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Praxisnah von der Grundschul-AG bis zum Masterstudium

Im Interview: Anna Zuchna, die heute Energie- und Automatisierungstechnik an der TU Chemnitz studiert, war schon früh von der Elektrotechnik fasziniert – Besonders wichtig war und ist es für sie, praktische Erfahrungen im Studium zu sammeln

  • Eine junge Frau mit langen Haaren arbeitet in einem Elektrotechnik-Labor und schreibt auf einer Tastatur.
    Anna Zuchna schreibt gearde ihre Masterarbeit zu einem praxisnahen Thema und ist deshalb oft in den Labors der Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik anzutreffen. Foto: Nick Thönelt

Anna, was genau machst Du in Deinem Studium an der Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik an der TU Chemnitz?

Da der Bereich der Elektrotechnik sehr umfang- und facettenreich ist, ist diese Frage gar nicht so leicht zu beantworten. Jedoch habe ich recht bald gemerkt, dass sich mein Interesse vor allem auf die elektrische Energietechnik fokussiert. Lösungen dafür zu finden, wie die Elektroenergieversorgung auch in Zukunft sicher gewährleistet und nachhaltig beziehungsweise nachhaltiger gestaltet werden kann, hat mich dabei besonders fasziniert. Deshalb habe ich auch meine Bachelorarbeit an der Professur für Energie- und Hochspannungstechnik der TU Chemnitz über ein Thema aus dem Gebiet der Elektroenergieversorgung verfasst.

Worum ging es dabei konkret und wie ging es nach dem Bachelorabschluss weiter?

Ich habe dafür zu verschiedenen Planungsrichtlinien für Niederspannungsnetze recherchiert und diese verglichen. Nach dem Bachelor habe ich mein Studium in Chemnitz mit dem konsekutiven Masterstudiengang Energie- und Automatisierungssysteme fortgesetzt, wobei ich mich da auf Energiesysteme spezialisiert habe. Die Schwerpunkte lagen dabei grob gesagt auf den drei großen Gebieten Energie- und Hochspannungstechnik, Leistungselektronik und elektrische Maschinen. Zum Ende meines Bachelor- bzw. Anfang meines Masterstudiums bin ich zur Leistungselektronik gekommen, nachdem ich in einem Praktikumsversuch angesprochen wurde, ob ich mir eine Tätigkeit als studentische oder wissenschaftliche Hilfskraft an der entsprechenden Professur vorstellen könne. Obwohl ich bis dahin außer einer Lehrveranstaltung noch nicht so viele Berührungspunkte mit diesem Gebiet hatte, gab mir die Arbeit als HiWi die Möglichkeit, viel zu lernen und Verknüpfungen zwischen der erlernten Theorie und beispielsweise den realen Bauelementen und deren Verhalten herzustellen.

Die Praxisnähe hat Dir also sehr geholfen?

Ja, insbesondere die praktischen Erfahrungen, die man an der Professur im Rahmen der HiWi-Tätigkeit und beim Absolvieren der Abschlussarbeit sammeln kann, erachte ich als sehr wertvoll und haben mich ein gutes Stück bezüglich meines elektrotechnischen beziehungsweise allgemein ingenieurstechnischen Erfahrungsschatzes weitergebracht.  Aktuell beschäftige ich mich im Rahmen meiner Masterarbeit mit Halbleiter-Leistungsbauelementen aus Gallium-Nitrid und entsprechenden Methoden zur on-line-Temperaturbestimmung. Das ist besonders für Lastwechseltests relevant, welche durchgeführt werden, um die Lebensdauer und Zuverlässigkeit von leistungselektronischen Bauteilen und deren Aufbau- und Verbindungstechnik zu untersuchen.

Gehörten auch Praktika und Auslandssemester zu Deinem Bachelor- und zu Deinem Masterstudium?

Leider nicht ganz so wie geplant. Eigentlich wollte ich gerne ein Praktikum in Österreich im Rahmen meines Masterstudiums absolvieren, allerdings war es aufgrund des gewünschten Standortes, an dem nicht so viele Firmen in meinem Fachbereich ansässig sind, sowie vermutlich auch aufgrund der Corona-Situation schwierig, einen Praktikumsplatz zu bekommen. Das Semester konnte ich allerdings trotzdem in Österreich verbringen und parallel Lehrveranstaltungen an der TU Chemnitz besuchen, da diese alle online angeboten wurden. An Stelle des Praktikumsmoduls blieben mir im Rahmen der Studienordnung überwiegend Module aus dem Bereich der Regelungstechnik, die ich in meinem Studium eigentlich eher umgehen wollte. Auch wenn dort nach wie vor nicht mein interessensmäßiger und vielleicht auch begabungsmäßiger Hauptschwerpunkt liegt, bin ich im Nachhinein doch sehr dankbar für das Wissen und die Fähigkeiten, die ich durch diese Fächer dazugewinnen konnte. Dankbar bin ich auch für die Erfahrung und Bestätigung, dass man sich mit den im Studium erlernten Grundlagen – mit genügend Zeit und Nerven – in verschiedene Themen einarbeiten und diese verstehen sowie Probleme lösen kann, was man sich davor nicht zugetraut hätte.

Warum hast Du Dich überhaupt für dieses ingenieurwissenschaftliche Studium entschieden?

Dass ich etwas Technisches studieren möchte, war mir – zumindest gegen Ende meiner Schulzeit – recht klar. Als grundlegende, technische bzw. ingenieurwissenschaftliche Studiengänge haben sich dann Maschinenbau und Elektrotechnik herauskristallisiert. Respekt hatte ich vor beidem, aber meine bisherige Laufbahn hat mich dann doch zu einem Studium der Elektrotechnik ermutigt. Bereits während meiner Grundschulzeit kam ich im Rahmen eines Ganztagesangebotes, das von der Professur Schaltkreis- und Systementwurf der TU Chemnitz angeboten wurde, mit der Elektrotechnik in Berührung. Dort wurden spielerisch und mit einfachsten Schaltungen grundlegende elektrotechnische Funktionsprinzipien erklärt. Später hatte ich im Rahmen des Girls‘ Days noch zweimal die Möglichkeit an der TU Chemnitz weitere Einblicke auf diesem Gebiet zu gewinnen, sodass ich mich in der Sekundarstufe II auch dazu entschied, meine Facharbeit zu einem elektrotechnischen Thema hier an der Uni zu schreiben. Dabei wurde ich wiederum von der Professur Schaltkreis- und Systementwurf betreut. All diese Erfahrungen sowie der Zuspruch von dortigen Betreuern und meiner Familie haben letztlich dazu beigetragen, dass ich mir zugetraut habe, den Bachelor-Studiengang Elektrotechnik und Informationstechnik an der TU zu beginnen.

Ist auch deshalb die Wahl des Studienortes auf Chemnitz gefallen?

Nicht direkt. Eigentlich wollte ich gerne etwas studieren, das das Technische mehr mit dem Kreativen verbindet – beispielsweise Produkt- oder Industriedesign oder Architektur.  Ich hatte auch schon einen Studienplatz an einer Fachhochschule in Österreich für Holztechnologie und Holzbau. Aufgrund meiner Verantwortlichkeit in der Jugendgruppe der christlichen Gemeinde, der ich in Chemnitz angehöre, entschied ich mich jedoch, vorerst hier zu bleiben, zumindest erstmal für ein Jahr. Das heißt, die Wahl des Studienortes hing in erster Linie nicht vom Studiengang ab, aber es gab definitiv auch Vorteile, hier in Chemnitz zu bleiben und zu studieren, von denen ich manche vielleicht auch erst so nach und nach schätzen gelernt habe. Und mittlerweile sind es ja auch schon ein paar mehr Jahre, die ich nun hier bin. Da ich es eh lieber etwas ruhiger mag, habe ich kein Problem damit, dass in Chemnitz die Gehsteige vielleicht schon etwas früher als in anderen Städten hochgeklappt werden – wobei das für den Campus auch nur bedingt zutrifft. Ich freue mich stattdessen eher über die Vorzüge, die günstiges Wohnen, eine nicht so überfüllte Stadt mit vielen Grünflächen und ein bekanntes Umfeld bieten.

Würdest Du wieder in Chemnitz studieren, wenn Du Dich noch einmal entscheiden müsstest?

Ja, vor allem die familiäre Atmosphäre hier an der Uni und besonders am Campus Reichenhainer Straße schätze ich sehr. Man kann selten aus dem Haus oder über den Campus gehen, ohne jemand Bekanntes zu treffen. Aber besonders auch direkt in meinem Studiengang ist es sehr überschaubar und familiär. Man ist eben nicht nur eine Nummer, sondern kennt so gut wie jeden Kommilitonen im Studiengang sowie darüber hinaus aus anderen Jahrgängen und Studiengängen. Der Austausch untereinander war und ist dabei immer wieder eine große Hilfe bei Fragen und Problemen und auch ein wichtiger Motivationsfaktor für das Studium allgemein. Durch die Nähe zu den Dozenten sowie die vergleichsweise geringe Studierendenzahl ist es auch recht einfach, einen Job als studentische beziehungsweise wissenschaftliche Hilfskraft zu bekommen, weil man direkt auf die Dozenten zugehen kann und in der Regel immer genug Bedarf besteht. Meines Erachtens ist das eine einzigartige und sehr wertvolle Möglichkeit, am Forschungsbetrieb teilzuhaben und mitzuwirken und praktische Erfahrungen zu sammeln. Auch wenn ich nicht viele Vergleiche zu anderen Universitäten und Hochschulen habe, denke ich, dass es in Chemnitz durch die gute Vernetzung unter den Studierenden und die eher geringen Studierendenzahlen recht einfach ist und es viele Möglichkeiten gibt, als Mitglied im Fachschaftsrat der Fakultät oder einer Studienkommission einen Beitrag zur Verbesserung der Studienbedingungen und -möglichkeiten zu leisten und etwas zu verändern. Dass es an der TU Chemnitz jährlich die Möglichkeit auf Förderung durch das Deutschlandstipendium gibt, ist zwar kein Alleinstellungsmerkmal der TU, aber durchaus ein großer Pluspunkt, dass die Uni diesbezüglich jedes Jahr bemüht ist, Förderer für diese Art der Unterstützung ihrer Studierenden zu gewinnen. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass dies eine große Unterstützung darstellt, wofür ich sehr dankbar bin. Auch hier könnte ich mir vorstellen, dass die Chancen auf solch eine Förderung an anderen, größeren Unis wesentlich geringer sind.

Was machst Du, wenn Du mal nicht an der Uni bist?

Gerade bin ich dabei, sportlich wieder aktiver zu werden. Ich freue mich sehr, über den Universitätssport eine Möglichkeit gefunden zu haben, wieder mit Akrobatik anzufangen. Vor der Pandemie war ich außerdem oft bouldern und manchmal laufen, was ich beides auch gerne wieder öfter tun möchte. In meinem voraussichtlich letzten Semester als Studentin hier an der Uni wollte ich außerdem gerne nochmal das Angebot des Zentrums für Fremdsprachen nutzen und freue mich, nun nicht mehr nur selbstständig, sondern in einer kleinen Gruppe meine Russisch-Kenntnisse zu vertiefen und zu erweitern. Die Zeit, die neben dem Studieren beziehungsweise aktuell neben der Masterarbeit bleibt, verbringe ich außerdem gern mit Freunden oder genieße es, einfach zuhause zu sein – gerne mit einer Tasse Tee, besonders an den nun sicher wieder häufigeren dunklen Herbst- und Winternachmittagen. Und dabei irgendwie die Studentenzeit, in der einem noch so viele Möglichkeiten offen zu stehen scheinen, nutzen – zum Beispiel durch Gespräche mit anderen über buchstäblich Gott und die Welt, um sich seiner Ziele und Überzeugungen klarer zu werden. Wenn mal etwas mehr Zeit ist, freue ich mich außerdem, meine Kreativität wieder mehr ausleben zu können, etwa. beim Nähen. Denn auch wenn in gewisser Weise das Ingenieurs-Dasein oft allerhand Kreativität erfordert, ist das eben doch etwas anderes.

Wo zieht es Dich nach dem Studium hin?

Erst einmal möchte ich gerne in Chemnitz bleiben. Zum einen, weil ich das soziale Umfeld, die Wohngegend, einfach den Lebensstil hier gerade sehr schätze und ich momentan noch nicht sehe, dass es an der Zeit ist, das direkt nach dem Studium zu ändern. Auch berufsmäßig könnten sich hier gute Möglichkeiten auftun. Zum anderen studiert mein Mann auch hier in Chemnitz, sodass wir bis zum Abschluss seines Studiums geplant haben, hier zu bleiben. Längerfristig könnte es uns auch wieder zurück nach Österreich ziehen, da wir beide – ich  zumindest halb – aus Österreich stammen und dementsprechend auch dort viele Freunde und Familie haben. Aber momentan bin ich eigentlich ganz froh, diese Entscheidung noch nicht jetzt treffen zu müssen.

Dann wünschen wir Dir für deinen Studienabschluss und Deinen künftigen Berufsweg viel Erfolg sowie auch privat alles Gute! Vielen Dank für das Gespräch.

Mario Steinebach
15.11.2022

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