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Wie Häuser errichtet werden sollten

Welcher Baustil gefällt und was darf es kosten? Prof. Dr. Friedrich Thießen, Professor für Finanzwirtschaft und Bankbetriebslehre befragte deutschlandweit mehr als 600 Menschen

Herr Professor Thießen, Sie beschäftigen sich auch mit dem anhaltendem Bauboom und dem Stil, in dem Häuser errichtet werden. Was interessiert Sie dabei ganz besonders?

Ja, seit mehr als zehn Jahren prüfen wir, welche Baustile die Menschen mögen, wie ein Haus aussehen sollte und wie man ganze Straßenzüge zu gestalten hat, damit sich die Menschen wohlfühlen. Außerdem prüfen wir die Zahlungsbereitschaft für die präferierten Lösungen.

Ist das schwierig zu untersuchen?

Es gibt anerkannte Untersuchungsmethoden. Wir haben mittlerweile über 600 Personen in ganz Deutschland von Hamburg bis München über den genannten Zeitraum befragt. Die Ergebnisse sind stabil über die Zeit und über Regionen hinweg. Wenn man bedenkt, dass in anderen Wissenschaften die Ergebnisse einer Untersuchung häufig in einer zweiten Untersuchung gar nicht mehr auftreten, sind das wirklich beachtenswerte Resultate.

Was wollen denn die Menschen?

Die Menschen in unserem Land lieben den klassischen Stil. Die Kargheit der neuen weißen „Bauhäuser“ gefällt überwiegend nicht. Fassaden müssen gestaltet, also dezent verziert sein. Vor allem muss eine ganze Häuserzeile homogen bebaut sein. Heterogenität, jeder baut wie er will, wird ganz stark abgelehnt. Ein Haus wird nicht allein wahrgenommen, sondern immer im Kontext anderer Häuser. Das vergessen viele. Einer kommt aus Norddeutschland nach Sachsen und baut sich ein Klinkerhaus. Jahre später bemerkt er, dass das ein Fehler war, aber es sei ihm damals wichtig gewesen, sich an seine alte Zeit zu erinnern.

Kann man denn überhaupt allgemeine Ratschläge zum Hausbau geben, ist nicht der Geschmack individuell?

Nein. Bei unseren Befragungen zeigen sich stabile Ergebnisse über alle Bevölkerungsschichten hinweg. Es gibt keine Unterschiede nach Bildung, nach Einkommen, nach Alter und nach Geschlecht. Selbst 10- bis 15-jährige Kinder haben schon ein Stilempfinden wie die Älteren. Wenn Menschen durch eine Straße gehen und die Häuser betrachten, haben sie ähnliche Empfindungen, wie alle anderen auch. Aber wenn sie das Portemonnaie aufmachen und bezahlen sollen, dann sind viele etwas knauserig. 50 Prozent haben überhaupt keine Zahlungsbereitschaft für die Lösung, die sie eigentlich präferieren. Das erklärt möglicherweise, warum so viele Bauunternehmer auf die Bauelemente verzichten, welche die Menschen eigentlich wollen und warum sich der frugale, karge Bauhausstil so schnell verbreitet.

Kann man daraus ableitend überhaupt Ratschläge geben?

Sehr viele und sehr konkrete. Das betrifft zuerst den Städtebau. Kommunen sollen mehr mit dem Instrument der Gestaltsatzung arbeiten und Regeln vorgeben, wie zu bauen ist. Dadurch entstehen homogene Bauensemble. Gebäude in homogenen Bauensemblen haben höhere Werte als in heterogenen. Innerhalb der Regeln kann sich dann jeder gestalterisch austoben. Dann zu den Bauherren: Sie sollten sich beschränken. Wenn in einer Straße rote Dächer üblich sind, sollte man nicht ein schwarzes Schieferdach decken, um etwas Besonderes darzustellen. Und wenn eine Straße aus spitzgiebligen Häusern besteht, dann sollte man kein flaches Bauhaus hineinsetzen. Auch mit der Farbe sollte man sich anpassen. Man muss dabei nicht einen Einheitsstil pflegen. Sich grundsätzlich homogen in eine Bausituation einzupassen und dabei etwas Besonderes zu bauen – das ist die Kunst. Wer den berühmten Marktplatz in Brüssel vor Augen hat, weiß was gemeint ist.

Mario Steinebach
07.04.2017

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