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Sprachliche Herausforderungen von Internationals sind keine Schwächen, sondern Teil ihrer Persönlichkeit

Amani Schneider ist Absolventin der TU Chemnitz und arbeitet als Fachberaterin für Unternehmen in der Region Chemnitz, um für das Thema Inklusion zu sensibilisieren.

  • Eine junge Frau steht vor einer großen Büste.
    Für ihr Studium der Politikwissenschaft kam Amani Schneider 2018 an die TU Chemnitz und lebt seither mit ihrer Familie in Chemnitz. Im Interview berichtet sie von ihrer Studienzeit, den vielen Begegnungen, aber auch von anfänglichen Hürden. Foto: privat

Frau Schneider, wie würden Sie sich in wenigen Sätzen selbst beschreiben?

Ich komme aus Libyen und bin in der Hauptstadt Tripolis geboren und aufgewachsen. Als Studentin bin ich 2018 für mein Studium nach Chemnitz gezogen. Seitdem lebe ich hier. Ich bin eine weltoffene Person, die sich sehr für Kultur und Natur begeistert, deshalb verbringe ich meine Freizeit am liebsten mit beidem.

Was hat Sie nach Chemnitz geführt? Was war der ausschlaggebende Grund für ein Studium an der TU Chemnitz?

Ich habe an der TU Chemnitz Politikwissenschaft studiert. Neben der Studienwahl war für mich die Kostenfrage ein entscheidender Faktor. Ich musste mein Studium selbst finanzieren und wusste, dass man in Chemnitz als Studentin vergleichsweise gut und bezahlbar leben und studieren kann. Das hat meine Entscheidung maßgeblich beeinflusst.

Was verbinden Sie mit Chemnitz und der TU? An welchen Moment oder welche Begebenheit aus Ihrer Studienzeit erinnern Sie sich besonders gern?

Ich erinnere mich besonders gern an die ersten Tage meines Studiums – vor allem an die große Immatrikulations- und Auftaktfeier sowie an die Veranstaltungen, die danach für Erstsemester angeboten wurden. Dort konnte ich direkt Kontakte knüpfen, aus denen bis heute echte Freundschaften entstanden sind. Außerdem hat man einen sehr guten Überblick über das Studium und das studentische Leben in Chemnitz bekommen – inklusive der wichtigsten Orte und „Hotspots“ der Stadt.
Mit Chemnitz verbinde ich auch sehr stark das Kulturhauptstadt-Jahr 2025. Ich habe die Entwicklungen der Stadt mit großer Begeisterung verfolgt. Besonders beeindruckend war für mich das Kosmos-Festival: Beim ersten Mal war ich einfach Besucherin, beim zweiten Mal durfte ich im Rahmen meiner Arbeit sogar an der Organisation einer Podiumsdiskussion mitwirken. Das war eine sehr prägende und schöne Erfahrung.

Würden Sie rückblickend noch einmal dasselbe Studium wählen? Warum oder warum nicht?

Ja, ich würde mich definitiv wieder für das Studium der Politikwissenschaft entscheiden. Auch wenn ich heute nicht direkt politisch tätig bin, habe ich während des Studiums wichtige Fähigkeiten gelernt – zum Beispiel, wie man komplexe Themen analysiert und verständlich vermittelt. Gerade Präsentationen waren anfangs eine große Herausforderung für mich, aber ich konnte mich darin stark weiterentwickeln. Diese Kompetenzen helfen mir heute sehr in meinem Beruf – sowohl früher imMigrationsbereich als auch jetzt im Bereich der Inklusion und Arbeit.

Gab es während Ihres Studiums auch schwierige Situationen oder Hürden, die Sie überwinden mussten?

Eine der größten Herausforderungen für mich war der fehlende Austausch mit anderen Studierenden in einer ähnlichen Situation. Zwar gibt es viele internationale Studierende an der TU Chemnitz, doch nur wenige von ihnen studieren auf Deutsch. Gerade in sozialwissenschaftlichen Studiengängen ist der Anteil an Studierenden mit Deutsch als Fremdsprache sehr gering. Dadurch habe ich mich manchmal allein gefühlt und mir sehr gewünscht, mehr Unterstützung und Möglichkeiten zur Vernetzung zu haben. Hinzu kamen die sprachlichen Hürden, die meinen Studienalltag zusätzlich erschwert haben. Für das Lesen und Verstehen von Texten sowie für Prüfungen und Hausarbeiten habe ich oft deutlich mehr Zeit gebraucht, was nicht nur anstrengend, sondern manchmal auch frustrierend war. Trotzdem habe ich versucht, mich Schritt für Schritt daran anzupassen und damit umzugehen.

Aktuell arbeiten Sie als Fachberaterin bei der EAA. Wofür steht diese Abkürzung und wie sieht Ihr Arbeitsalltag konkret aus?

EAA steht für „Einheitliche Ansprechstellen für Arbeitgeber“. Diese wurden 2022 gesetzlich im SGB IX eingeführt, um Unternehmen bei der Einstellung und Beschäftigung von Menschen mit Behinderung zu unterstützen. Die Stellen sind bei den Integrationsämtern angesiedelt und bundesweit tätig. Mein Arbeitsalltag besteht darin, Unternehmen in der Region Chemnitz zum Thema Inklusion zu beraten und zu sensibilisieren. Ich organisiere Informationsveranstaltungen – sowohl online als auch vor Ort – und biete individuelle Beratungen an.

Das klingt abwechslungsreich und spannend!

Ja, besonders interessant finde ich dabei die Einblicke in Unternehmen, die sehr wirtschaftlich orientiert sind und gleichzeitig soziale Angebote umsetzen und Vielfalt fördern. Dabei sehe ich mich als Schnittstelle zwischen Wirtschaft und sozialen Themen.

Und wie gestaltet Sie Ihre Freizeit als Ausgleich zum Beruf? Welche privaten Aktivitäten haben für Sie derzeit die größte Bedeutung?

Da ich Mutter von zwei Kindern bin, steht meine Familie für mich ganz klar an erster Stelle. Wir sind viel draußen unterwegs, verbringen Zeit in der Natur und gehen auch gerne ins Museum oder auf den Spielplatz. Wenn dann noch Zeit bleibt, treffe ich mich gerne mit Freunden. Ich bin ein sehr geselliger Mensch und da mein Freundeskreis ziemlich vielfältig ist, organisiere ich auch gerne mal gemeinsame Abende – zum Beispiel Dinner-Runden. Ich koche gern und genieße dabei vor allem den Austausch und das Zusammensein.

Welche Ratschläge würden Sie Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteigern mit auf den Weg geben?

Mein wichtigster Rat ist: Seid offen und probiert Dinge aus – besonders bei Studiengängen, bei denen der spätere Berufsweg nicht immer klar vorgegeben ist! Oft weiß man am Anfang noch nicht genau, wohin die Reise gehen soll. Durch Ausprobieren findet man heraus, was einem wirklich liegt und was nicht. Ganz besonders möchte ich Menschen mit Migrationshintergrund ermutigen: Traut euch! Auch wenn am Anfang vieles kompliziert erscheint – Fleiß und Durchhaltevermögen zahlen sich aus. Seht eure sprachlichen Herausforderungen nicht als Schwäche, sondern als Teil eurer Persönlichkeit. Eure Art zu sprechen ist kein Hindernis, sondern kann auch eure Stärke und euer Markenzeichen sein.

(Die Fragen stellte Stephanie Höber, Alumni-Koordinatorin der TU Chemnitz.)

Mario Steinebach
29.05.2026

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