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Strukturwandel in der Automobilwirtschaft aktiv gestalten

Studie des Chemnitz Automotive Institute (CATI) der TUCed sieht mehr Chancen als Risiken für Automobil­standort Thüringen - Land legt „Automotive Agenda Thüringen“ vor

Thüringen kann trotz des voranschreitenden Transformationsprozesses mit einem weiteren Beschäftigungsaufbau in der Automobilindustrie rechnen. Das sagte Thüringens Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee heute beim 9. Weimarer Wirtschaftsforum mit Blick auf eine vom Land beauftragte Studie des Chemnitz Automotive Institute (CATI) , eines Geschäftsbereich der TUCed – An-Institut für Transfer und Weiterbildung GmbH an der Technischen Universität Chemnitz, zu „Mög­lichkeiten der Zukunftssicherung für die Automobilzulieferindustrie in Thüringen“. „Die Thüringer Kfz-Branche kann vom Umbruch profitieren, wenn Industrie und Politik sich rechtzeitig auf die Veränderungen einstellen und jetzt gemeinsam die Weichen stellen“, sagte Tiefensee. Dazu legte der Minister heute eine „Automotive Agenda Thüringen“ vor, die die Handlungsfelder und erste konkrete Maßnahmen beschreibt. Das Strategiepapier ist auf Grundlage der CATI-Studie im Rahmen des bereits im letzten Jahr gestarteten „Branchendialogs Automobil“ gemeinsam mit Wirtschaft, Gewerkschaften und Unternehmerverbän­den entwickelt worden.

„Die Automobilindustrie in Thüringen ist eine Wachstumsbranche, deren Umsätze seit 2010 um 28 Prozent und deren Beschäftigtenzahlen um 17 Prozent gestiegen sind“, sagte Prof. Dr. Werner Olle, Studienleiter und Direktoriumsmitglied des CATI: „Sie hält damit Schritt mit dem Wachstum der deutschen Automobil­industrie insgesamt.“ In seiner Studie hat das CATI die spezielle Situation der Thüringer Automobilbranche vor dem Hintergrund aktueller Entwicklungen und Trends analysiert. Die Analyse wertet Daten von 172 Zulieferunterneh­men mit ca. 40.000 Beschäftigten aus. Ausgehend davon stellt das CATI der Automobilwirtschaft im Freistaat eine positive Entwicklungsprognose aus. Bis zum Jahr 2030 könnten mit der Entstehung neuer Märkte, Produkte und Pro­zesse bis zu 5.000 zusätzliche Arbeitsplätze entstehen – ein Plus von gut zwölf Prozent. Dem stehen im selben Zeit­horizont mögliche Arbeitsplatz­risiken von knapp 4.000 Jobs (-9,8 Prozent) gegenüber. „Die Chancen des Strukturwandels überwiegen die Risiken“, sagte Tiefensee. „Das ist erst einmal eine gute Nachricht für die Automobil­branche in Thüringen.“

Allerdings: Gerade im Produktbereich „Antrieb/Fahrwerk“, der die Thüringer Fahrzeugbranche mit 35 Prozent der Unternehmen und 48 Prozent der Be­schäftigten dominiert, sind die Risiken am größten: Bis zu 15 Prozent der Arbeitsplätze könnten hier aufgrund des Strukturwandels wegfallen, lediglich 4,3 Prozent neu entstehen. Andererseits überwiegen in den übrigen drei Pro­duktbereichen der Fahrzeugindustrie – „Karosserie/Exterieur“, „Interieur“ und „Elektrik/Elektronik“ – die Chancen deutlich, am deutlichsten im Bereich „Elektrik/Elektronik“, in dem einem Wegfall von 3,1 Prozent der Arbeitsplätze ein Beschäftigungsaufbau von mehr als 30 Prozent gegenüberstehen könnte.

Um die Chancen zu nutzen und die potentiellen Risiken zu minimieren, legte der Wirtschaftsminister heute zugleich eine „Automobile Agenda Thürin­gen“ vor. Diese beschreibt, ausgehend von der CATI-Studie und dem dort beschriebenen Handlungsbedarf, acht wichtige Handlungsfelder für Wirt­schaft und Politik in Thüringen und erste konkrete Maßnahmen.

Zu den Handlungsfeldern und Maßnahmen zählen u. a.:

Gewinnung von Kompetenzen und Investitionen – Schließung von Wertschöpfungsketten – Standortmarketing forcieren

•        Erstellung eines Thüringer Kompetenzatlas für automobile Zukunfts­themen

•        Akquisitions- und Ansiedlungsoffensive in automobilen Wachstums­feldern (E-Mobilität, Batterie, Leichtbau, Fahrzeugvernetzung etc.)

Stärkung von Clustern

•        Einrichtung einer Strategiegruppe „Automobiler Leichtbau“ aus Ver­tretern von Wirtschaft und Wissenschaft

•        Unterstützung überregionaler Kooperationen zum Thema „Brennstoff­zelle“

•        Ausbau der Clusterstruktur im Bereich „Sensorik“

•        Schaffung einer zentralen Plattform „eMobility Thüringen“

•        Hierfür ist grundsätzlich die Förderung einer Geschäftsstelle mit bis zu 500.000 Euro pro Jahr möglich.

Unterstützung innovativer Forschungsprojekte

•        Initiierung von „Vorprojekten“ zu den Themen intelligenter Mischbau, Elektrifizierung von Antriebs- und Fahrwerkskomponenten, Interieur der Zukunft, „sehendes Auto“, car-to-infrastructure

•        Weiterentwicklung der Thüringer Forschungskomptenzen im Konzept­leichtbau (ThIMo Ilmenau)

•        Förderung erfolgt aus Mitteln der Forschungs- und Technologieförde­rung des TMWWDG im Rahmen der Weiterentwicklung der Innova­tionsstrategie RIS3 Thüringen

•        Initiierung eines „Innovation-Hubs“ zum Thema Mobilität als ein von der Wirtschaft getragener Ideengeber für Innovationen – Anschub­finanzierung mit Unterstützung des TMWWDG beginnt noch 2018

Fachkräftegewinnung

•        Anreize und Werbung für unternehmensübergreifende Berufsausbil­dung

•        Adaption des „Master+“-Programms des OptoNet e.V. durch den automotive thueringen e.V.

•        Erarbeitung inhaltlicher Schwerpunkte und Qualifizierungsangebote in den Zukunftsfeldern der Automobilproduktion

•        Förderung entsprechender Projekte über den ESF

Branchenmonitoring

•        Definition und regelmäßige Erhebung der wichtigsten Kennzahlen zur Automobilindustrie

•        regelmäßige Expertengespräche, Scouting von Branchentrends

Finanzierung

•        Workshops zu den Auswirkungen des Strukturwandels auf die Finanzierung und Finanzierungshilfen für KMU

„Der Strukturwandel in der Automobilindustrie ist ein evolutionärer Prozess, dem wir nicht hilflos ausgeliefert sind, sondern der gestaltet werden kann“, sagte Tiefensee. Das sei das wichtigste Fazit der heute vorgestellten CATI-Studie. Die neuen Trends und Herausforderungen seien Chance und Risiko zugleich. „Ein positiver Ausgang ist deshalb kein Selbstläufer – aber wir haben es selbst in der Hand, die Entwicklung positiv zu beeinflussen.“ Dabei zielen die Maßnahmen der „Automotive Agenda“ darauf ab, einerseits den Bestand zu sichern und Risiken zu minimieren und andererseits neue Wachstumsmärkte für Thüringer Unternehmen zu erschließen. Solche neue Wachstumsmärkte sieht Studienleiter Olle insbesondere in Feldern, die eine Integration von in Thüringen vorhandenen Kompetenzen und Technologien erfordern. „Wachstumspotentiale eröffnen sich z.B. beim Interieur künftiger Fahrzeuge, in dem neue Materialien, smarte Oberflächen und neue Funktio­nalitäten miteinander verbunden werden“, so Olle. Auch im technologisch komplexen Feld des autonomen Fahrens, in dem auf dem Weg zum „sehen­den Auto“ die Integration von Elektronik/Sensorik, Software und optischen/ photonischen Technologien eine hohe Bedeutung zukommt, sei Thüringen gut aufgestellt.

Ein weiterer wichtiger Ansatzpunkt ist aus Sicht des Wirtschaftsministers eine stärkere Zusammenarbeit der vielen kleinen und mittelständischen Unterneh­men in Thüringen. Auch darauf wolle man mit der „Automotive Agenda Thü­ringen“ hinwirken. „Die Zukunft für die Thüringer Branche liegt in einer regel­mäßigen, projektbezogenen Kooperation“, sagte Tiefensee. Nur durch eine kooperative und damit höhere Wertschöpfung werde es der Branche gelin­gen, ausreichend Innovations- und Investitionskraft zu entfalten, um die an­stehenden Umbrüche zu bewältigen. Das Land unterstütze diese Bemühun­gen schon heute beispielsweise durch die Förderung der Verbundforschung und die Schaffung digitaler Plattformen.

Für die IG Metall stellte Bezirksleiter Jörg Köhlinger die Herausforderungen aus der Perspektive der Beschäftigten heraus: „Aus Sicht der IG Metall ist es von entscheidender Bedeutung, der Herausforderung des Fachkräfteman­gels mit ‚Guter Arbeit‘ zu begegnen. Hier haben Arbeitgeberverbände, Lan­desregierung und Gewerkschaften alle Möglichkeiten, die Arbeitsplätze in der Automobil- und Zuliefererindustrie so zu gestalten, dass uns dies gelingt. Die Erfolgsfaktoren heißen Tarifbindung, gute Entgelte, familienfreundliche Arbeitszeiten und eine abgestimmte Qualifizierungsoffensive. So wird der Arbeitsmarkt auch für Menschen außerhalb Thüringens attraktiv.“

Hintergrund: 9. Weimarer Wirtschaftsforum

Der Titel des diesjährigen 9. Weimarer Wirtschaftsforums lautete: „Thüringen 2030 – Chancen des Strukturwandels“. Im Fokus standen sowohl mittelfris­tige Strukturveränderungen wie die digitale Transformation, der demogra­phische Wandel und die Umwälzungen in der Automobilindustrie als auch tagesaktuelle Themen wie die zunehmenden Handelskonflikte. Auch in diesem Jahr konnten renommierte Experten für die Veranstaltung gewonnen werden, darunter Prof. Dr. Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) Berlin, oder Prof. Dr. Gabriel Felber­mayr, Leiter des ifo-Zentrums für Außenwirtschaft München – beide unter den TOP 10 des aktuellen FAZ-Rankings der einflussreichsten Ökonomen Deutschlands. Mehr als 460 Teilnehmer – Unternehmer, Wissenschaftler, Vertreter von Politik und Verbänden – hatten sich zu der Veranstaltung im Weimarer congress centrum angemeldet.

Die „Tiefenanalyse zu Möglichkeiten der Zukunftssicherung der Automobilindustrie in Thüringen“ des Chemnitz Automotive Institute (CATI) sowie die „Automotive Agenda Thüringen“ finden Interessierte unter www.thueringen.de/th6/tmwwdg/service/pressemitteilungen/106667

Stichwort: Chemnitz Automotive Institute (CATI)

Das 2015 gegründete Chemnitz Automotive Institute (CATI) ist ein Projektbereich eines An-Instituts der Technischen Universität Chemnitz, der TUCed – An-Institut für Transfer und Weiterbildung GmbH. Der Geschäftsbereich CATI orientiert sich in seiner Forschungsarbeit an den künftigen Strukturveränderungen in der Automobilindustrie (Markt – Produkt – Prozess) und hat zum Ziel, gewonnene Forschungsergebnisse mit Transferpartnern insbesondere in die mittelständische Zulieferindustrie zu transferieren. Dabei  kooperiert CATI mit Automobil-Netzwerken sowie Praxispartnern aus Industrie, Forschung und Weiterbildung. Über die TUCed, die u. a. einer der Konsortialpartner des Mittelstand 4.0 Kompetenzzentrums Chemnitz ist, besteht zudem eine enge Verzahnung mit anderen Instituten der Universität wie dem Institut für Betriebswissenschaften und Fabriksysteme.

Kontakt: TUCed – An-Institut für Transfer und Weiterbildung GmbH, CATI - Chemnitz Automotive Institute, Prof. Dr. Werner Olle, Telefon 0371 243512-512, E-Mail werner.olle@cati.institute, http://www.cati.institute

(Quelle: u. a. Pressemeldung des Thüringer Wirtschaftsministeriums)

Mario Steinebach
10.09.2018

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