Navigation

Springe zum Hauptinhalt
Pressestelle und Crossmedia-Redaktion
„Uni aktuell“-Meldungen
Uni aktuell Forschung

„Kulturweg der Vögte“ lädt zum Entdecken ein

Professur für Deutsche Literatur- und Sprachgeschichte des Mittelalters und der Frühen Neuzeit der TU Chemnitz macht Lust auf eine Reise in das Vogtland der Vormoderne – Mehrsprachiger Kulturführer verknüpft touristische Angebote und erläutert historische Hintergründe

Das kulturhistorisch-touristische Großprojekt „Kulturweg der Vögte“, das einen neuen Bogen zwischen Deutschland und Tschechien gespannt hat, ist abgeschlossen. Von 2016 bis 2020 wurde das mit 1,7 Millionen Euro aus dem Europäischen Fond für regionale Entwicklung (EFRE) geförderte Projekt im Bereich Kulturtourismus mit Beteiligung der Professur für Deutsche Literatur- und Sprachgeschichte des Mittelalters und der Frühen Neuzeit vorangetrieben, um der kulturellen Hinterlassenschaft aus dem Herrschaftsgebiet der ehemaligen Vögte von Weida, Gera und Plauen zu neuer Sichtbarkeit zu verhelfen. Prof. Dr. Christoph Fasbender, Inhaber der Professur, ist dennoch nicht ganz glücklich, denn der „Kulturweg der Vögte“ sollte bereits zum Frühjahr 2020 mehr Neugierige ins sächsische, tschechische, thüringische und fränkische Vogtland locken, doch die Corona-Pandemie hat vielen der im Netzwerk vereinten 150 Sehenswürdigkeiten an etwa 80 Stationen in Thüringen, Bayern, Sachsen und Tschechien einen Strich durch die Rechnung gemacht. „Wir wissen natürlich noch nicht, was 2021 kommt“, sagt Fasbender. Da habe es seinen Vorteil, dass das Vogtland eine tausendjährige Kulturlandschaft sei und „uns nicht wegläuft“.

„Marktanalysen im Vorfeld des Projektes hatten gezeigt, dass das Vogtland bis 2016 bevorzugt als Region für Biker und Wanderer beworben wurde. Die vielen alten Burgen, Schlösser, Rittergüter, Kirchen oder Klöster, die in den Wäldern und auf den Bergen gleichsam sprachlos herumstehen, bleiben dabei zumeist links liegen“, so die Einschätzung des  Chemnitzer Wissenschaftlers. Es fehle, was die Präsentation der Kulturdenkmäler angehe, jenseits der Metropole Plauen an einer stabilen, nachhaltigen Infrastruktur. „Es war daher das Hauptziel des Chemnitzer Teilprojekts, das verfügbare Wissen über das vormoderne Vogtland verlässlich zusammenzutragen, zu perspektivieren und den Interessierten Geschichte zu erzählen die Geschichte, die den Gebäuden eingeschrieben ist, aber auch die Geschichten, die sich an die Orte gelagert haben“, erläutert Fasbender.

Der Kulturführer „Kulturweg der Vögte. Entdeckungsreisen in das Vogtland der Vormoderne“ liegt nun als ein wesentliches Ergebnis des Forschungsprojektes in drei Ausgaben vor einer deutschen, einer englischen und einer tschechischen. „Die Förderung unseres Projekts hat es ermöglicht, dass die jeweils 450 reich bebilderten Seiten für ein Taschengeld zu bekommen sind“, so der Chemnitzer Professor. Das Buch soll nun Neugierige ins Vogtland locken, aber es soll sich auch auf das Selbstverständnis der Kulturregion auswirken. „Daten und Zahlen zu dieser Region gibt’s im Internet. Gute Erzählungen, die uns noch auf dem Heimweg beschäftigen, gibt’s eher nicht.“ Das touristische Potential des Kulturwegs der Vögte sei groß, können doch entlang der Strecke etwa in die Vergangenheit zielende Musikinteressen, mittelalterliches Essen und Trinken sowie die historische Waffenkunde zueinander und zu den Touristen gebracht werden. Dazu zählen aber auch, das große Potenzial der Novellen, Sagen und Romane zu diesem Thema – zum Beispiel für Lesungen und Theaterstücke in historischem Ambiente“, sagt der Wissenschaftler.

Besonders liegt Fasbender die sächsisch-tschechische Dimension des kulturhistorisch-touristischen Projektes am Herzen: „Das tschechische Vogtland, oder besser: der Teil Tschechiens, der einmal zum Land der Vögte gehörte, hat durch die gesellschaftlichen Veränderungen der zurückliegenden Jahrhunderte diesen Teil seiner Geschichte weitgehend verloren. Deswegen bin ich besonders froh, dass der Kulturführer auch auf Tschechisch vorliegt. Für viele Bürgerinnen und Bürger in unserem Nachbarland wird das der erste Kontakt mit diesem Teil ihrer Vergangenheit werden.“ Auch das Schülertheaterstück, das seine Mitarbeiterin Luca Kirchberger im Rahmen des Projekts geschrieben und mit Grundschulen im Vogtland erarbeitet hatte, liegt seit ein paar Tagen gedruckt auch in tschechischer Übersetzung vor. „Die mittelalterliche Schauernovelle vom jungen Mädchen, das ihren beim König in Ungnade gefallenen vögtischen Vater aus der Gefangenschaft befreit, indem es sich furchtlos allerlei Gefahren stellt: die funktioniert gewiss auch mit tschechischen Schülerinnen“, ist Fasbender überzeugt.

„Wir können das alles ohnehin nicht so stehen lassen. Die Bücher wollen vorgestellt und studiert, die Theaterstücke gespielt, die Tafeln an vielen Gebäuden entlang des Kulturweges angebracht und die mehrsprachigen Objektflyer, die wir dazu geschrieben haben, gelesen werden. Und ich würde mich auch freuen, wenn auch die Ergebnisse unserer wissenschaftlichen Tagung ‚Das Vogtland, die Vögte und die Literatur des Mittelalters‘, die im  April 2018 in Cheb stattfand, in Fachkreisen Beachtung fänden“, so Fasbender abschließend.

Bibliografische Angaben der deutschen Ausgabe: Fasbender, Christoph: Kulturweg der Vögte: Entdeckungsreisen durch das Vogtland der Vormoderne. Regensburg: Verlag Schnell & Steiner. 448 Seiten, ISBN 978-3795435400, Preis: 20 Euro

Multimedia: Der Tourismusverband Vogtland e.V., einer der elf Projektpartner, lädt in einem Film zu einer „Entdeckungsreise auf dem Kulturweg der Vögte“ ein. Im Video ist auch Professor Fasbender zu sehen und zu hören.

Kontakt: Prof. Dr. Christoph Fasbender, Tel. +49 371 531-37866, E-Mail christoph.fasbender@phil.tu-chemnitz.de

Mario Steinebach
02.02.2021

Alle „Uni-aktuell“-Artikel
Hinweis: Die TU Chemnitz ist in vielen Medien präsent. Einen Eindruck, wie diese über die Universität berichten, gibt der Medienspiegel.

Presseartikel