutierten unter Leitung von Freie Presse-Chefredakteur Torsten Kleditzsch (M.) Geschäftsführer und Werkleiter von vier Unternehmen: Dr. Wolfgang Achilles, Gerhard Glanz, Dr. Joachim Zirbs und Dr. Michael Uhlmann (v.l.) Foto: Katharina Thehos

Wie begeistert und gewinnt man Fach-, Führungs- und Nachwuchskräfte? Wie weckt man Leidenschaft für das Unternehmen, den Standort und das Umfeld? Wie, womit und über welche Kanäle positioniert man sich? Um Antworten auf diese Fragen zu finden, eine Plattform des Erfahrungsaustauschs zu schaffen und Lösungen zu erörtern, luden der Industrieverein Sachsen 1828 e. V. und die Freie Presse am 24. März 2011 zum "2. Forum Industrieverein - Perspektive Personal" ein. Im Veranstaltungszentrum "Altes Heizhaus" der Technischen Universität Chemnitz kamen rund 80 Gäste zusammen, darunter zahlreiche Vertreter von Unternehmen aus Chemnitz und der Region.

"Der Fachkräftemangel, über den wir bereits seit zehn Jahren reden, ist in den Unternehmen angekommen", berichtete Dr. Michael Uhlmann (Geschäftsführer der ATB GmbH Chemnitz) in seinem einleitenden Vortrag zum Thema "Unternehmen der Chemnitzer Region - attraktiv für Fachkräfte?". Er wies darauf hin, dass es nach 2011/12 erstmals mehr Renteneintritte als Schulabgänger geben werde und warnte vor einem "ökonomisch-demographischen Teufelskreis": Durch den Mangel an Fachkräften würden Gewinne der Unternehmen und dadurch auch die Gehälter sinken, das führe zur Abwanderung, wodurch die Attraktivität einer Region sinke, was wiederum den Fachkräftemangel begünstige. Um Fachkräfte zu finden, müsse "ein gezieltes Personalmarketing mit vertretbarem Aufwand" betrieben werden. Anknüpfungspunkte dafür sieht er in den Career Services an den sächsischen Hochschulen, die eine "Schnittstelle zwischen Studium und Berufswelt" darstellen.

Anschließend sprachen Ulrich Lingnau (Geschäftsführer der Freien Presse) und Dr. Wolfgang Achilles (Geschäftsführer Jobware Online-Service GmbH) zum Thema "Perspektivlos oder Sprachlos? - Der anderer Weg zu erstklassigem Personal". Lingnau stellte zwei Lösungsansätze dar: Zum einen - und das werde bereits an vielen Stellen betrieben - die Effizienz zu erhöhen, mit weniger Personal mehr zu leisten, auch durch die Automatisierung von Arbeitsschritten. Zum anderen müssten neue Strategien entwickelt werden, um Personal zu finden. "Wir müssen die Köpfe und die Herzen der Menschen erreichen", sagte Lingnau und verwies darauf, dass bis 2025 die Bevölkerung in den Altersgruppen von 25 bis 67 um 15,46 Prozent schrumpfen werde. "Den Mittelstand trifft das zuerst, weil er nicht bekannt ist." Würde man die Chemnitzer Studenten nach den zehn bekanntesten Unternehmen der Region befragen, es wären wohl hauptsächlich die großen Unternehmen, die genannt würden, vermutete Lingnau und betonte: "Bekanntheit ist nichts, was schadet. Wir müssen unsere Perspektive selbst in die Hand nehmen. Der Ruf von Chemnitz ist schlecht - und das unberechtigter Weise."

Die bisher weit verbreiteten Instrumente des "Personalmarketing 1.0" stellte er in einer SMS-Abstimmung unter den anwesenden Unternehmensvertretern in Frage. Ergebnis: 36 Prozent der Antwortenden nutzen selbst hauptsächlich Print- und Onlineanzeigen, 34 Prozent arbeiten vor allem über Schul- und Hochschulkontakte, 18 Prozent sehen Praktika als wichtigstes Instrument. Nur wenige Stimmen entfielen auf Mitarbeiterempfehlung, auf die Arbeitsagentur und auf Karriere-Webseiten. Achilles stellte darauf aufbauend die Blickwinkel des "Personalmarketing 2.0" vor - die Arbeitgeber müssten stärker als bisher die Bedürfnisse der Zielgruppe im Auge haben und sich um die Bedürfnisse der Kandidaten kümmern.

Bei einer anschließenden Podiumsdiskussion stellten sich vier Unternehmensvertreter den Fragen von Moderator Torsten Kleditzsch, Chefredakteur der Freien Presse: Neben Achilles und Uhlmann waren Gerhard Glanz (Geschäftsführer UNION Werkzeugmaschinen GmbH) und Dr. Joachim Zirbs (Werkleiter Continental Automotive GmbH) vertreten. "Wir müssen eine geeinte starke Front gegen das Problem aufbauen und Chemnitz als lebenswerten Lebensraum bewerben", rief Glanz auf. Finanzielle Mittel dazu könnten aus der Wirtschaft, aus dem Bildungstopf und von der Stadt Chemnitz kommen. Er betonte: "Chemnitz ist lebenswert, es weiß nur niemand."

Achilles wies darauf hin, dass große Unternehmen häufig mit dem Bachelor-Abschluss wenig anfangen könnten. Sie fänden entsprechende Absolventen zu jung und unerfahren und würden empfehlen, erstmal ein Master-Studium zu absolvieren - das sei eine Chance für kleine und mittlere Unternehmen, sich Absolventen frühzeitig zu sichern. Zudem gelte es, Studenten nach ihrem Abschluss in der Region zu halten. "Dafür muss man ihnen interessante Positionen bieten", sagte er und empfahl, durch gemeinsame Projekte mit Universitäten bereits frühzeitig in Kontakt mit den Studierenden zu treten - dies könnten Praktika und Abschlussarbeiten, aber auch Drittmittelprojekte in der Forschung sein. Studenten seien "risikoavers" - wer ihnen "einen sicheren Hafen nach dem Studienabschluss" biete, habe gute Chancen, Mitarbeiter zu gewinnen. Dass der Weg über die Hochschulen empfehlenswert sei, bestätigte auch Zirbs. Sein Unternehmen trete zwar bereits mit Schulen in Kontakt, versuche aber auch durch Projekte mit der TU Chemnitz eine Mund-zu-Mund-Propaganda auszulösen. "Unsere Ingenieure kommen zu 90 Prozent aus der Region", so Zirbs.

Prof. Dr. Reinhard Erfurth, der für den Industrieverein die Begrüßung und die Schussworte übernahm, fasste zusammen: "Es ist alternativloses Handeln angesagt. Wir müssen gemeinsam an einer Allianz in der Region arbeiten und dabei auch einzelne Eitelkeiten zurückstecken. Wir müssen intensiv beraten, was Bindungsfaktoren sind und sollten über Wirtschaftsförderung nur dann jammern, wenn wir es selber besser machen. Und wir dürfen nicht aus dem Blick verlieren, dass es nicht nur um den wissenschaftlichen Nachwuchs geht. Es geht um Fachkräfte - wir brauchen Leute, die Wissen umsetzen können."

Katharina Thehos
25.03.2011

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