„Ich würde genau diesen Weg wieder gehen“
TUC-Absolvent David Schreiter entschied sich für ein Studium in seiner Heimat – Heute ist er Geschäftsführer der autodeltass GmbH in Hainichen
Herr Schreiter, können Sie sich kurz vorstellen?
Ich bin 1982 in Chemnitz, damals noch Karl-Marx-Stadt, geboren, bin seit 17 Jahren mit meiner Partnerin liiert und wir haben zwei Kinder im Alter von zehn und 14 Jahren. Wir wohnen in Lichtenau bei Chemnitz. Als große Leidenschaft begleitet mich im Allgemeinen der Sport und insbesondere der Fußball seit meiner Kindheit. Ich bin in Chemnitz zur Schule gegangen und habe unmittelbar nach meiner Grundwehrdienstzeit im Jahr 2001 das Studium begonnen. Nach dem erfolgreichen Abschluss fand ich auch hier in Chemnitz den Einstieg ins Berufsleben.
Was war der ausschlaggebende Grund für die Studienwahl an der TU Chemnitz?
Ich hatte schon während meiner Abiturzeit das Ziel, Sport zu studieren. Ein reines Sportwissenschaftsstudium war mir jedoch zu riskant, daher war ich auf der Suche nach einem Studiengang, der Technik und Sport verbindet. Zum damaligen Zeitpunkt ist an der TU Chemnitz sowie in Magdeburg der neue Studiengang „Sportgerätetechnik“ aufgelegt worden – in Chemnitz im Rahmen des Magisterstudiums und in Magdeburg als Diplomstudiengang. Die Entscheidung fiel letztlich aufgrund der Verbundenheit zur Heimat für Chemnitz.
An was erinnern Sie sich gern zurück, wenn Sie an Ihre Studienzeit in Chemnitz denken?
Während der Schulzeit wurde ich von meiner Familie immer wieder ermahnt, dass ich die Schulzeit genießen solle, da dies die schönste Zeit im Leben sei. Ich kann dies nicht vollumfänglich bestätigen. Für mich war die Studienzeit ein noch prägenderer und intensiverer Lebensabschnitt. Eine hochmoderne Universität mit neuer Mensa, zahlreiche Veranstaltungen, darunter Parties, sowie aufgrund des fakultätsübergreifenden Studiengangs immer wieder neue Kontakte zu Studierenden haben diese Zeit geprägt sowie interessant und spannend gemacht.
Können Sie besondere Meilensteine im Laufe Ihres Studiums benennen, die Einfluss auf Ihren weiteren Werdegang hatten?
Einen konkreten Meilenstein kann ich nicht nennen. Es war ein Prozess über einen längeren Zeitraum an dessen Ende mir bewusste wurde, dass der Berufseinstieg im Bereich der Sportgeräteentwicklung, insbesondere mit dem Ziel der Laufschuhforschung, nicht einfach werden würde.
Nach Ihrem Studium sind Sie in der Region geblieben und haben 2011 die Firma autodeltass GmbH gegründet. Wie kam es zur Unternehmensgründung und können Sie einen kurzen Abriss der Firmenentwicklung geben?
Während ich 2008 ein Praktikum im Bereich der mechanischen Konstruktion bei meinem ersten Arbeitgeber euro engineering AG absolviert habe, kam man auf mich zu und sprach mit mir über eine Stelle als Vertriebsingenieur, jedoch im Bereich der Automatisierungstechnik. Da mir in diesem Zusammenhang ein Trainee-Programm angeboten wurde und ich schon während des Studiums zahlreichen Nebentätigkeiten mit Kundenkontakt nachgegangen bin, entschied ich mich dafür, diesen Weg einzuschlagen. Im Laufe der Zeit kamen mein damaliger Chef und heutiger Geschäftspartner und ich ins Gespräch mit der Idee, perspektivisch etwas Eigenes aufzubauen und gewisse Dinge selber in der Hand zu haben. Wir wollten ein etwas anderes Geschäftsmodell anbieten. 2011 war es dann soweit und autodeltass wurde in Chemnitz gegründet. Nach circa zwei Jahren und mit knapp 20 Mitarbeitenden bot sich der Kauf eines eigenen Firmengebäudes in Hainichen an. Ende 2013 sind wir dann umgezogen, derzeit sind wir fast 40 Mitarbeitende und haben das Gelände 2019 durch den Zukauf einer Montagehalle inklusive Garagenkomplex erweitert. Mittlerweile sind wir nicht mehr nur im Bereich des klassischen Maschinenbaus – also Automobilindustrie, Fördertechnik, Lebensmittel – tätig, sondern haben es aufgrund der Integration eines Unternehmens in die autodeltass GmbH im Jahr 2016 geschafft, ein zweites Standbein im Bereich der kritischen Infrastruktur, insbesondere auf den Gebieten Wasser und Abwasser, aufzubauen.
Gab es auf Ihrem Karriereweg auch Misserfolge oder den Wunsch, vielleicht doch einen anderen Weg zu gehen?
Ja, definitiv. Misserfolge, in unserem Fall missglückte und nicht erfolgreich umgesetzte Projekte, gehören zur Historie einer Firma, welche mittlerweile fast 15 Jahren am Markt aktiv ist, dazu. Hinzu kommen äußere Einflüsse, wie zum Beispiel die Coronapandemie, aber auch die geopolitischen Spannungen, welche eine mittelständige Firma unserer Größe immer wieder vor neue Herausforderungen stellen. Sicherlich gibt es hier und da auch Momente, in denen man hinterfragt, ob der eingeschlagene Weg noch der richtige Weg ist. Aber mit einem Blick zurück auf das, was seit 2011 entstanden ist und erreicht wurde, richtet sich der Blick dann sehr schnell wieder nach vorn.
Was war Ihr bisher größter Erfolg?
Es wäre falsch, dies nur an einem Ereignis fest zu machen. Hier spielen viele private und berufliche Meilensteine im Laufe meines Lebens eine bedeutende Rolle, welche letztlich auch zusammenhängen. Aus rein beruflicher Sicht ist aber sicherlich unser 15-jähriges Jubiläum der autodeltass GmbH im September dieses Jahres als größter Erfolg einzuordnen.
Wofür begeistern Sie sich privat am meisten? Was war Ihr letztes großes Vorhaben?
Privat begeistert mich nach wie vor der Sport, auch wenn ich mein Studium leider nicht zum Beruf machen konnte. Mein letztes großes Vorhaben, welches ich auch erfolgreich umsetzen konnte, war die Besteigung des Großglockners im Mai 2025.
Sie sind Familienvater und auch auf lokaler Ebene vielseitig engagiert. Wie bekommen Sie Arbeit und Privatleben gut unter einen Hut?
Das ist sicherlich eine Herausforderung, wobei ich dies zeitlich noch ganz gut organisiert bekomme. Mit dem entsprechenden Rückhalt meiner Familie sowie den mittlerweile im Unternehmen geschaffenen Strukturen findet sich meist die passende Lösung. Da beide Kinder in Sportvereinen aktiv sind und dies auch nur aufgrund des Ehrenamts angeboten werden kann, ist es für mich auch eine große Freude, Kindern und Jugendlichen als Nachwuchstrainer im örtlichen Fußballverein genau dies zu ermöglichen. Die größere Herausforderung, eine gute Balance zwischen Arbeits- und Privatleben zu haben, ist es jedoch, die beruflichen Themen und Problemstellungen nicht mit nach Hause zu nehmen. Das gelingt mir leider nicht immer.
Würden Sie heute einen anderen Weg einschlagen, wenn Sie noch einmal die Wahl hätten?
Nein. Ich würde genau diesen Weg wieder gehen.
Welche Tipps haben Sie für junge Absolventinnen und Absolventen für den Berufseinstieg?
Aus meiner Erfahrung kann ich empfehlen, schon frühzeitig während des Studiums mittels mehrerer Praktika oder im Rahmen von Werkstudententätigkeiten für sich selber herauszufinden, was einem mehr oder weniger liegt. Ich konnte beide Erfahrungen machen und somit das ein oder andere im Vorfeld ausschließen. Mit Blick auf meinen beruflichen Werdegang und in Anbetracht der Tatsache, dass die moderne Arbeitswelt mittlerweile so vielfältig und vielschichtig ist, bedarf es aber manchmal auch einer mutigen Entscheidung, vor allem wenn man sich dabei auf etwas ganz Neues einlassen muss.
(Die Fragen stellte Stephanie Höber, Alumni-Koordinatorin der TU Chemnitz.)
Mario Steinebach
22.06.2026