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EU-Forschungsprojekt zur vorausschauenden Wartung in der Produktion startet

Wissenschaftler der TU Chemnitz arbeiten ab November 2017 an einer Plattform, die sowohl für die Klein- als auch für die Großserienfertigung und für die kontinuierliche Produktion anwendbar sein soll

„Früher schauten die Gelehrten in die Sterne, um die Zukunft vorauszusagen“, schmunzelt Mario Lorenz, Wissenschaftler an der Professur Werkzeugmaschinen und Umformtechnik der Technischen Universität Chemnitz. „Heute benutzen wir dafür ein Tablet oder eine Datenbrille.“ Sie sollen dem Produktionslinienmanager während der Fertigung wichtige Informationen für die Instandhaltungsplanung anzeigen und potenzielle Störfälle aufdecken, bevor sie sich ereignen. Hauptziele des Projekts sind kürzere Wartungszeiten, weniger ungeplante Wartungen und eine Erhöhung der Maschinenverfügbarkeit um 15 Prozent. Das spart Instandhaltungs- und Servicekosten, erhöht die Fertigungsqualität und steigert die Produktivität. Die Analyse der Zustandsdaten von Maschinenkomponenten, die mit Hilfe von Sensoren ermittelt werden, soll außerdem für Energie- und Ressourceneinsparungen und für die Weiterentwicklung der Maschinen genutzt werden. Die besondere Herausforderung, so erklärt Lorenz, liege bei diesem Projekt in der Anwendbarkeit für verschiedene industrielle Bereiche. „Insgesamt sollen drei Demonstratoren entstehen, die beispielhaft für die Produktion von geringen Stückzahlen in der Maschinenteilefertigung, für die Massenproduktion in der Automobilindustrie und für die kontinuierliche Fertigung in einer Papierfabrik entwickelt werden.“

Insgesamt 17 Forschungs- und Industriepartner aus Schweden, Frankreich, Tschechien, Spanien, Griechenland und Deutschland werden in den nächsten drei Jahren in dem mit 6,15 Millionen Euro von der Europäischen Kommission geförderten Projekt zusammenarbeiten. Das Konsortium setzte sich bei der Beantragung gegen 56 andere Proposals im Horizon 2020-Programm durch, von denen insgesamt nur drei bewilligt wurden. „Wir freuen uns sehr über diesen Erfolg, der unsere Kompetenzen im Bereich Industrie 4.0 international noch sichtbarer macht“, betont Prof. Dr. Andreas Hirsch, Geschäftsführer der Professur Werkzeugmaschinen und Umformtechnik. Der schwedische Projektkoordinator Prof. Basim Al-Najjar von der Linaeus University war bei einem Matchmaking-Event im Rahmen der Industrial Technologies-Konferenz 2016 auf die Virtual- und Augmented-Reality-Spezialisten der TU Chemnitz aufmerksam geworden.

„Besonders viele EU-Anträge erreichen mich aus den Fakultäten Elektrotechnik und Maschinenbau, aber auch die Informatik und die Psychologie sind auf dem Vormarsch“, sagt Nadine Seyfarth, EU-Referentin der TU Chemnitz. Sie unterstützt die Antragsteller, prüft die Einhaltung der Kriterien zur Förderfähigkeit und übernimmt die Kommunikation mit den Partnern, wenn die TU Chemnitz als Projektkoordinator auftritt. „Dadurch verschaffe ich den Antragstellern Zeit für die inhaltliche Ausgestaltung ihrer Anträge“, erklärt sie weiter und empfiehlt allen Wissenschaftlern, sie möglichst frühzeitig mit einzubinden, um Fehler bei der Beantragung zu vermeiden. 

Interessenten zum Thema vorausschauende Wartung bzw. zu weiteren Aspekten der Anwendung von Virtual und Augmented Reality-Technologien können sich im Rahmen der 4. Fachkonferenz „VAR² - Realität erweitern“ am 6. und 7. Dezember 2017 an der TU Chemnitz informieren. Das Programm bietet neben hochkarätigen wissenschaftlichen Vorträgen zahlreiche praktische Anwendungsbeispiele u. a. von Microsoft, AUDI und Schindler Aufzüge, die das Thema Virtuelle Techniken umfassend beleuchten. Programm und Anmeldung unter www.var2.org.

(Autorin: Katja Klöden)

Mario Steinebach
06.11.2017

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