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Workshop-Tag zum Thema "Asylgeschichten"

Schüler einer fünften Klasse der Oberschule Altendorf besuchten am 15. Juni 2016 das Seminar "Asylum Accounts" der Anglistischen Literaturwissenschaft der TU Chemnitz

Flucht und Migration sind zwei Begriffe, die heute – insbesondere in Deutschland – im Mittelpunkt vieler Debatten stehen. Weltweit gibt es viele Kriege, Unruhen und auch viele Menschen, die auf der Suche nach einer besseren Zukunft aus ihren Heimatländern fliehen. Diese Diskussion war noch nie so aktuell wie heute und deswegen ist es von großer Bedeutung, dass alle Bürger und insbesondere die Kinder eine Sensibilität für dieses Thema entwickeln. Genau das war das Ziel des Workshops zum Thema "Asylgeschichten", der mit der Klasse 5a der Oberschule Altendorf an der Technischen Universität Chemnitz im Rahmen des Seminars "Asylum Accounts" in der Anglistischen Literaturwissenschaft, das von Prof. Dr. Cecile Sandten durchgeführt wurde, stattgefunden hat. 20 Schülerinnen und Schüler trafen auf etwa 20 Studentinnen, zehn von ihnen sind in der Grundschuldidaktik Englisch eingeschrieben. Daher schien es besonders passend, gemeinsam mit den Kindern, der Lehrerin und der Sozialarbeiterin der Schule, die übrigens den Titel "Schule ohne Rassimus"/"Schule mit Courage" trägt, von 8.30 bis 12.30 Uhr an dem Thema zu arbeiten. Als eine kurze Einleitung zum Thema haben wir ein Brainstorming zu folgenden Fragen gemacht: Was ist Asyl? Wer kann einen Antrag auf Asyl stellen? Aus welchen Ländern fliehen die meisten Menschen und warum? Wo befinden sich diese Länder auf der Karte? Welche Menschenrechte und Kinderrechte sind mit dem Thema „Asyl“ verbunden? Was für Geschichten bringen diese Menschen mit? Nach diesen Fragen gab es auch eine Runde aus komplizierteren Fragen über Themen wie: Was ist Heimat? Was sind Nation oder ein Nationalstaat? Gibt es staatenlose Menschen?

Im Anschluss daran gab es eine kurze Präsentation von Prof. Sandten mit einigen Antworten. Mithilfe des 1. Artikels der Genfer Flüchtlingskonvention haben wir definiert, wer als Flüchtling anerkannt wird und was er für Rechte hat. In der Präsentation wurden alle Ideen mithilfe von Bildern gut veranschaulicht und es wurde auch betont, dass es in allen Ländern Flüchtlinge gibt – sogar in Ländern, die sehr weit weg sind, wie Australien. Der Fokus lag auch auf der häufig prekären Situation von Kindern, die sich oft ohne ihre Familie auf der Flucht befinden. Damit die Schülerinnen und Schüler eine genaue Vorstellung von "angekommenen Flüchtlingen" entwickeln konnten, haben wir uns einen Dokumentarfilm vom UNHCR (United Nations High Commissioner for Refugees) angeschaut, in dem ehemalige Flüchtlinge, die häufig als jugendliche Flüchtende nach Deutschland gekommen sind, von anderen Flüchtlingen über ihr Leben damals und heute interviewt wurden.

Im zweiten Teil des Workshops haben wir uns in fünf Teams aufgeteilt, die sowohl aus Schülerinnen und Schülern als auch Studentinnen bestanden. In den Gruppen sollten durch interaktive Mitarbeit und gegenseitigen Austausch der Studentinnen mit den Schülern Plakate mit den wichtigsten Ergebnissen der jeweiligen Gruppe erstellt werden. Ich nahm in der "Internationalen Gruppe" teil, die sich aus Studentinnen verschiedener Nationalitäten zusammengesetzt hat. Andere Gruppen waren zum Beispiel noch die "Basketball-Gruppe", die "Übersetzer" oder die "Fremdsein-Gruppe". Das Ziel meiner Gruppe war es, dass die Schüler in unserem Team aus erster Hand die Erfahrung machen, wie es ist, wenn man ihre Muttersprache nicht sprechen kann. Am Anfang haben wir uns jeweils in unserer Muttersprache vorgestellt und unmittelbar danach auf Englisch, damit unsere jungen Teammitglieder schon ein bisschen mehr verstehen konnten. Danach haben wir zwei Gruppen gebildet (jeweils eine Studentin und ein Kind), die einander interviewten und zum Schluss ein Porträt auf großen Plakaten vom Partner zeichneten und ihn oder sie vorstellen sollten.

Dieser Prozess war sehr interessant sowohl für Studenten als auch für Schüler. Sie haben verstanden, dass wir uns ähnlicher sind als wir glauben. Allerdings haben die Kinder in diesem Alter eine sehr abstrakte Vorstellung von Land und Nationalität. Viel wichtiger war es für sie, unsere Gemeinsamkeiten zu finden und diese zu betonen, was auch Ziel der Übung war. Trotzdem hatten sie eine ziemlich genaue Vorstellung von der amtlichen Identität, die sie alle haben – das heißt, sie wussten, dass nur, wenn man einen Pass besitzt, den man beim Ausreisen vorzeigen kann, man offiziell als Staatsbürger anerkannt wird. Das könnte auch daran liegen, dass die meisten schon mit ihrer Familie im Ausland im Urlaub waren und dadurch Erfahrungen in diesem Bereich gesammelt haben.

Zum Schluss haben alle Gruppen die Ergebnisse ihrer Gruppenarbeit vorgestellt. Ich glaube, dass dieser erste Kontakt der Kinder mit Ausländern und deren Geschichten ein sehr großer Schritt zum Abbau von Stereotypen und zur Vermeidung von Rassismus sein kann. Am Ende des Workshops haben die Kinder festgestellt, dass sie jetzt eine bessere Vorstellung von der Idee des Fremden haben und dass sie jetzt wissen, dass Flüchtlinge, die seit einiger bzw. längerer Zeit in Deutschland leben, "sich bei uns wohlfühlen".

Zu meiner Schulzeit in Griechenland gab es keine Workshops für Schüler in Zusammenarbeit mit Universitäten. Heute habe ich aber festgestellt, dass solche Initiativen nur Vorteile für beide Gruppen (Studierende und Kinder) bringen. Am Ende des Workshops hatte ich das Gefühl, dass auch ich viel gelernt habe. Bis jetzt hatte ich leider noch nie die Möglichkeit, mit Kindern zu arbeiten. Jetzt weiß ich aber, dass das Lernen in diesem Fall ein wechselseitiger Prozess ist, da beide Seiten gleichzeitig viel voneinander erfahren können.

Im Anschluss an den Workshop in der Anglistischen Literaturwissenschaft ging es zum gemeinsamen Mittagessen in die Mensa und danach ins "Wunderland Physik", wo uns Dr. Sascha Gruner herzlich empfangen hat. Der Tag für die Kinder der 5a der Oberschule Altendorf stellte ein rundum gelungenes Ereignis vor Beginn der großen Sommerferien dar.

(Autorin: Styliani Koukou, Studentin der Interkulturellen Kommunikation)

Mario Steinebach
28.06.2016

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