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Medizintechnik als Zukunftsfeld und Treiber für industrielle Wertschöpfung

Veranstaltung an der TU Chemnitz brachte am 5. März 2026 Wissenschaft, Klinik und Industrie zusammen

Wie gelingt es, wissenschaftliche Erkenntnisse schneller in marktfähige Lösungen zu überführen – und welche Rolle spielen Unternehmen dabei? Diese Fragen standen am 5. März 2026 im Mittelpunkt einer Medizintechnik-Veranstaltung im IdeenReich der Universitätsbibliothek der Technischen Universität Chemnitz, die gemeinsam vom Industrieverein Sachsen 1828 e. V. und der Industrie- und Handelskammer Chemnitz organisiert wurde. Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft, Klinikum und Transfernetzwerken diskutierten über Chancen der Medizintechnik für Südwestsachsen und stellten die Initiative „C:HUB Health Cluster Südwestsachsen“ vor. Dazu gehören fünf Cluster: neben der gemeinsamen Aufgabe, Daten aus Forschung, Entwicklung und Versorgung im Digitalisierungscluster geteilt nutzbar zu machen, sind die Gesundheitsregion Südwestsachsen, ein Fachkräftecluster, das Cluster Gesundheitscampus Chemnitz und das Transformationscluster inhaltliche Schwerpunkte der Initiative des Klinikums Chemnitz und der TU Chemnitz. Thema des Abends waren der Gesundheitscampus Chemnitz mit seinen potenziellen Leuchtturm- und Impulsprojekten, die durch einen gezielten Transfer die Weiterentwicklung der regionalen Wirtschaft befördern sollen.

Der Abend machte deutlich: Medizintechnik ist nicht nur ein zentrales Zukunftsfeld für die Gesundheitsversorgung, sondern auch ein bedeutender Treiber für industrielle Wertschöpfung. Gerade in Südwestsachsen treffen dafür wichtige Kompetenzen zusammen – etwa aus Maschinenbau, Mikroelektronik, Materialwissenschaften, Datenanalyse sowie aus der klinischen Praxis.

Im ersten Teil der Veranstaltung wurde die Perspektive der Unternehmen beleuchtet. Benjamin Stephan, Entwicklungsleiter der imk Health Intelligence GmbH, sprach über die Herausforderungen auf dem Weg von der Forschung zum marktreifen Produkt. Innovationen scheiterten häufig nicht an Ideen, sondern an der sogenannten „Valley of Death“-Phase zwischen geförderter Forschung und wirtschaftlicher Umsetzung. Entscheidend seien deshalb frühzeitig gedachte Strategien für Zulassung, Vertrieb und Marktzugang.

Im anschließenden Block aus Wissenschaft und Klinik stellten die Prorektorin für Forschung und Universitätsentwicklung der TU Chemnitz, Prof. Dr. Anja Strobel, und der Geschäftsführer der Klinikum Chemnitz gGmbH, Martin Jonas, die gemeinsame Initiative „C:HUB Health Cluster Südwestsachsen“ vor. Ziel ist es, Forschung, medizinische Versorgung und industrielle Umsetzung enger miteinander zu verknüpfen. Klinische Bedarfe, wissenschaftliche Kompetenzen und unternehmerische Entwicklung sollen so stärker zusammengeführt werden, um Innovationen schneller in Anwendungen zu überführen.

In mehreren Kurzimpulsen stellten Forschende der TU Chemnitz sowie der hiesigen Fraunhofer Insititute gemeinsam mit Partnerinnen und Partnern aus dem Klinikum potenzielle Projekte aus der Medizintechnik vor. Die Beiträge reichten von mikro- und nanotechnologischen Ansätzen über KI-basierte Analyseverfahren bis hin zu neuen diagnostischen Methoden.

Vorgestellt wurden unter anderem folgende Projekte:

  • Prof. Dr. Oliver G. Schmidt, Inhaber der Professur Materialsysteme der Nanoelektronik sowie Wissenschaftlicher Leiter des Forschungszentrums MAIN (TU Chemnitz), präsentierte das Leuchtturmprojekt „Künstliches Immunsystem“, bei den mikro- und nanotechnologischen Systemen entwickelt werden, die künftig Diagnostik und Therapie im menschlichen Körper unterstützen könnten.
  • PD Dr. med. Ronny Grunert vom Fraunhofer-Institut für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik IWU, Institutsteil Zittau, stellte das Leuchtturmprojekt „Spatial Computing“ vor. Dabei werden Datenbrillen im Operationssaal eingesetzt, um chirurgische Eingriffe präziser zu unterstützen und neue Anwendungsfelder für Unternehmen zu erschließen.
  • Andreas Morschhauser vom Zentrum für Mikro- und Nanotechnologien der TU Chemnitz und vom Fraunhofer-Institut für Elektronische Nanosysteme ENAS präsentierte das Projekt „Die Krankheit mit 1.000 Gesichtern – Porphyrie zuverlässig detektieren“, in dem neue diagnostische Verfahren für seltene Erkrankungen entwickelt werden.
  • Prof. Dr. med. Matthias Kirsch und Dr. med. Julia Steinhardt (Klinikum Chemnitz) sowie Prof. Fréderic Marin (Professur Bewegungswissenschaft in Prävention und Rehabilitation an der TU Chemnitz) stellten das Projekt „Motion IQ – KI-gestützte Bewegungsanalyse“ vor, das neue Möglichkeiten für Diagnostik, Therapieplanung und Rehabilitation eröffnet.
  • Julia Hann vom Zentrum für Mikro- und Nanotechnologien der TU Chemnitz präsentierte das Projekt „Programmierbare Nanostrukturen für die Diagnostik – DNA-Origami für die nächste Generation von Biosensoren“.
  • Prof. Dr. Robert Magerle, Inhaber der Professur Chemische Physik der TU Chemnitz, stellte das Projekt „INSTANT – Auf dem Weg zur Früherkennung mit Rasterkraftmikroskopie“ vor, das nanomechanische Eigenschaften von Gewebe für neue diagnostische Verfahren nutzt.
  • Prof. Dr. Dietrich R. T. Zahn, Inhaber der Professur Halbleiterphysik der TU Chemnitz, präsentierte Forschung zur Nanospektroskopie, mit der chemische Strukturen im Nanometerbereich analysiert werden können.
  • Udo Eckert, Gruppenleiter Mikrosystemfertigung am Fraunhofer-Institut für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik IWU Chemnitz und Bündnisleitung WIR! DIANA, stellte neue Mikrofertigungstechnologien für Point-of-Care-Diagnostik und regionale Innovationsnetzwerke zur Entwicklung marktfähiger Lösungen vor.

Im Anschluss an das Programm nutzten die rund 100 Teilnehmenden die Gelegenheit zum Austausch und zur Vernetzung. Die Veranstaltung verdeutlichte, dass Südwestsachsen über eine starke Kombination aus leistungsfähiger Forschungslandschaft, klinischer Expertise und industrieller Kompetenz verfügt. Diese Voraussetzungen bieten große Chancen, Medizintechnik als Wachstumsfeld weiter auszubauen und neue Wertschöpfung in der Region zu generieren.

Die Medizintechnik-Veranstaltung wurde unterstützt von der Gesellschaft der Freunde der Technischen Universität Chemnitz e. V. 

Ansprechpartnerin für den Gesundheitscampus Chemnitz und das Transformationscluster Gesundheit und Medizintechnik der C:HUB Initiative: Aline Lohse, Geschäftsbereich Gesundheit und Medizintechnik an der TU Chemnitz, Telefon +49 (0)371 531-31646, E-Mail aline.lohse@zwt.tu-chemnitz.de

(Quelle: Industrieverein Sachsen 1828 e. V.)

Mario Steinebach
09.03.2026

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