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„Es gehört immer eine gewisse Neugier und Entschlossenheit dazu, den nächsten Schritt zu gehen“

TUC-Absolvent Frank Riemer-Keller blieb nach dem Studium seiner Heimat treu und ist heute Geschäftsführer der INJECTA GmbH in Klingenthal

Herr Riemer-Keller, können Sie sich kurz vorstellen?

Gern! Ich bin 60 Jahre jung und lebe im Erzgebirge. Seit 25 Jahren bin ich glücklich verheiratet, habe einen erwachsenen Sohn und bin schon stolzer Opa. Ich arbeite heute als Geschäftsführer eines international erfolgreichen Medizintechnikunternehmens im Vogtland. In meiner Freizeit suche ich Ausgleich in der Natur und engagiere mich sehr intensiv im Ehrenamt.

Sie haben an der TU Chemnitz studiert, in einer Zeit, in der Umbruch und Veränderung an der Tagesordnung waren. Welche Erinnerungen haben Sie an Ihr Studium während der Wendezeit?

Ja, das war eine verrückte, anspruchsvolle, aber auch beeindruckende Zeit. Nach meinem Abschluss der 12. Klasse im Jahr 1984 habe ich zunächst den Facharbeiterberuf eines Instandhaltungsmechanikers erlernt. Nach meiner Armeezeit habe ich beschlossen, 1988 an der TU Chemnitz berufsbegleitend den Diplomstudiengang Maschinenbau zu belegen. Bereits im ersten Studienjahr waren wir Teil der politischen Wende. Die Demonstrationen in Plauen und Leipzig, aber auch in anderen Städten und Regionen der DDR, waren an der Tagesordnung. Als „Jungstudent“ – heute sagt man „Ersti“ – war das politische Verständnis bei mir da, aber auch die Angst, dass mein Studium vielleicht nicht weiter Bestand haben könnte, denn als so genannter Fernstudent, der ich damals war, gehören ja immer drei Parteien dazu: der Student, die Universität und das Unternehmen, welches die Weiterbildung auch unterstützt.

Welche besonderen Hürden gab es dabei zu meistern?

Gerade in meinen zwei ersten Studienjahren 1989 und 1990 konnte man nur auf „Sicht“ leben. Es hat sich ja, quasi über Nacht, alles geändert. Das war super spannend, mit vielen Chancen, aber auch Risiken. Viele Unternehmen wurden ad hoc geschlossen, die Arbeitslosigkeit in Sachsen erreichte zweistellige Prozentwerte. Glücklicherweise hatte ich einen Arbeitgeber gefunden, der die Idee vom Arbeiten, Studieren und obendrein noch Familie ganz cool fand und mir demzufolge zumindest ein Minimum an notwendiger Unterstützung gab. Aber um es klar zu sagen, mein Job zu der Zeit in der Konstruktionsabteilung als Jungkonstrukteur war ein Fulltime-Job. Da war nach acht Stunden nicht Schluss, denn mein Studium fand jeden Abend ab 20 Uhr bis Mitternacht zuhause statt. Meine Konstruktionen, welche ich im Rahmen der Studienarbeiten anfertigen durfte, habe ich an einem Reißbrett in meiner Garage gezeichnet. Das war fast ein bissel urig und manchmal musste ein Grog gegen die Kälte helfen.

Was verbinden Sie mit Chemnitz und der Universität?

Als geborener Glauchauer und in meiner Kindheit erfolgreicher Leistungsschwimmer hatte ich bereits sehr früh Kontakt nach Karl-Marx Stadt, den dortigen Sportclub und natürlich zur Schwimmhalle. Im Rahmen meiner Studienorientierung habe ich mich intensiv erkundigt und fand unsere Chemnitzer Universität genau passend für mich. Die Chemnitzer Studienjahre haben mich persönlich sehr positiv geprägt. Ich habe das Studium, auch wenn es zeitlich und inhaltlich sehr anspruchsvoll war, in vollen Zügen genossen. Die Dozenten waren toll, die Inhalte meines Studiums haben mich immer begeistert und als Fernstudent und Jungkonstrukteur konnte ich Arbeit und Ausbildung parallel perfekt verbinden. Ich war fast etwas traurig, als das Studium erfolgreich beendet war. Die zu konstruierende Sondermaschine, Thema meiner Diplomarbeit, durfte ich anschließend im Sondermaschinenbau mit bauen. Sie lief viele Jahre sehr effizient im Mehrschichtbetrieb.

Bestehen noch heute Verbindungen nach Chemnitz oder an die TU?

Ich habe in meinem gesamten Berufsleben die Verbindung zu Chemnitz und meiner Universität intensiv gehalten. Noch heute stehe ich im intensiven Austausch mit verschiedenen Professuren, um Bachelor- und Masterstudierende bei wissenschaftlichen Aufgabenstellungen zu begleiten. Weiterhin führen wir gemeinsame Forschungs- und Entwicklungsprojekte erfolgreich durch, wo wir zum Beispiel neue Methoden in der Bearbeitung von Präzisionsfeinstrohren in der Mikrobearbeitung untersuchen. Diese tolle Verbindung zwischen uns und einer passgenauen Universität, ist ein Erfolgsgarant.

Wie verlief Ihr Berufseinstieg Mitte der 1990er, in einer eher wirtschaftlich ungünstigen Zeit? Welche Entscheidungen in Ihrer Karriere haben Sie vorangebracht und gab es auch Rückschläge?

Ich war bereits während meines gesamten Studiums Full-Time-Konstrukteur. Mit dem offiziellen Abschluss als Diplom-Ingenieur Maschinenbau fühlte sich das dann noch besser an. Mitte der 90er Jahre, speziell nach meinem Abschluss des Studiums, wurde die Situation auf dem sächsischen Arbeitsmarkt sehr dramatisch. Die Zahl der Insolvenzen stieg stetig, die Arbeitslosenzahl erreichte Höchstniveau. Die Frage war also: Zelte abbrechen und wegziehen? Aber ich hatte eine junge Familie und war glücklicher Vater eines Sohnes. Wir entschieden gemeinsam, in der Heimat zu bleiben und uns durchzukämpfen. Das war die absolut richtige Entscheidung. Ich fand in der Folge zwei wunderbare Unternehmen, wo ich meine erlangten technischen Fähigkeiten, auch im internationalen Umfeld, ausleben konnte. Die ersten Kontakte nach den USA und China waren aufregend, aber auch prägend. Im Jahr 2000 habe ich die Gelegenheit erhalten, erstmals die Alleingeschäftsführung eines Unternehmens zu übernehmen. Das war ein riesiger Schritt in meiner Persönlichkeitsentwicklung. Ich hatte aber auch einen guten Mentor, welcher mich über ein ganzes Jahr onboarding entsprechend begleitete. Das war toll.

Beruflich waren Sie in verschiedenen technischen Bereichen – auch bundesweit oder sogar weltweit – tätig. Heute sind Sie Geschäftsführer der INJECTA GmbH Klingenthal. Was genau beinhaltet Ihr Tätigkeitsfeld bzw. wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus?

Ja, ich habe mein Berufsleben sehr abwechslungsreich gestaltet. Ich war im Laufe der letzten 25 Jahre für verschiedene nationale und auch internationale Unternehmen als Geschäftsführer, Vorstand oder Werkleiter erfolgreich tätig. Dabei durfte ich unsere schöne Welt intensiv kennenlernen. Ich arbeite mit vielen Menschen weltweit erfolgreich zusammen, viele von den Kollegen sind mittlerweile auch Freunde und Vertraute. Seit 3,5 Jahren bin ich Geschäftsführer des hochmodernen Fertigungswerkes für Medizintechnik, der INJECTA GmbH Klingenthal, einem Unternehmen der SARSTEDT Gruppe. Wir sind ein Hidden Champion der Medizintechnik, mit extrem viel Know-how und wunderbaren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mitten im Vogtland. Im Arbeitsalltag gibt es natürlich eine klare Struktur in der Tages- und Wochenplanung. Da folgen wir einem methodischen, strukturierten Ansatz. Trotzdem ist sehr viel Zeit für Spontanes, für Kreativität, für Entrepreneurship. Wir arbeiten sehr ziel- und ergebnisorientiert, bevorzugen eine offene Kommunikation über alle Arbeitsebenen hinweg und treffen wichtige Entscheidungen. Wir wollen uns jeden Tag etwas verbessern. Das schätzen übrigens unsere weltweiten Kunden ebenfalls sehr.

Wie haben Sie es geschafft, Familie und berufliche Karriere zu vereinen?

Ich bin stolzer Ehemann, Vater und Opa. Alles immer unter einen Hut zu bringen, ist schon eine Herausforderung. Bei vielen Auslandsaufenthalten oder meinem Engagement für Thyssenkrupp im Saarland war fast zwei Jahre mehrheitlich außer Haus. Das war schon anspruchsvoll. Meine Frau hat damals alles Private komplett geschultert, dafür bin ich ihr natürlich sehr, sehr dankbar.

Wofür begeistern Sie sich im Privaten am meisten? Was war Ihr letztes großes Vorhaben?

Das schönste private Hobby ist meine Familie und mein Freundeskreis. Meinen kleinen Enkel aufwachsen zu sehen und ihn auch mal aus der Kita abzuholen, ist ein Hochgenuss. Schöner können Kinderaugen nicht strahlen, wenn Oma und Opa kommen. Ja, und die Restauration meines Trabant 500, Baujahr 1961, zieht sich noch eine Weile.

Welche Tipps haben Sie für junge Absolventinnen und Absolventen für den Berufseinstieg?

Es gehört immer eine gewisse Neugier und Entschlossenheit dazu, den nächsten Schritt zu gehen. Die ersten Berührungen mit dem Berufsleben sind durchaus prägend. Wichtig ist als Absolvent bzw. Absolventin zu verstehen, dass zwar die Ausbildung erfolgreich beendet ist, aber das Berufsleben jetzt erst beginnt. Enttäuschungen und Versagen gehören zum Leben, genauso wie Erfolg und berufliche Erfüllung. Wichtig ist, dass die jungen Leute eine Resilienz entwickeln, um auch nach einem Negativerlebnis wieder aufzustehen und mit viel Motivation weiter zu machen. Ich kann empfehlen, immer wissbegierig zu sein, sich proaktiv und mit unternehmerischer Einstellung den Herausforderungen des Arbeitslebens zu stellen. Denkt international, kreativ und lösungsorientiert. Öfters mal die Perspektive wechseln, gewohnte Muster und Abläufe bewusst und kritisch hinterfragen, neue Ideen kombinieren und auch mal für Experimente und Fehler offen zu sein, gehört zum Berufseinstieg.

(Die Fragen stellte Stephanie Höber, Alumni-Koordinatorin der TU Chemnitz.)

Mario Steinebach
23.02.2026

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