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Intelligente Kartierung für eine inklusive Stadt

Professur Mensch und Technik der TU Chemnitz entwickelt eine digitale Lösung, die Menschen mit Mobilitätsbeeinträchtigungen bei der Planung geeigneter Routen durch die Stadt unterstützen soll – Interessierte können sich am Projekt beteiligen

In Deutschland leben mehr als 1,6 Millionen Menschen, die auf einen Rollstuhl angewiesen sind. Für sie ist eine rollstuhlgerechte Umgebung eine essentielle Voraussetzung für gesellschaftliche Teilhabe. Ein wichtiger Aspekt ist dabei die Barrierefreiheit der Fußverkehrsinfrastruktur. Derzeit ist es nur bedingt möglich, sich vor Behördengängen, Arzt- oder Restaurantbesuchen über die Zugänglichkeit von Gehwegen, Plätzen und Straßenüberquerungen zu informieren. In bestehenden Kartendiensten ist beispielsweise  unvollständig erfasst, ob ein Gehweg gut befahrbar ist, ob es Engstellen durch Hindernisse gibt, wie stark eine Strecke ansteigt oder ob Oberflächen wie Pflaster, Schotter oder Schadstellen die Fortbewegung erschweren. Dementsprechend berichten viele Rollstuhlfahrerinnen und -fahrer sowie Menschen mit Mobilitätseinschränkungen von ungeplanten Umwegen, der Nutzung gefährlicher Straßenbereiche, Begleitungsbedarf in eigentlich selbstständig zu bewältigenden Situationen und der Meidung bestimmter Örtlichkeiten aufgrund mangelnder Planbarkeit der Wege.

Mit dem Rollstuhl einfacher durch die Stadt

An diesem Punkt setzt das Forschungsprojekt „Automatisierte Kartierung zur Planung barrierearmer Routen für Rollstuhlfahrer im Innenstadtbereich (ROLL-I)” an. Forschende der Professur Mensch und Technik der Technischen Universität Chemnitz entwickeln derzeit einen Ansatz, um relevante Geodaten automatisiert zu erfassen, auszuwerten und für die Planung barrierearmer Routen nutzbar zu machen. Das Projekt wird noch bis Dezember 2027 mit insgesamt 522.000 Euro aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) gefördert und ist kofinanziert von der Europäischen Union. Diese Maßnahme wird mitfinanziert durch Steuermittel auf der Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushaltes.

Sensorkit erfasst Geodaten zur Barrierefreiheit

Ein zentraler Bestandteil von ROLL-I ist ein mobiles Sensorkit, das an Rollstühlen angebracht wird. Während Geodaten zur Barrierefreiheit in vielen Kartendiensten manuell erfasst werden, können mit diesem Kit Informationen zur Barrierefreiheit von Wegen automatisch und kontinuierlich beim alltäglichen Fortbewegen in der Stadt erfasst werden. So können beispielsweise Erschütterungen Hinweise darauf geben, ob ein Untergrund eben und gut befahrbar ist oder ob Unebenheiten und Schadstellen die Fortbewegung erschweren. Die erhobenen Sensordaten sollen mit weiteren Informationsquellen wie topografischen Daten kombiniert werden. Anschließend sollen Verfahren des maschinellen Lernens dabei helfen, einzelne Streckenabschnitte hinsichtlich ihrer Passierbarkeit zu klassifizieren. Die daraus entstehenden Karten sollen der Zielgruppe perspektivisch über eine barrierefreie und benutzerfreundliche Anwendung zur Verfügung gestellt werden. Eine Anbindung an bestehende Kartendienste wie OpenStreetMap ist ebenfalls denkbar.

Mitmachen ist erwünscht

Das Projekt ROLL-I verfolgt einen partizipativen und nutzerzentrierten Entwicklungsansatz, d. h. Menschen mit Mobilitätsbeeinträchtigungen werden in verschiedenen Phasen des Projektes einbezogen. Wer sich hier einbringen möchte, kann sich gern beim Projektteam melden.

Kontakt: Dr. Tonja Machulla, Telefon 0371 531-32728, E-Mail tonja.machulla@phil.tu-chemnitz.de

(Autorin: Lena Nischwitz)

Mario Steinebach
31.07.2026

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