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Chemnitz aus unterschiedlichen Perspektiven entdecken

Neue App „Industriegeschichte erleben“ ermöglicht auf acht Routen facettenreiche Stadtrundgänge mit historischen und zeitgenössischen Impressionen

Die Entwicklung der Stadt Chemnitz ist stark mit unterschiedlichen Phasen der industriellen Entwicklung verknüpft. Einst als „Sächsisches Manchester“ bezeichnet, entwickelte sich Chemnitz in der sozialistischen Epoche zu einem wichtigen Industriestandort der DDR. Nach der Wende folgte eine Phase der De-Industrialisierung. Inzwischen hat sich Chemnitz zu einem Technologiestandort entwickelt. Aus allen Epochen lassen sich noch Spuren im Stadtbild finden. Im Rahmen des Projektes „Industriegeschichte erleben“, das von Jun.-Prof. Dr. Birgit Glorius, Professur Humangeographie Ostmitteleuropas an der TU Chemnitz, gemeinsam mit der Chemnitzer Dipl.-Geografin Katja Manz konzipiert wurde, begaben sich Schülerinnen und Schüler der Klassen 7 bis 11 des Chemnitzer Schulmodells und der Freien Waldorfschule Chemnitz auf Spurensuche und setzten sich mit der Stadtentwicklung von Chemnitz auseinander. Sie recherchierten im Archiv, führten Passanten- und Zeitzeugen-Interviews, bereiteten Medientexte zu unterschiedlichen Ereignissen auf und dokumentierten eigene Erfahrungen und Bewertungen zu den Entwicklungen der Stadt. Ihr Beobachtungsraum umfasste das Areal zwischen Schlossteich, Brühl-Boulevard, Straße der Nationen, Brückenstraße bis zum früheren „Conti-Loch“. Begleitet wurden die Arbeiten von Dozentinnen und Dozenten sowie Studierenden der Institute für Europäische Studien und Europäische Geschichte der TU Chemnitz sowie von Lehrerinnen und Lehrern der beiden Schulen.

Im Ergebnis entstand in den Jahren 2014 bis 2016 eine App für Chemnitz mit acht Routen, die verschiedene Themen aufgreifen und die nun durch das eigene Erkunden des Stadtraums erlebt werden können. Die App für Smartphones und Tablets spiegelt, ausgehend von der industriellen Vergangenheit von Chemnitz, verschiedene Phasen der Stadtentwicklung und ihre Auswirkungen auf die Gegenwart wider. Präsentiert werden die Inhalte als Mix aus historischen und zeitgenössischen Bildern, kleinen Videos und Audioaufnahmen, Zitaten und sachlichen Informationen. Entgegen herkömmlicher faktenreicher Stadtführer enthält die App auch persönliche Ansichten, individuelle Eindrücke und aktuelle Diskurse zur Chemnitzer Industrie- und Stadtgeschichte. Sie zeigt auch, wie Chemnitz zu Karl-Marx-Stadt und wieder zu Chemnitz wurde. Die App ist kostenlos und in den gängigen „App Stores“ verfügbar: http://logspur.com/industriegeschichte-erleben/.

Das Projekt wurde von der Robert Bosch Stiftung gefördert. Weitere Informationen zum Projekt: www.industriegeschichte-erleben.de.

Zu den Projektinitiatorinnen:

Jun.-Prof. Dr. Birgit Glorius (Konzeption und inhaltliche Umsetzung, Projektleitung) ist seit 2013 Inhaberin der Professur „Humangeographie Ostmitteleuropas“ am Institut für Europäische Studien der TU Chemnitz. Ihre Forschungsinteressen liegen im Bereich der geographischen Migrationsforschung, der raumbezogenen Forschung zum demographischen Wandel sowie an der Schnittstelle Integration und Bildung.

Katja Manz (Konzeption und inhaltliche Umsetzung, Projektkoordination) ist freischaffende Stadtforscherin und promoviert momentan zum Thema „Urbane Erkundungen durch Chemnitz. Performativ-narrative Geographien urbaner Räume – Konzeption einer audiovisuellen Methode“. 2013 hat sie den interaktiven Stadtteilführer „SonnenbergERleben“ konzipiert und mit Studierenden der TU Chemnitz umgesetzt, der als Vorlage für das Projekt „Industriegeschichte erleben“ diente.

Mary-Anne Kockel (Technische und gestalterische Umsetzung, Interaction Designerin) studierte an der Züricher Hochschule der Künste und ist seit 2009 freischaffende Interaction Designerin in Leipzig. Sie hat 2013 den interaktiven Stadtteilführer „SonnenbergERleben“ technisch und gestalterisch umgesetzt.

Ein TV-Beitrag von CHEMNITZ FERNSEHEN findet sich im YouTube-Kanal der TU Chemnitz.

Mario Steinebach
08.02.2017

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