TU Chemnitz schließt Kooperationsreihe zur Q’ero-Nation aus Peru erfolgreich ab
Studierende vertieften mit einer Veranstaltungsreihe zur Q’ero-Nation aus den peruanischen Anden ihre kritische Interkulturalität und standen im Dialog mit indigenen Vertreterinnen und Vertretern
-
Videokonferenz mit Frauen aus der Q’ero-Nation (rechtes Bild auf der Leinwand), die sich in Cusco (Peru) befinden, während Studierende sowie Vertreterinnen und Vertreter der Organisation Noqanchis – Zusammenstehen e. V. in Chemnitz teilnehmen. Foto: Yolanda López García
Die Juniorprofessur „Interkulturelle Praxis mit dem Schwerpunkt Digitale Kulturen“ (Leitung: Jun.-Prof. Dr. Yolanda López García) an der Technischen Universität Chemnitz bot im Sommersemester 2026 mit einer Veranstaltungsreihe zur Q’ero-Nation aus den peruanischen Anden neue Einblicke in andine Philosophie und indigene Wissensformen. Im Rahmen der Lehrveranstaltung „Kritische Interkulturelle Kompetenz“ kamen Studierende, Vertreterinnen und Vertreter der Q’ero-Gemeinschaft sowie zivilgesellschaftliche Akteurinnen und Akteure miteinander ins Gespräch. Mit einer vierten, vertiefenden Sitzung für Studierende ist die Reihe nun erfolgreich zu Ende gegangen. Organisiert wurde die Kooperationsreihe von Jun.-Prof. Dr. Yolanda López García in Kooperation mit den beiden gemeinnützige Vereinen Noqanchis – Zusammenstehen e. V. und dem Eine Welt Netzwerk Thüringen e. V. (EWNT).
Den Auftakt der Reihe bildete am 21. Mai 2026 ein Gespräch mit Yenny Jara-Ramerth, der 1. Vorsitzenden, und Josef Ramerth, Mitglied von Noqanchis – Zusammenstehen e. V. Gemeinsam mit den Teilnehmenden diskutierten sie grundlegende Aspekte andiner Philosophie, interkulturelle Begegnungen und Perspektiven des globalen Lernens. Ein weiterer Höhepunkt war der Besuch von Wenceslao Quispe, einem Vertreter der Q’ero-Nation aus den peruanischen Anden, der am 11. Juni 2026 Einblicke in indigene Formen von Führung, die Bedeutung von Territorium und Kultur sowie aktuelle Herausforderungen indigener Gemeinschaften gab.
Den Abschluss des öffentlichen Teils der Kooperationsreihe bildete eine Videokonferenz am 9. Juli 2026, in deren Mittelpunkt Perspektiven von Frauen aus der Q’ero-Nation standen. Im Fokus standen dabei ihre alltäglichen Praktiken als Alpakazüchterinnen. Sie berichteten über ihre Arbeit mit der Wolle, über Formen gemeinschaftlicher Organisation und über ihre Erfahrungen und Vorstellungen im Bildungsbereich. Dabei brachten sie nicht nur ihre eigenen Lebensrealitäten ein, sondern stellten auch neugierige Fragen an die Studierenden der TU Chemnitz. So konnte ein erstes Kennenlernen im Dialog und ein Austausch auf Augenhöhe entstehen. An der Session nahmen Rufina Zamata, Carolina Apaza, Reina Apaza und Rosa Quispe aus der Gemeinde Qoluyo teil. Sie sprachen Spanisch und Quechua über ihren Alltag und ihre Perspektiven. Unterstützt wurden sie von Luisa Ccahua und Marco Rios, die aus dem Quechua übersetzten, sowie von Yenny Ramerth, die zwischen Spanisch und Deutsch vermittelte.
In einer vierten, nicht-öffentlichen Sitzung interviewten die Studierenden Yenny und Josef Ramerth von Noqanchis – Zusammenstehen e. V., um mehr über die Organisationsstruktur und die Arbeit einer Nichtregierungsorganisation zu erfahren. Dabei setzten sie sich mit Praktiken der Entwicklungszusammenarbeit auseinander und reflektierten diese aus einer dekolonialen Perspektive, um Ambivalenzen und Machtasymmetrien sichtbar zu machen. In weiteren Sitzungen analysierten die Studierenden anschließend unterschiedliche Aspekte der Q’ero-Nation, die sie in den vorangegangenen Veranstaltungen kennengelernt hatten, und setzten diese mit den behandelten Theorien zu kritischer Interkulturalität, Kolonialität der Macht und sozialen Imaginationen in Beziehung – während der Sitzungen selbst, in einem begleitenden Portfolio sowie in einer abschließenden Debatte.
Brücke zwischen Theorie, Praxis und Zusammenarbeit
Die Veranstaltungsreihe knüpft an das Profil der Juniorprofessur „Interkulturelle Praxis mit dem Schwerpunkt Digitale Kulturen“ an. Diese verankert kritische Interkulturalität, Dekolonialität und postdigitale Perspektiven systematisch in Forschung und Lehre. In diesem Rahmen werden praktische Formate erprobt, in denen Studierende theoretische Ansätze mit gesellschaftlicher Praxis, zivilgesellschaftlichen Akteurinnen und Akteure und nicht-westlichen Wissensformen verknüpfen. Die Kooperation mit den Vereinen Noqanchis – Zusammenstehen e. V. und dem Eine Welt Netzwerk Thüringen e. V. soll perspektivisch weitergeführt werden, um auch künftig Räume für dialogische, machtkritische und transnationale Lernprozesse zu eröffnen. Die Reihe steht zudem im Kontext der Arbeit des Fachgebiets Interkulturelle Kommunikation mit dem Ziel, kritische Perspektiven auf Kultur, Migration und globale Verflechtungen in Studium und Lehre zu stärken.
Weitere Informationen erteilt Jun.-Prof. Dr. Yolanda López García, Juniorprofessur Interkulturelle Praxis mit dem Schwerpunkt Digitale Kulturen, E-Mail Yolanda.lopez@phil.tu-chemnitz.de.
Anne Eichhorn
21.07.2026