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Was das Heimat-Herz begehrt

Deutsch-Belgisches Forschungsteam unter TU-Führung untersucht Zusammengehörigkeitsgefühl von Minderheiten – Ausweitung auf Regionen in Sachsen geplant

Ein starkes Zugehörigkeitsgefühl zu einer regionalen Minderheit bedingt nicht automatisch die Ablehnung eines übergeordneten Staates oder eine Nation, sondern kann sich positiv auf das Verhältnis zu dieser übergeordneten Nation auswirken. Das fanden Forscher der Technischen Universität Chemnitz und der Universität Ghent in einer Studie mit Teilnehmerinnen und Teilnehmern der deutschsprachigen Minderheit in Eupen (Belgien) heraus. Eupen ist die Hauptstadt der deutschsprachigen Region in Belgien.

Federführend an der Studie beteiligt waren Jun.-Prof. Dr. Frank Asbrock, Juniorprofessur Sozialpsychologie der TU Chemnitz, und Prof. Dr. Alain Van Hiel, Sozialpsychologe an der Universität Ghent. Die Ergebnisse sind kürzlich in der Fachzeitschrift „Psychologica Belgia“ erschienen. Sie legen die Grundlage für weiterführende Untersuchungen hinsichtlich der Gruppenzugehörigkeit von regionalen Minderheiten auch in Deutschland. „Die Ergebnisse zeigen, dass die Identifikation mit einer regionalen Minderheit nicht gleichzeitig mit Abwertung anderer Gruppen und einer Ablehnung eines übergeordneten Staates einhergehen muss“, fasst Prof. Asbrock die Ergebnisse zusammen. So sei die deutschsprachige Minderheit in Belgien im Vergleich zu den beiden großen Gruppen der Wallonen und Flamen kaum sichtbar, zeige aber eine konstruktiv-kritische Haltung zu Belgien, was bei den beiden großen Gemeinschaften weniger stark zu sehen sei, so Asbrock.

Wie sich Nicht-Zugehörigkeit auf die eigene Lebenswirklichkeit auswirkt

Im Rahmen der Studie erfasste das Team um Frank Asbrock und Alain Van Hiel mit Fragebögen die Einstellungen der Bewohnerinnen und Bewohner in Eupen zur eigenen Gruppe, der deutschsprachigen Minderheit, sowie Zugehörigkeit oder Nicht-Zugehörigkeit zu Belgien und den unterschiedlichen Gemeinschaften des Landes. „Für unsere Forschung hier vor Ort in Chemnitz werfen die Ergebnisse die Frage auf, wie sich regionale Identifikation und Desidentifikation mit dem übergeordneten Staat auswirken, zum Beispiel hier in Sachsen“, gibt Asbrock einen Ausblick

Derzeit bereitet sein Team an der TU Chemnitz eine Studie vor, in der untersucht werden soll, wie regionale Identifikation, etwa in Form der sogenannten „Heimatliebe“ in Sachsen, mit der Identifikation und Disidentifikation mit Deutschland einhergehen und so politische Einstellungen und gesellschaftliches Handeln beeinflussen. Nicht nur mit Blick auf die nächste Landtagswahl 2019 sei dies ein hochaktuelles Thema, sagt Asbrock.

Zur Methodik der Studie

Die Forscher untersuchten auch die Wahrnehmung der Bevölkerung von Konflikten zwischen den belgischen Sprachgemeinschaften, ihre Partei-Präferenzen und sowie ihre Einstellungen gegenüber politischer Reformen in Belgien; zum Beispiel mehr Autonomie für die unterschiedlichen Regionen, Anschluss der deutschsprachigen Gemeinschaft an Deutschland oder die Zerschlagung des belgischen Staates in unabhängige Regionen.

Insgesamt wurden 1.000 Briefe mit Fragebögen an Haushalte in Eupen verteilt. 129 Personen schickten ausgefüllte Fragebögen zurück.

Weitere Informationen erteilt Junior-Prof. Dr. Frank Asbrock, 0371 531-31678, E-Mail frank.asbrock@psychologie.tu-chemnitz.de

Hinweis zur Veröffentlichung: Asbrock, F. & Van Hiel, A., (2017). An insiders’ outside perspective on the Flemish-Walloon conflict: The role of identification and disidentification for the German-speaking minority. Psychologica Belgica, 57, 115–131. doi: 10.5334/pb.347

Matthias Fejes
07.12.2017

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