Erschließung historischer Schulschriften als bibliothekarische Aufgabe und kulturelles Gedächtnis
Universitätsbibliothek und Universitätsarchiv der TU Chemnitz starteten ein Projekt zur Katalogisierung der Schulschriften-Sammlung der Universität
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In den „Schulprogrammen“ war unter anderem der Ablauf von Prüfungen einsehbar. Quelle: Einladungsschrift zur Prüfung der Schüler der Handels-Lehranstalt zu Chemnitz, Montag den 14. April 1851 (Universitätsarchiv Chemnitz)
Wer in den Schulalltag vergangener Jahrhunderte blicken möchte, für den sind Schulschriften aus dieser Zeit ein wahrer Schatz – etwa für die Sozialforschung oder die Geschichtswissenschaft, insbesondere die Regionalgeschichte. In der Universitätsbibliothek und im Universitätsarchiv der Technischen Universität Chemnitz werden diese Bestände seit Anfang 2026 wiederentdeckt und systematisch erschlossen. „Die sogenannten Schulprogramme stellen eine bislang oft unterschätzte Quellengattung dar. Sie geben nicht nur Einblicke in den Schulalltag vergangener Jahrhunderte, sondern spiegeln zugleich wissenschaftliche, gesellschaftliche und bildungspolitische Entwicklungen ihrer Zeit wider“, sagt Stephan Luther, Leiter des Universitätsarchivs. Trotz ihres hohen Forschungswerts seien solche Bestände in vielen Archiven und Bibliotheken bislang nur unzureichend zugänglich. „Häufig sind sie lückenhaft erschlossen, schwer auffindbar und über den lokalen Kontext hinaus kaum sichtbar“, so Luther.
Auch im Chemnitzer Universitätsarchiv existiert eine umfangreiche Schulschriften-Sammlung, die bislang lediglich über eine einfache Kartei verzeichnet war. „Diese Form der Erschließung entspricht weder heutigen Standards noch den Anforderungen an eine überregionale Nutzbarkeit“, sagt Sabine Kuniß, kommissarische Leiterin der Universitätsbibliothek. Da die Sammlung sowohl Merkmale von Archiv- als auch von Bibliotheksgut aufweist, wurde für ihre Bearbeitung eine gemeinsame Lösung gewählt: „Die Universitätsbibliothek übernimmt die systematische Katalogisierung, während die physische Aufbewahrung weiterhin im Universitätsarchiv erfolgt“, so Kuniß. Bis 2029 soll die etwa 8.000 Schulschriften umfassende Sammlung des Universitätsarchivs katalogisiert sein und danach allen Interessierten online zur Verfügung stehen.
Eine ausführliche Projekt-Beschreibung ist in der Diamond Open Access Zeitschrift o-bib (DOI: https://www.o-bib.de/bib/article/view/6266) erschienen.
Weitere Informationen erteilt Stephan Luther, E-Mail stephan.luther@bibliothek.tu-chemnitz.de, Telefon +49 371 531-32694.
Mario Steinebach
06.05.2026