Neuer E-Learning-Kurs zur KI-gestützten Literaturrecherche ist online
„Familienzuwachs“ in der Universitätsbibliothek der TU Chemnitz: Die beiden Kurse LENA und MIKA erhalten das „Geschwisterkind“ LOKI, das ein umfassendes Verständnis für die Nutzung von KI-Werkzeugen in der wissenschaftlichen Literatursuche vermittelt
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Lehramstsstudentin Frederike Pötzsch mit den von ihr erschaffenen Figuren LOKI (v. l.), LENA und MIKA im Lesesaal der Universitätsbibliothek. Fotografik: Tino Riedel/Frederike Pötzsch
Nachdem die Universitätsbibliothek der Technischen Universität vor einiger Zeit bereits das E-Learning-Modul „Literatur ermitteln, navigieren, analysieren“ (LENA) für Schülerinnen und Schüler entwickelte und kurz darauf der Online-Kurs MIKA (Modulkurs zur InformationsKompetenz und zum wissenschaftlichen Arbeiten) für Studierende entstand, folgt nun LOKI (Literaturrecherche Online mit KI-Unterstützung). Dabei handelt es sich um ein Online-Format, das über die den Studierenden bekannte Lernplattform OPAL zugänglich ist.
„Ausgangspunkt unserer Informationskompetenz-Familie ist die verständliche und praxisnahe Vermittlung von Wissen zu Literaturrecherche und zu den Prinzipien guter wissenschaftlicher Praxis. Dabei legt jedes Angebot zwar den Fokus auf Vermittlung von Informationskompetenz, setzt aber jeweils einen anderen Schwerpunkt und berücksichtigt die Ausgangssituation und Bedarfe der jeweiligen Zielgruppe“, sagt Carolin Zapke, die in der Universitätsbibliothek nicht nur die Aktivitäten zur Vermittlung von Informationskompetenz koordiniert, sondern auch im Open Science Team der Bibliothek das Thema Open Educational Resources vertritt. LOKI sei unter dem Credo der openness entwickelt worden, der Kurs richte sich dementsprechend an ein breites Publikum. „Neben Studierenden und Mitarbeitenden der Universität steht er auch Schülerinnen und Schülern, Berufstätigen sowie Laien offen“, so Zapke. Wahlweise kann über die TUCacademy teilgenommen und nach erfolgreicher Prüfung ein Zertifikat sowie ein ECTS-Punkt erworben werden. Auf diese Weise wird ein niedrigschwelliger Zugang zu aktuellen Themen der KI-gestützten Recherche ermöglicht.
Inhaltlich vermittelt der Kurs ein umfassendes Verständnis für die Nutzung von KI-Werkzeugen in der wissenschaftlichen Literaturrecherche. Beginnend mit den Grundlagen der Recherche werden zunächst mithilfe von MIKA systematisch Methoden zur Informationsbeschaffung behandelt. Anschließend widmet sich der Kurs den Risiken und Herausforderungen, die mit dem Einsatz von KI-Tools einhergehen, etwa Verzerrungen in Daten oder ethische Fragestellungen. Ein zentraler Schwerpunkt liegt auf der KI-gestützten Literaturrecherche: „Teilnehmende lernen die Möglichkeiten und Grenzen des Einsatzes von Chatbots, von speziell entwickelten Rechercheassistenten sowie KI-Funktionen in Fachdatenbanken kennen. Bei der Auswahl der KI-Werkzeuge wurde besonderer Wert auf Datenschutz, Verfügbarkeit und möglichst weitgehende Funktionalitäten in der kostenlosen Version gelegt“, sagt Zapke. Tools, zu denen es an der TUC keine Lizenz gibt, wurden ausgeschlossen. Ein weiteres Modul befasst sich mit der Dokumentation und Zitierung KI-generierter Inhalte, um Transparenz und wissenschaftliche Integrität zu gewährleisten.
Zapke hebt hervor, dass die Wissensvermittlung im E-Learning-Kurs über eine Vielfalt an Formaten erfolgt. „Auf diese Weise sollen unterschiedliche Lernstile angesprochen werden. Neben Lektüren und Erklärvideos kommen interaktive Elemente wie Quizfragen, Lernkarten und Lückentexte zum Einsatz. Ein Podcast vertieft das Thema, während Fallbeispiele und Hands-On Trainings die Anwendung des Gelernten in der Praxis unterstützen sollen.“
Der Kurs orientiert sich dabei an international anerkannten Kompetenzrahmen. So fließen Elemente des Future Skills 2030-Modells ein – von digitaler Kompetenz über AI Literacy bis hin zu ethischem Denken. Auch der UNESCO-Rahmen für KI-Kompetenzen war bei der Konzipierung wichtig: es werden die Bereiche „Human-Centered Mindset“, „Ethics of AI“ und „AI Techniques and Applications“ abgedeckt.
„Mit einem Umfang von 30 Arbeitsstunden, was einem ECTS-Punkt entspricht, ist der Kurs kompakt, aber umfassend gestaltet. Um ein Zertifikat der TUCacademy zu erhalten, müssen Teilnehmende den Abschlusstest bestehen, der aus Single- und Multiple-Choice-Fragen besteht. Hierfür sind mindestens 50 Prozent richtige Antworten erforderlich. Alle Übungen und Quizfragen im Kurs dienen hingegen ausschließlich der Wissensfestigung und werden nicht bewertet“, erläutert Zapke weiter.
Der Kurs zur KI-gestützten Literaturrecherche wurde von Mitarbeitenden der Universitätsbibliothek für die TUCacademy und in Abstimmung mit der AG Informationskompetenz der sächsischen Hochschulbibliotheken entwickelt. Die Chemnitzer Lehramtsstudentin Frederike Pötzsch übernahm die grafische Gestaltung der Figur LOKI. Sie hatte zuvor bereits den beiden „Geschwistern“ LENA und MIKA ein Gesicht gegeben. Eine Übersetzung des LOKI-Kurses ins Englische ist geplant, ebenso laufende Aktualisierungen, um der Schnelllebigkeit des Themas Rechnung zu tragen.
Carolin Zapke und die Mitarbeitenden der Universitätsbibliothek freuen sich über Feedback zum Kurs, sowohl inhaltlich als auch zum Nutzungserlebnis. Kontakt: ik@bibliothek.tu-chemnitz.de
Mario Steinebach
29.06.2026