Sie setzten Akzente in der Elektrotechnik, Informatik und Chemie
Prof. Dr. Peter Protzel, Prof. Dr. Ralf Werner, Prof. Dr. Guido Brunnett und Prof. Dr. Klaus Stöwe gehen nach langjähriger Lehr- und Forschungstätigkeit an der TU Chemnitz in den Ruhestand
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Sie treten in den Ruhestand (v. l.): Prof. Dr. Peter Protzel, Prof. Dr. Guido Brunnett, Prof. Dr. Ralf Werner und Prof. Dr. Klaus Stöwe. Fotomontage: Jacob Müller (Fotos: privat, Philip Hiersemann, Jacob Müller)
Nach langjähriger Lehr- und Forschungstätigkeit an der Technischen Universität Chemnitz treten die beiden Elektrotechniker Prof. Dr. Peter Protzel und Prof. Dr. Ralf Werner, der Informatiker Prof. Dr. Guido Brunnett und der Chemiker Prof. Dr. Klaus Stöwe in den Ruhestand.
Pionier der mobilen Robotik an der TU Chemnitz
Peter Protzel studierte von 1976 bis 1982 Elektrotechnik an der der Ruhr-Universität Bochum und der Technischen Universität Braunschweig. 1987 wurde er am Institut für Nachrichtensysteme der TU Braunschweig promoviert. Von 1987 bis 1991 war er Staff Scientist am NASA Langley Research Center in Virginia (USA). Parallel dazu erfüllte er Lehraufträge an der benachbarten Universität von Williamsburg. Anschließend leitete er von 1992 bis 1998 die Forschungsgruppe „Neuronale Netze und Fuzzy Logik“ am Bayerischen Forschungszentrum für Wissensbasierte Systeme (FORWISS) in Erlangen. Zudem übernahm er eine Lehrtätigkeit an der Universität Erlangen-Nürnberg. Von 1998 bis 2026 leitete er die Professur Prozessautomatisierung an der TU Chemnitz.
Seine Forschungsschwerpunkte liegen auf dem Gebiet autonomer Systeme, speziell autonomer mobiler Roboter, die in unstrukturierten Umgebungen arbeiten. Solche Systeme müssen ihre Umgebung mittels verschiedener Sensoren wahrnehmen, relevante Informationen extrahieren, interpretieren und daraus selbständig Entscheidungen treffen und Aktionen generieren. Mit der Anschaffung erster mobiler Forschungsplattformen im Jahr 2000 war er ein Pionier auf dem Gebiet an der TU Chemnitz. In der Folge wurden viele weitere Versuchsträger angeschafft und gebaut, neben mobilen Robotern auch ein Luftschiff und Multirotor-Fluggeräte. Die entwickelten Verfahren werden auch beim autonomen Fahren benötigt und wurden in verschiedenen Projekten mit der Industrie erprobt.
Es war ihm schon immer sein besonderes Anliegen, junge Menschen für die Technik zu begeistern. 2003 initiierte Protzel den bundesweit viel beachteten Roboterwettbewerb für Schülerinnen und Schüler „RoboKing“, der jährlich auf der Hannover Messe ausgetragen wurde. 2011 folgte im kleineren Rahmen der Roboterwettbewerb „RoboSAX“, der fortan seinen Fokus insbesondere auf sächsische Schulen richtete.
Protzel wird im Ruhestand weiterhin an der TU Chemnitz wissenschaftlich tätig sein und plant, sich auch in Zukunft bei der Öffentlichkeitsarbeit zu engagieren, z. B. durch den Kontakt zu Schulen und beim RoboDay der TU Chemnitz.
Ein Modellierer in der virtuellen Realität
Von 2009 bis 2012 war er Direktor des An-Instituts für Mechatronik, wo er sich besonders für die Weiterentwicklung des Menschmodells „Dynamicus“ engagierte. Seit 2011 leitet er zudem das „Kompetenzzentrum Virtual Humans“ der TU Chemnitz, einen fakultätsübergreifenden Forschungsverbund, der sich mit der realitätsnahen Simulation menschlicher Eigenschaften und Fähigkeiten wie Bewegung, Wahrnehmung, Kognition und Emotion befasst. Diese Arbeit setzt er nach Eintritt in den Ruhestand als Leiter einer mit Drittmitteln finanzierten Forschungsgruppe fort.
Prof. Brunnett erhielt einen Forschungspreis des National Research Council der USA sowie Rufe an die ETH Zürich und die Universität Siegen und wurde zudem ausgewählt, insgesamt fünf Seminare im international hoch angesehenen Schloss Dagstuhl – Leibniz-Zentrum für Informatik zu veranstalten.
Von 2000 bis 2026 war Prof. Brunnett ununterbrochen Mitglied des Fakultätsrates der Fakultät für Informatik der TU Chemnitz, davon zehn Jahre in der Funktion des Prodekans und von 2013 bis 2026 als Dekan.
Verliebt in elektrische Maschinen und Antriebe
2005 folgte er dem Ruf auf die Professur Elektrische Antriebstechnik an der Hochschule Mittweida. 2009 wechselte er an die TU Chemnitz, wo er die Leitung der Professur Elektrische Energiewandlungssysteme und Antriebe übernahm. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen „Magnetische Lager“, „Entwurf elektrischer Maschinen in physikalischen Grenzbereichen“, „3D-Multimaterialdruck“, „Messung magnetischer Eigenschaften weichmagnetischer Werkstoffe“ sowie „Elektrische Fahrzeugantriebe“.
Werner ist Mitglied im Arbeitskreis „Elektrische Maschinen und Antriebe“ des VDE Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik e. V.
Zu Hause in verschiedenen Bereichen der Chemie
Klaus Stöwe studierte von 1981 bis 1987 Chemie an der Universität Erlangen-Nürnberg. 1990 wurde er an dieser Universität promoviert. 1994 war er als Gastwissenschaftler am Max-Planck-Institut für Festkörperforschung in Stuttgart tätig. 1997 habilitierte er sich an der Universität des Saarlandes. Ihm wurde die Lehrbefugnis für das Fach „Anorganische Chemie“ erteilt. Zudem wurde er zum Privatdozenten ernannt. 2000 war er Gast an der University of Oregon in Eugene (USA) und 2001 am Max-Planck-Institut für Festkörperforschung in Stuttgart. 2007 wurde er außerplanmäßigen Professor an der Universität des Saarlandes ernannt, nachdem er 2004 sein Fachgebiet von Festkörperchemie in Technische Chemie gewechselt hat. Von 2012 bis 2014 übernahm er an dieser Universität die Vakanzvertretung für Technische Materialchemie. Dem Ruf im Jahr 2012 auf die Professur Chemische Technologie an der TU Chemnitz folgt er 2014. Von 2015 bis 2017 war er Geschäftsführender Direktor des Instituts für Chemie der TU Chemnitz.
In der Forschung verschrieb er sich zunächst im Bereich der Festkörperchemie der Kristallchemie der Uran- und Selten Erd-Polychalkogenide und untersuchte dort deren Eigenschaften einschließlich Phasenübergängen bei verschiedenen Drücken und Temperaturen mit dem Ziel eines vertieften Verständnisses von homonuklearen Wechselwirkungen in diesen Verbindungen. Im Bereich der Technischen Chemie war ihm ein besonderes Anliegen, über die Kombinatorische Chemie und den Einsatz von Hochdurchsatzmethoden neue heterogene Katalysatoren zur Beschleunigung von Gasphasenreakltionen zu finden. Dabei standen zuletzt Hydrierungen von Kohlendioxid zu Basischemikalien wie Methan und Methanol im Vordergrund des Interesses. Zuletzt kam auch die Anwendung von Katalysatoren für das hydrierende Polymerrecycling im Rahmen des Projektes CircEcon in den Fokus der Forschung.
Über mehrere Jahre hinweg engagierte sich Stöwe bei der Durchführung des Chemiewettbewerbs „Julius Adolph Stöckhardt“ für Schülerinnen und Schüler an der TU Chemnitz.
Mario Steinebach
09.04.2026