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„Langeweile kommt nie auf“

Uwe Beck ist Alumnus der Technischen Hochschule Karl-Marx-Stadt und seit August 2015 Schulleiter an der Deutschen Schule in Moskau – Im Interview berichtet er von den Besonderheiten seines Arbeitsalltags in Russland

Vor einigen Wochen konnten wir verkünden, dass die TU Chemnitz künftig ein Projekt zur digitalen Bildung an Grundschulen leitet. Beschäftigt Sie das Thema Digitalisierung auch an Ihrer Schule in Moskau?

Das ist an und für sich eine schwierige Frage. Wenn man die sächliche Ausstattung der Deutschen Schule Moskau betrachtet, so signalisiert diese ein deutliches „Ja“. In allen Unterrichtsräumen sind Beamer und Laptops vorhanden und sehr viele Räume sind mit interaktiven Tafeln ausgestattet.

In der Umsetzung sind wir, bedingt durch die Ausstattung, ebenfalls sehr weit. Schulungen der neuen Lehrkräfte zu Beginn des Schuljahres gewährleisten auch, dass die Lehrkräfte die Ausstattungen im Unterricht konsequent nutzen können. Wichtig ist, meiner Meinung nach, aber eine ausgewogene, methodisch-didaktische Vorbereitung des Unterrichts. Neue Medien allein machen noch keinen guten Unterricht aus.

Wir wird man Direktor der Deutschen Schule in Moskau?

An und für sich ist es eine normale Bewerbung über die Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA). Allerdings bietet es sich an, bereits im Inland Erfahrungen in der Schulleitung gesammelt zu haben. Hier konnte ich gut punkten, da ich in Dresden und in Heidenau bereits als Schulleiter im Gymnasium arbeiten konnte.

Das Bewerbungsverfahren setzt eine Freigabe durch das eigene Bundesland voraus, dem sich dann ein Auswahlverfahren anschließt. Verbunden ist das Ganze mit einer umfangreichen Bewerbung und entsprechenden Gesprächen, auch vor Ort. In Moskau konnte ich mich der gesamten Schulgemeinschaft vorstellen und wurde dann durch den Vorstand des Schulvereins, mit Zustimmung aller Gremien, bestätigt.

Was wünschen Sie sich für Ihre weitere Arbeit an Ihrer Schule?

Hier in Moskau sind die Wünsche in der Regel erfüllbar, oder bereits erfüllt. Die Gebäude sind in einem sehr guten baulichen Zustand, der Stand der Sanierungen ist top. Es existieren moderne, naturwissenschaftliche Kabinette, Musik- und Kunsträume. In allen Räumen sind WLAN und Apple-TV vorhanden, mit denen die interaktiven Tafeln, MacBooks und iPads einer sehr guten Nutzung zugeführt werden.

Das Fachraumprinzip wurde jetzt überarbeitet und die Raumnutzung effektiver gestaltet. Durch den Kellerausbau ist eine Erhöhung der Zahl an für den Unterricht nutzbaren Räumen erfolgreich abgeschlossen. Wünschen würde ich mir aber, dass sich die Beziehungen zwischen Deutschland, Europa und Russland wieder normalisieren würden. Dies wäre meiner Ansicht nach für alle Seiten ein Vorteil.

Welche Besonderheiten gibt es in Ihrem Berufsalltag?

Die wichtigste Erfahrung in Moskau ist, dass die Uhren anders ticken. Zeit ist hier sehr kostbar, da diese eben limitiert ist. Durch die großen Entfernungen benötigt man einiges an Zeit, um selbst mit der Metro zügig an sein Ziel zu kommen. Der Arbeitstag ist auch anders strukturiert, als ich es von Deutschland her gewohnt bin. Viele zusätzliche Veranstaltungen unserer externen Partner wie dem Goethe-Institut, der Außenhandelskammer, den Rotarier-Clubs, der Botschaft, von der die Schule eine Abteilung ist, russischen Stellen und natürlich den eigenen schulischen Veranstaltungen führen dazu, dass der Tag oft mehr als zwölf Stunden Arbeitszeit umfasst.

Da die Arbeit aber immer interessant ist, man sehr viele, hochinteressante Personen kennenlernt und selbst immer am Lernen ist, kommt zum einen nie Langeweile auf und zum anderen vergeht auch die Zeit rasend schnell.

Verfolgen Sie aus der Ferne die Entwicklungen in Chemnitz?

Ja, mache ich, aber nicht nur in Chemnitz, sondern in ganz Europa. Mit dem räumlichen Abstand ergeben sich andere Blickwinkel und mit den in Moskau gemachten Erfahrungen erst recht.

Was würden Sie von Ihren Erfahrungen in Moskau zurück nach Deutschland bringen?

Eine größere Gelassenheit, Erfahrungen im Umgang mit den verschiedensten Menschen, denen man in Deutschland nicht begegnen würde. Ich glaube auch, eine größere Portion Selbstvertrauen in die eigene Leistungsfähigkeit, in das eigene Können, sind einige der Dinge, die ich im Herzen mitnehmen möchte. Und natürlich die Gedanken an viele der Menschen, mit denen ich als Kollege, als Schulleiter zusammenarbeiten durfte. Aber auch die Erinnerung an die Menschen, die man außerhalb der Schule im russischen Umfeld kennengelernt hat, sind ein wichtiger Erfahrungsschatz, den ich aus Moskau mitnehmen werde.

(Interview: Evamaria Moore)

Matthias Fejes
11.07.2019

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