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"Nächstes Jahr werden wir Erster!"

Carina Gerlach studiert Wirtschaftsingenieurwesen und sitzt für Fortis Saxonia am Steuer des Sax 3

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Mit dem Sax 2 hat Carina Gerlach ihre Karriere als Fahrerin bei Fortis Saxonia begonnen - in diesem Jahr steuerte sie Nachfolger Sax 3 über den Nogaro-Ring. Foto: Sven Gleisberg

Mit einem Pick-up fährt Carina Gerlach jeden Morgen zur Uni. "Der ist nicht ganz so sparsam wie Sax 3", konstatiert sie lachend. Um diesen Scherz zu verstehen, muss man wissen, dass Sax 3 ein leichtes, energiesparendes Fahrzeug ist, das von einer Brennstoffzelle angetrieben wird. Entwickelt wurde es von Fortis Saxonia, einem studentischen Forschungsprojekt der TU Chemnitz, das sich aus Studenten verschiedener Fakultäten und Kommilitonen der Hochschule Mittweida zusammensetzt. Gerlach ist Fahrerin des Teams Fortis Saxonia. Und saß im Mai beim diesjährigen Shell Eco-marathon hinter dem Steuer von Sax 3, als mit einem Crash der Traum vom Sieg zerplatzte.

Beim Shell Eco-marathon, einem Wettkampf, der jährlich vom Mineralölkonzern Shell veranstaltet wird, geht es darum, mit möglichst wenig Energie eine möglichst große Strecke zurückzulegen. Alle teilnehmenden Fahrzeuge müssen eine Strecke von 25 Kilometern absolvieren. Anschließend wird hochgerechnet, wie viele Liter Super-Benzin der Energiemenge des verbrauchten Treibstoffs entsprechen. Das Rennen wurde bislang in Nogaro, im Süden Frankreichs, ausgetragen und wird ab 2009 auf dem Lausitzring stattfinden. Das Team Fortis Saxonia ist mit Sax 3 in der Kategorie "Antrieb durch Wasserstoff" angetreten. Doch die Startbedingungen waren in diesem Jahr alles andere als rosig und so kam es bereits im ersten von vier Wertungsläufen zu einem Unfall. Carina Gerlach erinnert sich: "Das schlechte Wetter und die nasse Fahrbahn waren der Grund, dass gleich mehrere Fahrzeuge in der ersten Kurve gecrasht sind. Sax 3 war leider auch dabei. Wir hatten keine Zeit für einen Testlauf vorm Rennen, sonst hätten wir das verhindern können." Zum Glück ist Gerlach lediglich mit ein paar blauen Flecken aus dem Cockpit gestiegen: "Alles halb so wild, die Fahrzeuge sind ja so konzipiert, dass nichts passieren kann, wenn’s mal kracht." Immerhin habe sich allen verdeutlicht, dass die sehr strengen Sicherheitsbestimmungen, die Shell bei der Konstruktion der Fahrzeuge vorgibt, durchaus ihre Berechtigung haben.

Mit 50 Kilo Körpergewicht, verteilt auf knapp 1,60 Meter Körpergröße, entspricht Carina dem zierlichen Ideal einer Ecocar-Pilotin: "Ich wurde Anfang letzten Jahres von Friedrich Baumann von Fortis Saxonia angesprochen, ob ich nicht Lust hätte bei denen einzusteigen, weil sie jemanden von meiner Statur als Fahrer suchten. Da hab ich sofort ja gesagt." 2007 war Carina noch Zweitfahrerin. Sie ist einige Testrunden und den ersten Wertungslauf in Nogaro gefahren. Das Team belegte damals mit dem Vorgängermodell Sax 2 den fünften Platz. Ein schöner Erfolg. "Zum Glück hatten wir Sax 2 dieses Jahr wieder mitgenommen nach Frankreich", erzählt Carina Gerlach, "so konnten wir nach dem Unfall die kaputte Vorderradaufhängung austauschen." Für eine Platzierung hat es dann aber nicht mehr gereicht. Doch das sei nicht weiter tragisch, meint Gerlach, denn beim Shell Eco-marathon gebe es kein Konkurrenzverhalten zwischen den Teams, vielmehr gegenseitige Unterstützung und Teamgeist: "Wenn einer die Luftpumpe vergessen hat, dann kommt er rüber und leiht sich eine aus, das ist ganz selbstverständlich", berichtet Gerlach. Und sie fügt hinzu: "Okay, ein wenig enttäuscht waren wir schon, dass wir keine Platzierung hatten, aber abends haben wir mit dem Team aus Trier, das den fünften Platz hatte, gefeiert, als hätten wir selbst gewonnen."

Nach einer Prognose fürs nächste Jahr gefragt, kommt Carina Gerlachs Antwort prompt: "2009 werden wir Erster!" Daran besteht für sie offenbar kein Zweifel. Erst nach einer Pause fügt sie hinzu: "Jedenfalls hat Sax 3 das Potential, um zu gewinnen." 2009 wird ihr letztes Jahr als Fahrerin sein, weil sie ihr Studium, Wirtschaftsingenieurwesen mit Fachrichtung Elektrotechnik, Ende nächsten Jahres abschließen wird und nur immatrikulierte Studenten als Fahrer zugelassen werden. Deswegen sucht man bei Fortis Saxonia bereits jetzt dringend ein bis zwei Nachfolger, da diese rechtzeitig angelernt werden müssen. "Ein bisschen technisches Verständnis wäre nicht schlecht", erläutert Gerlach die Auswahlkriterien, "aber am wichtigsten sind die Größe und das Gewicht. 1,60 Meter ist optimal und nicht viel mehr als 50 Kilo sollte man wiegen. Viel weniger allerdings auch nicht, sonst bekommt man bei den Rennen zusätzliche Gewichte ins Fahrzeug gelegt." Fahrerfahrung sei keine Voraussetzung: "Als ich damals angefangen habe, war ich noch in der Führerschein-Probezeit", erinnert sich Gerlach lachend. Sie sei zwar schon immer gern Go-Kart gefahren, könne das auch recht gut, aber eine Bedingung, um den Sax zu steuern, sei das nicht. In den vergangenen Monaten habe sie für derlei Aktivitäten wegen der intensiven Arbeit bei Fortis Saxonia auch gar keine Zeit gehabt. Judo, ein weiteres Hobby, sei ebenfalls auf der Strecke geblieben. Zum Glück muss Gerlach keinen Sport treiben, um ihr ideales Fahrerinnen-Gewicht zu halten; sie ist von Natur aus sehr schlank.

(Autorin: Juliane Bergelt)

Katharina Thehos
22.07.2008

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