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Emigration im Fokus

Prof. Dr. Birgit Glorius vom Institut für Europäische Studien und Geschichtswissenschaften nahm als Migrationsexpertin an einer Konferenz in der tadschikischen Hauptstadt Dushanbe teil

Am 16. und 17. September nahm Prof. Dr. Birgit Glorius vom Institut für Europäische Studien und Geschichtswissenschaften der Technischen Universität Chemnitz auf Einladung der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) sowie der National Bank of Tadjikistan an einer Konferenz in der tadschikischen Hauptstadt Dushanbe teil. Die Konferenz mit anschließendem Workshop versammelte Finanzexpertinnen und -experten aus Zentralasien, um gemeinsam über Strategien der „financial education“ bzw. „financial literacy“ zu beraten. Diese Begriffe vereinen individuelle Aspekte der ökonomischen Bildung, angefangen bei der individuellen Haushaltsführung und Finanzplanung über Spar- und Investitionsstrategien bis hin zu komplexeren Themen wie Steuersystemen oder Rentenmodellen. Die OECD hat im Nachgang der Weltfinanzkrise 2008 ein Programm lanciert, das die Entwicklung nationaler Strategien für ökonomische Bildung und Finanzwirtschaft unterstützt. Damit sollen nicht nur individuellen Fähigkeiten der finanziellen Vorsorge gefördert, sondern ein genereller Beitrag zur finanziellen Stabilität und Entwicklung eines Landes geleistet werden.

Die Konferenz förderte die Vernetzung der Staaten Zentralasiens und brachte einen fruchtbaren Wissensaustausch in Gang, bei dem erfolgreiche Projekte und Strategien der ökonomischen Bildung geteilt wurden. Glorius‘ Rolle als Migrationsexpertin war es, die Aufmerksamkeit der Konferenzteilnehmer auf die Bedürfnisse von Migranten zu richten. Alle Länder Zentralasiens sind stark von Emigration betroffen. Aus Tadschikistan emigrierten 2018 rund 480.000 Menschen, vor allem nach Russland und Kasachstan. Ihre Geldrücksendungen machen jährlich zwischen 30 und 50 Prozent des  Bruttoinlandsprodukts aus. Damit sind Migranten und ihre Rücksendungen eine wichtige Zielgruppe für Fragen der ökonomischen Bildung und Inklusion, zugleich aber auch eine besonders vulnerable. Denn viele Arbeitsmigranten arbeiten illegal in den Zielländern, häufig in prekären Arbeitsverhältnissen. Ihre Einkünfte sind zudem starken Schwankungen unterworfen, was finanzielle Investitionen schwer planbar macht. Dennoch können in Migranten auch aus Sicht der Herkunftsländer viele Potenziale gesehen werden.

Am Beispiel von Wanderungsprozessen innerhalb der Europäischen Union zeigte Glorius die Vielfalt transnationaler Netzwerkbeziehungen zwischen mobilen und nicht-mobilen Bevölkerungsgruppen auf, sowie die Möglichkeiten, durch Rückwanderung Wissen und Kapital im Herkunftsland in Wert zu setzen. Hindernisse für erfolgreiche Rückkehr liegen häufig in fehlenden Informationen bzw. grundsätzlich fehlender Einstimmung auf die Lebensrealitäten im Herkunftsland. Vielfach, das zeigen die Daten aus der innereuropäischen Migration, werden die Hürden der Rückwanderung von den Emigranten viel höher eingeschätzt, als sie sich nach der Rückkehr tatsächlich darstellen. Dennoch bedarf eine erfolgreiche Rückkehr und Wiedereingliederung sorgfältiger Vorbereitung. Deshalb, so Glorius, sollten staatliche Unterstützungsprogramme bereits vor der Ausreise ansetzen, einen regelmäßigen Informationsfluss während der Emigration gewährleisten, um bereits vor der Rückkehr mit Information und Beratung die Re-Integration in das heimische Wirtschaftssystem zu unterstützen.

Mario Steinebach
24.09.2019

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